Kein Geld: Schule verweist Schwestern

Hart handelte die Grund- und Hauptschule Blumlage im Fall zweier Mädchen. Sie wurden aus dem laufenden Unterricht zitiert, mussten ihre Bücher abgeben, und wurden direkt zur Altstädter Schule gefahren, in die sie nun gehen sollen. Grund: Die Eltern der 12- und 13-jährigen Hauptschülerinnen konnten das Geld für das verpflichtende Mittagessen an der Ganztagsschule nicht zahlen und stehen mit 262 Euro im Rückstand. Für den Vater kommt es noch dicker: Er wollte die Schulleiterin zur Rede stellen und wurde handgreiflich. Die Schulleiterin hat inzwischen Anzeige erstattet.

CELLE. Heidrun und Holger Kruse wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Völlig aufgelöst kamen ihre 12 und 13 Jahre alten Töchter am Montag, 14. April, von der Schule nach Hause. Sie erzählten, dass sie am Vormittag aus dem Unterricht genommen und ins Büro der kommissarischen Schulleiterin Susanne Witkowski bestellt wurden. Dort erklärte ihnen die Schulleiterin, dass sie ihre Bücher abzugeben haben und von einer Lehrerin zur Altstädter Hauptschule gefahren werden, in die sie von nun an gehen sollen. Grund: Die Eltern der Mädchen, beides Hartz-IV-Empfänger, stehen mit 262 Euro bei der Ganztagsschule in der Kreide, da sie das Geld für das verpflichtende Mittagessen nicht zahlen konnten.
Vier Tage zuvor, am Freitag, 11. April, erhielt die Familie Post von der Blumläger Schule. Darin teilte Witkowski mit, dass die Eltern ihre Kinder „umgehend” in der Altstädter Schule anzumelden haben, „damit Ihre finanzielle Verpflichtung uns gegenüber nicht noch größer wird”, heißt es im Brief. Die Mädchen haben montags und mittwochs in der Schule für drei Euro pro Person gegessen. An der Altstädter Schule gibt es kein Mittagessen.
Die Kruses reagieren mit Unverständnis: „Das ist Diskriminierung”, sagt Holger Kruse. „Das war ein Schock für mich”, so eines der Mädchen. Auch die Lehrerin, die die Mädchen an der Altstädter Schule absetzte, habe Tränen in den Augen gehabt. Die Mädchen sind krank geschrieben, leiden offensichtlich psychisch unter der Situation. Beide können kaum schlafen, die Jüngere hat ständig Nasenbluten. Sie werden mit Hausaufgaben von Mitschülern versorgt und lernen zu Hause.
Dabei haben die Eltern der Schulleitung nach eigener Aussage angeboten, die Kinder mittags zu Hause zu verpflegen. Die Schule ist nur 200 Meter von der Wohnung entfernt. Auch mit einer Ratenzahlung von 20 Euro im Monat wolle sich die Schule nicht zufriedengeben, so Holger Kruse. Die Familie habe lange die Kaution für ihre neue Wohnung abzahlen müssen. Die ist inzwischen bezahlt, jetzt sei wieder mehr finanzieller Spielraum da.
Ein Nachspiel hat die Sache für Holger Kruse. Er wollte Schulleiterin Witkowski zur Rede stellen und wurde handgreiflich. Witkowski zeigte Kruse wegen leichter Körperverletzung an und erteilte Hausverbot.
Witkowski darf keine Stellung beziehen und verwies auf die Landesschulbehörde. Die nimmt die Angelegenheit „sehr ernst” und will sie eingehend prüfen, so eine Sprecherin.

Andre Dolle

21.04.2008 19:43; aktualisiert:21.04.2008 21:24

http://www.cellesche-zeitung.de/lokales/celle/346706.html

zum Hintergrund: Arbeitsübersetzung des Berichts des Sonderberichterstatters für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz

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Wir berichteten:

 

Die größte Unterrichtsstunde der Welt

 

Im Mittelpunkt der Aktionen in diesem Jahr steht der Globale Aktionstag am 23. April 2008. Inhaltlich geht es diesmal insbesondere um die Frage der Diskriminierung und Ausgrenzung in Bildungssystemen.

Rund um den Globus wird an diesem Tag in Schulen und an anderen Orten die gleiche Unterrichtsstunde über die Notwendigkeit von Chancengleichheit im Bildungswesen abgehalten und damit eine riesige globale Öffentlichkeit erzeugt.

Neben der Teilnahme am Weltrekordversuch können Sie im Rahmen der Kampagne auch Politiker und Politikerinnen in die Schule einladen oder mit den Schülerinnen und Schülern Forderungen an die Politik erarbeiten.

Wie können Sie daran teilnehmen?

  • Führen Sie die Stunde am 23. April 2008, 10.00 Uhr durch oder planen Sie eine andere Aktion im Rahmen der Kampagne.
  • Schicken Sie uns die Rückmelde- und Anmeldebogen ausgefüllt zurück.
  • Im Anschluss erhalten Ihre Schülerinnen und Schüler eine Teilnahmeurkunde.

Das deutschsprachige Materialpaket mit dem Ablaufplan der „größten Unterrichtsstunde” können Sie im Kasten „Download“ ebenso herunterladen wie das Basispaket mit allgemeinen Hintergrundinformationen und Unterrichtsmaterialien. Darüber hinaus können Sie beim Bereich Internationales des GEW Hauptvorstandes Flyer, Plakate, Buttons sowie die Druckversion (Broschüre) des Basispaketes unentgeltlich bestellen.

Besonders für Kinder und Jugendliche aus armen Familien und aus Familien mit Migrationshintergrund sowie für Kinder mit Behinderungen wirkt sich das deutsche Schulsystem mit seiner strikten Trennung zwischen den verschiedenen Schultypen als “De-facto-Diskriminierung” aus, heißt es in dem vor einigen Monaten vorgelegten Bericht des UN-Sonderberichterstatter Vernor Munoz über das deutsche Bildungswesen. Während seiner Recherchen in Deutschland erfuhr Muñoz unter anderem, dass “viele Kinder und Jugendliche” aus Flüchtlingsfamilien “aus Angst vor einer möglichen Entdeckung und Abschiebung der Schule fernbleiben”, heißt es.

Muñoz verweist dabei ausdrücklich auf die Position der Bundesregierung, die das Ausländerrecht über die allgemeinen Menschenrechte stellt, und rät zu einer “ausführlichen nationalen Debatte” über die “Marginalisierung von Schulkindern”.

Als Antwort auf den Bericht ließ Berlin lapidar verlauten, eine “bewusste bildungspolitische Ungleichbehandlung von Kindern mit Migrationshintergrund” sei “nirgends in Deutschland erkennbar”. Tatsächlich jedoch erledigen Zehntausende von Flüchtlingskindern ihre Hausaufgaben täglich unter beschwerlichen Bedingungen: Wie Menschenrechtsorganisationen berichten, sind sie oft in Lagern, zum Teil sogar in Stahlcontainern untergebracht, die über eine Wohnfläche von in der Regel maximal 6 Quadratmetern pro Person verfügen und zudem meist weit von Schulzentren und anderen Orten sozialen Lebens entfernt sind.

Den Original-Beitrag kann man hier http://www.gew.de/Die_groesste_Unterrichtsstunde_der_Welt.html finden.

Kinder und Jugendliche, die nicht zur Schule gehen, und eventuell deren Eltern wollen sich vielleicht auch zu diesem Thema einbringen. Wer mag, kann dazu hier unter Comments Anregungen hinterlassen, wie wir das handhaben könnten, oder auch mich direkt unter Kontakt Eljascha anschreiben.

Interessant fände ich auch, wenn wir anschließend an diese Aktion hier vergleichende Stellungnahmen von Schülern, die in Schulen gehen, und deren Eltern, und Kindern und Jugendlichen, die ohne Schule lernen, und deren Eltern sammeln und präsentieren könnten.

Von Dr. Helmut Reisener, Dipl.-päd., Hochschullehrer Und Schulbuchautor, Lüneburgl hat zu: Schulen dürfen keine Sackgasse sein”  Interview mit Annette Schavan, 30. März einen Leserbrief geschrieben  (6. April, 2008):

Über diesen Zusammenhang [Neue Landesregierungen = neue Lehrpläne =  neue Lehrplankommission = neue Lehrwerke... usw.] hat bereits der Lehrer Erich Kästner nachgedacht und gesagt: “Misstraut gelegentlich euren Schulbüchern! Sie sind nicht auf dem Berge Sinai entstanden, meistens nicht einmal auf verständige Art und Weise, sondern aus alten Schulbüchern, die aus alten Schulbüchern entstanden sind, die aus alten Schulbüchern entstanden sind, die aus alten Schulbüchern entstanden sind. Man nennt das Tradition.” (Erich Kästner, Gesammelte Schriften für Erwachsene, Bd. 7, S. 182/183)

 Das erinnert mich an einen Beitrag, Von Raffgier und Ausbeutung, den ich am 23. Januar, 2008 bei Genügsames Leben gepostet habe.  Die Fragen, die ich damals zum Artikel gefasst habe poste ich nochmals hier [Fragen in eckigen Klammern beziehen sich primär auf den Artikel im Beitrag Von Raffgier und Ausbeutung]:

  • Wer schreibt die Schulbücher? 
  • Welche Weltansicht teilen/verteidigen/vermitteln diese Schreiber? 
  • Wer konrolliert die Inhalte? 
  • Wer profitiert davon, dass Kinder diese Inhalte lernen?
  • Wollen wir, dass unsere Kinder solchen Inhalte lernen?
  • Werden Eltern aufgeklärt über diese Lehre?
  • [Weiss der Staat, dass sie eigentlich gegen sich selbst arbeitet?  Wenn ja, was denkt "der Staat" dazu?  Wieso?]
  • Welche mitsprache Recht haben Eltern in der Sache:  Lehrmittelanschaffung?
  • Sind diese Inhalte so wie sie vermittelt werden tatsächlich Teil des Lehrplans?  [Steht lediglich:  "Wirtschaftslehre" auf dem Plan oder steht:  "Wirtschaft aus diese oder jene Sicht"?]
  • Wie kann man den lieben Nachwuchs eine ausgewogene Bildung [in Sache Wirtschaft] ermöglichen?

Eine weitere interesante Diskussion um Schulbücher:

Köln (ots) - Die Internetseite spickmich.de eröffnet kommenden Dienstag (08. April 200 8) ein weiteres Meinungsforum zum Thema Schule. Unter www.schulradar.de können dann auch Eltern Noten z.B.  für die Schulleitung, das Schulgebäude oder die Lehrkräfte verteilen  und sogar Schulen in ihrer Umgebung vergleichen. <Quelle und weiterlesen>

Die Schüler bewerten bereits auf dem bekannten –und von den gleichen Betreiber der Schulradar.de– Schülerportal spickmich.de die Schulen in Kategorien wie “Qualität der Lehrer”, “Unterrichtsausfall”, oder “Mitbestimmungsmöglichkeiten”. Diese Noten werden auf Schulradar.de übernommen und liefern wichtige Eindrücke  aus Sicht der Schüler.

Sogar eine Möglichkeit, Fotos hochzuladen, um der eigene Beobachtung bzw. Meinung zu untermauern, sollte es geben. 

Wird dieses Portal zum gewünschten Schultransparenz führen?  Führt dies gar zu eine Besserung in der Bildungslandschaft Deutschlands?

Interessant (und meines Erachtens vielversprechender) fände ich es, wenn Schule.net in dieser Hinsicht tätig wäre… wie das jetzt aufgebaut ist (also, dass “anonyme” Bewertungen stattfinden–ohne eine öffentliche “zur Schau stellen”), bringt nicht das gleiche Ergebnis, wenn es darum gehen soll, daß Eltern sich über eine Schule informieren können.  Aber wenn es darum gehen soll, dass Schulen eine Rückmeldung bekommen sollen, womit sie gelobt/getadelt werden, scheint mir diesen Ansatz schon etwas produktiver zu sein…

 

 

Ein Artikel aus NEUES DEUTSCHLAND, in der Printausgabe vom 17.03. zum Thema Homeschooling.

Letzte Konsequenz: Homeschooling

Die Schulpflicht erlaubt nur Ausnahmen, aber manche Eltern nehmen die Bildung ihrer Kinder selbst in die Hand

Von Tom Mustroph

 

Das deutsche Schulsystem löst Verunsicherung aus. Bildungspolitiker streiten über Schulsysteme, Bildungsexperten über Formen und Methoden. Eltern und Schüler sind aufgefordert, sich um die bestmöglichen Bildungschancen zu bemühen, sind aber tendenziell überfordert, die richtige Schule für ihre Kinder auszuwählen. Eine Konsequenz, die Eltern aus dieser Malaise ziehen, ist, die Sache der Bildung selbst in die Hand zu nehmen.

In Form der Mitarbeit bei Schulvereinen oder gar der Mitarbeit bei Schulgründungsvereinen unternehmen sie das häufig. Doch aus Sicht mancher Eltern sind auch hier Beharrungsmomente und Widerstände so groß oder die materiellen Möglichkeiten so begrenzt, dass sie den Weg der eigenverantwortlichen Bildung ihrer Kinder mit allerletzter Konsequenz gehen. Das bedeutet dann Homeschooling.

In der Bundesrepublik Deutschland ist das gesetzlich verboten. Nur Ausnahmen sind erlaubt. Bei langer Krankheit etwa dürfen Kinder zu Hause den Stoff halber Schuljahre nachholen. Eltern, die in einem Land arbeiten, in dem keine adäquate Schule zu finden ist, wird gestattet, den Unterricht ihrer Kinder zu Hause zu organisieren. Dabei gelten die deutschen Rahmenpläne. Doch auch über diesen Personenkreis hinaus betreiben Eltern in Deutschland Homeschooling. Zu einem Teil sind dies Eltern, die aus religiösen Gründen (es handelt sich meist um Christen) mit einem Teil des Schulstoffes nicht einverstanden sind. Es häuft sich aber auch die Zahl der Eltern, die wegen der Mängel der Schulen den Unterricht lieber selbst übernehmen wollen.

Carola Winter ist eine von ihnen. Die studierte Molekularbiologin hat ihren Sohn Max vor zwei Jahren wegen des häufigen Unterrichtsausfalls aus der ersten Klasse einer Grundschule genommen und zu Hause unterrichtet. In der oberen Etage des Einfamilienhauses im Grunewald ist eine Schulecke eingerichtet. Ein Schreibtisch steht dort, Lehrmaterialien sind in Fächern geordnet, Landkarten hängen an der Wand. Nicht immer fand der Unterricht hier statt. Manchmal sind Mutter und Sohn ins benachbarte Kinderzimmer gewechselt, manchmal sind sie in den Garten gegangen. Der Unterricht begann zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr, nachdem der Vater, ein Musiker, das Haus verlassen hatte und zur Arbeit gegangen war.

Ungefähr 90 Minuten haben sich die beiden mit den viel Konzentration erfordernden Aufgaben beschäftigt. Danach gab es eine lange Pause und dann waren, ebenfalls ungefähr 90 Minuten lang, sinnlichere Fächer wie Sachkunde an der Reihe. Die werden oft als Projektarbeit gestaltet. Max hat sich ein Thema ausgesucht, dazu recherchiert und das Wissen in einem Vortrag gebündelt.

An manchen Tagen haben die beiden im Garten Fangen gespielt. Eine Musikerin bringt dem Jungen Klavier- und Gitarrespiel bei. Am Nachmittag geht er mit Freunden zum Reiten und zu einem Töpferkurs. Oft kommen die Freunde auch ins Haus, so dass er Kontakt mit Gleichaltrigen hat. Einmal die Woche besucht er einen Hochbegabtenkurs für Biologie und Chemie. Freitags ist der Exkursionstag. Da ging es zum Beispiel in die Domäne Dahlem, um auf einer alten Waage Maße und Gewichte anschaulich zu machen oder ins KaDeWe, als dort ein Aussteller Kinder in avancierte Legotechnik eingeführt hatte.

Die bisherige Bilanz sieht aus Perspektive von Carola Winter positiv aus: »Wir haben festgestellt, dass wir viel schneller durch den Stoff kommen. Wir brauchen ungefähr ein Drittel der Zeit«, sagt sie. Orientierungspunkt waren die Berliner Rahmenpläne. »Über das Netzwerk Homeschooling, in dem auch einige an staatlichen Schulen angestellte Pädagogen mitarbeiten, sind wir an die Lehrerhandbücher gekommen. Die sind übersichtlich aufgebaut. Jede Schulbuchseite ist darin erklärt und es werden Vorschläge für Übungen und die Häufigkeit der Wiederholungen gemacht«, erklärt sie. Am Anfang hatte sie wegen der Schnelligkeit von Max befürchtet, dass er nur oberflächlich gelernt hatte. »Aber dann hatte ich mich überzeugt, dass das Wissen auch sitzt. Bei zuviel Wiederholungen hat sich Max gelangweilt. Also sind wir weitergegangen.«

In zweieinhalb Jahren Hausschule haben die beiden dreieinhalb Schuljahre absolviert. Auch sozial sieht sie Vorteile in ihrer Schulwahl. »Der Kontakt zum Kind intensiviert sich. Man weiß viel besser, womit es sich beschäftigt.« Max, zum Vergleich von Regelschule und Hausschule befragt, gibt der familiären Variante den Vorzug. »Es macht mehr Spaß. Ich lerne mehr«, sagt er. Dass seine Mutter nun die absolute Zentralgestalt seines Lebens ist, scheint den 9-Jährigen nicht zu stören. Gegenwärtig geht er allerdings wieder in die vierte Klasse einer Grundschule. »Wir hatten uns bemüht, für die Aufnahme ins Gymnasium eine externe Prüfung ablegen zu dürfen. Aber das wurde uns nicht gestattet«, erzählt die Mutter. Zugangsberechtigung für das Gymnasium ist das Halbjahreszeugnis der vierten Klasse.

Carola Winter ist keine dogmatische Hausschulverfechterin. Ihren jüngeren Sohn Martin hat sie im Herbst in die erste Klasse eingeschult. »Im Kindergarten war so viel Vorfreude auf die Schule erzeugt worden, dass ich ihm diese Erfahrung nicht nehmen wollte«, erklärt sie. Sie bedauert diese Art der Konditionierung für das Schulsystem ein wenig, richtet sich aber nach den Wünschen des Kindes.

Homeschooling in Deutschland ist mit einem gewissen Risiko behaftet. Weil es formal nicht erlaubt ist – es besteht Schulpflicht – werden Eltern manchmal geduldet, manchmal aber auch von staatlichen Stellen verfolgt. Die Homeschoolingszene weiß von Gerichtsverfahren und angedrohten Gefängnisstrafen zu erzählen. Carola Winter hat von Familien gehört, die es aus diesem Grunde vorgezogen haben, auszuwandern.

In anderen Ländern ist Homeschooling erlaubt. In den USA werden laut amtlicher Statistik 2,2 Prozent der Kinder zu Hause unterrichtet, das betrifft 1,1 Millionen Kinder (Stand 2003). In Großbritannien geht man von 50 000, in Australien von 20 000 Kindern aus. Außer der großen Gruppe religiös divergenter Eltern (40 Prozent der Homeschooling-Eltern in den USA haben sich aus religiösen Gründen dafür entschieden) gehören viele der Eltern, die Homeschooling wagen, den so genannten bildungsnahen Schichten an. Sie wollen ihren Kindern einen besseren Start ins Leben ermöglichen.

Für Homeschooling im Grundschulalter gibt es viele gute Gründe. Die Leistung von Grundschülern ist weniger vom Schulsystem als von der Intensität der Betreuung und Zuwendung abhängig, legen aktuelle Studien nahe. Engagierte Eltern können sich den Grundschulstoff wohl auch leichter erarbeiten. Mit einer ausgebildeten Grundschullehrerin will sich Carola Winter dennoch nicht vergleichen. »Ich kann mein Kind unterrichten. Für den Unterricht einer ganzen Klasse sind ganz andere pädagogische Fähigkeiten notwendig«, sagt sie klipp und klar. Von einer befreundeten Familie in den USA weiß sie, dass Homeschooling auch in höheren Klassenstufen erfolgreich sein kann. »Je höher die Klasse, desto mehr wird auf das eigenständige Erarbeiten gesetzt. Dennoch beschäftigt sich auch die Mutter mit dem Schulstoff und kann das Lernpensum in die richtigen Bahnen lenken«, hat sie erfahren.

Für bildungsnahe Eltern kann Homeschooling durchaus zur Alternative werden. Allerdings müsste sich da zuerst die deutsche Rechtssprechung von der Schulpflicht hin zur Pflicht auf Bildung verändern. Die Bildungspflicht wiederum gäbe Eltern die Möglichkeit, von den Schulen adäquate Leistung zu verlangen. Außerdem müsste die Schulaufsicht auch eine fachliche Kontrolle der Homeschoolingfamilien gewährleisten. Carola Winter wäre damit vollauf einverstanden.

Gegen die Umwandlung der Schulpflicht in eine Bildungspflicht spricht lediglich, dass die Schulfreiheit Tendenzen zur Parallelgesellschaft verstärken könnte. Schule als Instrument zur Zwangsassimilation wäre allerdings ein missverstandener Bildungsauftrag.

*Wiederholung der Sendung vom 31. März:

Montag, 31. März, 1.45 Uhr (NDR)
Dienstag, 1. April, 9.40 Uhr (MDR)
Dienstag, 1. April, 0.20 Uhr (rbb)
Freitag, 4. April, 10.15 Uhr (3sat)
Samstag, 5. April, 7.15 Uhr (hr-fernsehen)
 

Die Gäste der nächsten Sendung am 31.03.2008, 22.45 Uhr DasErste

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Dagmar und Tilman Neubronner

(Bremer Eltern, die gegen die gesetzliche Schulpflicht kämpfen und ihre Söhne zu Hause unterrichten)

Sie sind Deutschlands bekannteste “Homeschooling”-Familie. Seit zweieinhalb Jahren entziehen Dagmar und Tilman Neubronner ihre Söhne der gesetzlichen Schulpflicht und unterrichten Thomas ( 8) und Moritz (10) zu Hause.

Die Bremer wehren sich nicht aus Prinzip gegen das staatliche Schulsystem, sondern wollen nach eigenen Angaben lediglich ihre Kinder nicht gegen deren Willen zum Schulbesuch zwingen. Nun liegen sie deshalb im Clinch mit den Behörden: Ein Antrag auf Schulpflichtbefreiung wurde abgelehnt, die Familie flüchtete aus Angst vor Sorgerechtsentzug sogar ins Ausland.

Jetzt sprechen Dagmar und Tilman Neubronner bei “Beckmann” über ihre ungewöhnlichen Lehrmethoden und erklären, warum sie “Homeschooling” als Alternative zum Klassenzimmer sehen.

Gerade entdeckt und da frage ich mich, was ihr von diesen Zitat findet?

Würde man einen Chirurgen 50 Jahre in die Vergangenheit schicken und verlangen, dass er in einem OP-Saal eine Operation durchführt, würde er das wohl als Aufforderung zur fahrlässigen Tötung auffassen.

Versetzt man einen Lehrer 50 Jahre zurück in ein Klassenzimmer, könnte er nahtlos weiterunterrichten, denn geändert hat sich seither nicht so viel: Die Anordnung im Klassenzimmer ist meist immer noch dieselbe und auch die Anforderungen an die Schüler.<Quelle und gesameten Beitrag lesen>

Danke nochmals an Lia für ihr Buch Tipp!

Fragen dazu:

  •  Stimmt diese Behauptung?  Oder kann man eine differenzierte Antwort darauf geben?
  • Wie kann eine Schulpolitik aussehen, das nicht nur Zukunftsweisend ist,  sondern auch ganz einfach alltagstauglich ist?
  • Kann man eine zukunftsorientierte Schulpolitik mit mehr, weniger oder andere staatliche “Kontrolle”/”Lenkung” erreichen?
  • Oder:  Steht und fällt die einzelne Schulerfolg bei der jeweilige Schule/Schulleitung?
  • Oder:  Ist eine erfolgreiche Schulpolitik abhängig von der individuellen Begebenheiten, die jede Schüler zu Hause mitbekommt (elterliche Bildungsgrad, gesellschaftlichen Rang, Liebe und Geborgenheit, usw…)?

Was sagst du?

Wenn das nicht gute Nachrichten sind…

Die pädagogische Revolution hat begonnen.  Von Christian Füller

Glaubt man, das sowas in Deutschland passiert?

In einem dieser 400 Quadratmeter weiten Areale treffen die Besucher nun zum Beispiel Lisa und Marie. Die beiden sechsjährigen Mädchen arbeiten gerade an ihrem Wochenplan - ganz allein. Eine Lehrerin ist zunächst nicht zu sehen. Nach und nach sind 80 Schüler zu entdecken. Auf einer Tribüne sitzen ein paar Schüler, die sich in Büchern vertieft haben. In einer Ecke ruht ein Mädchen sogar, auf Kissen gebettet. Hinter einem Raumteiler steht schließlich doch eine Lehrerin vor einer größeren Gruppe von Schülern und erklärt etwas. Wenn Gäste verwundert fragen, wo hier eigentlich gelernt wird, dann tippt sich Rektor Tlustek gern mal man an die Stirn: “Hier oben, im Kopf.”

Also, eine nicht alltägliche Artikel über unkonventionelle aber längst überfällige Schulreforme… lesenswert!

Ob es allerdings soweit kommt, dass Familien dieses Recht auf Freies Lernen zugestanden wird, bleibt noch offen….

(Auch bei Genügsames Leben gepostet)

Hier ist die exklusive Vorabveröffentlichung des Romans von Vera F. Birkenbihl.

Originalton der Autorin: “Dies sind Auszüge aus meinem ROMAN, in dem der BILDUNG im Wortsinn DER PROZESS GEMACHT WIRD.  Schwerpunkt der Autoren-Lesungen werden Gerichtsszenen sein, in denen vom Schulbuch-VERLEGER über LEHRKRÄFTE bis zu Autoren von Lehrwerken (z. B. Fremdsprachen-Textbüchern) als Zeugen auftreten, wobei so mancher Zeuge zum Angeklagten wird… Die Dialoge sind eine andere Form, meine Kernaussagen der letzten Jahrzehnte auf den Punkt zu bringen…”

In der ersten Folge dieser neuen Reihe mit dem Titel “Vor dem Prozess” gibt es eine Einführung und Erklärung zum Prozess, außerdem treffen bei einer Frensehausstrahlung eines Internettalks am Vorabend des Prozesses ein Journalist, ein Linguist, ein Soziologe und ein Historiker aufeinander, die über Einwanderung und deren Folgen auf das Bildungssystem diskutieren.

Gesprochen von der Autorin Vera F. Birkenbihl

Von mir nur zwei Zitate:

Lagen die vielen Probleme millionen von Schülern und Schülerinnen am System, oder waren doch die Schüler oder ihre Eltern schuld? Das sollte sich zeigen.

Zum Sozio-Ökonomische Distanz–Argumente vom Kinderrechtsbeistand:

In beiden Länder [USA wie Deutschland] profitieren Kindern um so mehr vom Schulsystem je weniger sie es benötigen, bzw.  je mehr Bildung sie zu Hause erleben.  Man kann auch sagen, je weniger sie das Schulsystem brauchen, desto mehr profitieren sie, während genau jene Kinder, denen das Schulsytem bieten soll, was zu Hause fehlt, in diesem System versagen müssen.

Bei Podcast.at.   Bildungsverantwortliche müssen sich das unbedingt anhören.

Gefunden bei Lernen Heute.

Lia schrieb dieses Kommentar und dabei hat sie die Weisheit der Dakota-Indianer genommen und in eine Diskussion über die öffentliche Schulsituation eingebracht…

Eine Weisheit der Dakota-Indianer besagt: „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!”

Hört sich doch so simpel an, oder? Aber statt vom toten Pferd abzusteigen wurden in unserem beruflichen (und schulischem) Leben viele Methoden und Strategien - zum Teil bis zur Perfektion - entwickelt, um dem Unausweichlichen doch ausweichen zu können. Kommt Dir die eine oder andere der folgenden Strategien vielleicht bekannt vor?

1. Wir besorgen uns eine stärkere Peitsche.
2. Wir sagen: „So haben wir das Pferd schon immer geritten”.
3. Wir gründen einen Arbeitskreis, um das Pferd zu analysieren.
4. Wir besuchen andere Orte, um zu sehen, wie man dort tote Pferde reitet.
5. Wir erhöhen die Qualitätsstandards für den Beritt toter Pferde.
6. Wir bilden eine Task-Force, um das Pferd wiederzubeleben.
7. Wir kaufen Leute von außerhalb ein, die angeblich tote Pferde reiten können.
8. Wir schieben eine Trainingseinheit ein um besser reiten zu können.
9. Wir stellen Vergleiche unterschiedlicher toter Pferde an.
10. Wir ändern die Kriterien, die besagen, dass ein Pferd tot ist.
11. Wir schirren mehrere tote Pferde gemeinsam an, damit wir schneller werden.
12. Wir erklären: „Kein Pferd kann so tot sein, das wir es nicht mehr reiten können.”
13. Wir machen eine Studie, um zu sehen, ob es bessere oder billigere Pferde gibt.
14. Wir erklären, dass unser Pferd besser, schneller und billiger tot ist als andere Pferde.
15. Wir bilden einen Qualitätszirkel, um eine Verwendung von toten Pferden zu finden.
16. Wir richten eine unabhängige Kostenstelle für tote Pferde ein.
17. Wir vergrößern den Verantwortungsbereich für tote Pferde.
18. Wir entwickeln ein Motivationsprogramm für tote Pferde.
19. Wir erstellen eine Präsentation in der wir aufzeigen, was das Pferd könnte, wenn es noch leben würde.
20. Wir strukturieren um damit ein anderer Bereich das tote Pferd bekommt.

Quelle: [leider unbekannt], aber ich habe es hier gelesen, danke Lia!  Überhaupt hat diesen Beitrag eine sehr interessante Wendung bei der Kommentare genommen!  Lesenswert, finde ich…

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