Zur Petition für die Straffreistellung von Hausunterricht in Deutschland gibt es eine sehr lebhafte Diskussion. Es wird daraus ersichtlich, dass alle Vorurteile gegen den Hausunterricht und das Lernen ohne Schulbesuch bereits durch Studien aus Ländern, wo schulbesuchsfreies Lernen lange Tradition hat, widerlegt sind. Dennoch werden immer wieder diesselben Argumente zur Beründung der deutschen Schulanwesenheitspflicht angeführt – gebetsmühlenartig.
In diesem Beitrag fasse ich eines der gewichtigsten Argumente der Kritiker heraus und zeige, wie widersinnig dieses Argument ist.
Ein Vorwurf gegen Hausunterricht und Lernen ohne Schulbesuch lautet ja:
Das können höchstens Eltern mit hohen Bildungsabschlüssen oder evt. gar nur solche, die selber Lehrer sind. Eltern aus “niedrigeren Schichten” und mit geringem Bildungsniveau können das niemals. Oder so ähnlich …
Nun dazu Fakten:
Auf der anderen Seite kann der Staat hierzulande keine besonderen Erfolge bei der Beseitigung der Bildungsbenachteiligung bestimmter sozialer Schichten vorweisen. So attestieren Studien beim deutschen Schulsystem einen auffälligen Zusammenhang zwischen Bildungschancen und sozialer Herkunft. 2006 schreibt darüber das Bundesministerium für Bildung: “Zudem entscheidet in keinem anderen Industriestaat die sozio-ökonomische Herkunft so sehr über den Schulerfolg und die Bildungschancen wie in Deutschland.”
Quelle: Bayerischer Rundfunk – BR-online vom 13.08.2008
“Zwischen Elitenbildung und Bildungsanspruch” (Sendung zu Privatschulen)
Und dann aus einer britischen wissenschaftlichen Arbeit von Paula Rothermel aus dem Jahr 2004 (“journal of early childhood research” – PDF-Dokument S. 22):
The fact that findings here contradict the many studies linking social class to low attainment (e.g. Feinstein, 2002) suggests that policy makers might do well to study the home-education model and explore ways in which the benefits could be adapted into mainstream education.
Rothermel fasst hier zusammen, was sie zuvor u. a. ausführlicher beschreibt und belegt, dass die sozi-ökonomische Herkunft bei Home Education (wie es in Großbritannien heißt) und der Bildungserfolg kaum Korrelation zeigen. Sie führt auch Begründungen dafür an. (Der Titel der Arbeit lautet: “home-education comparison of home- and school-educated children on PIPS baseline assessments”)
Ein solches Ergebnis, das zeigt, dass sozio-ökonomische Herkunft und Bildungserfolg bei schulbesuchsfreier Bidlung (meist sogar weit) weniger stark korrelieren als bei der üblichen Schulbildung ist nicht auf Großbritannien beschränkt, Studien aus anderen Ländern belegen dies.
Da in Deutschland die Diskrepanz zwischen Bildungserfolg und Herkunft so enorm ist, ist die Forderung nach der legalen Möglichkeit schulfrei zu lernen sogar eindeutig im Sinne des Kindeswohles & der Chancengleichheit & des sozialen Friedens & der Antidiskriminierung & der Wirtschaft. Meines Erachtens stehen die Bundesregierung sowie die Länderregierungen und alle Verantwortlichen hier eindeutig in der Pflicht! Versagen sie die legale Möglichkeit schulfreier Bildung weiterhin mit fadenscheinigen “Begründungen”, so machen sie sich eindeutig schuldig an besonders denjenigen, die hier keine oder kaum Aufstiegschancen haben – entgegen aller Propaganda von der Chancengleichheit durch Schulbesuch!







