Ich liebe es, in der Bloggerszene herum zu surfen. Da trifft man auf authentische Menschen, die alles mögliche schreiben. Heute möchte ich euch vom „Muttersein“ schreiben.
Nein, Kinder sind wirklich toll! Eine Grenzerfahrung. Wie Bungeejumping, nur länger. Und nichts auf der Welt bereitet Dich auf den Schockzustand der ersten Wochen vor. Und noch schlimmer: nichts auf der Welt hat Dich ahnen lassen, dass Du jemals mit dieser Intensität, mit dieser Kompromisslosigkeit lieben würdest. Welten verschieben sich, wichtiges wird unwichtig, nichts wird wieder sein, wie es mal war.
Und während Dir plötzlich klar wird, dass Du vom Moment der Geburt an für immer verletzlich sein wirst, weißt Du, dass es etwas gibt, dass das aufwiegt. Ein einziges Wort. Mama.
Auf Koljaslog schrieb Kaleema vor nicht allzulanger Zeit diese abschließende Worte. Ihr Beitrag geht eigentlich darum, wie Sehnsucht und Realität manchmal sehr weitauseinander klaffen. Es ist eine wunderschöne Beschreibung, wie die Verwandelung von Frau zu Mutter sich entfaltet. Eine Zeit der wechselnde Gefühle. Eine Veränderung für immer.
Mutter zu sein ist eine wunderbare Herausforderung und eine Ehrentitel zu tragen. Aber unsere Gesellschaft unterliegt eine Wandel… überall lesen oder hören wir von Eltern, von Müttern, die überfordert sind, die in ihrer Not zu grausame Gewalttaten getrieben werden. Wir sind entsetzt und die Gesellschaft schreit nach Hilfe: Wir können nicht zulassen, daß solche kleine Wesen, schutzbedürftige Kinder, solchen Gewalt ungeschützt gegenüber stehen! Der Schrei nach staatliche Hilfe ist groß, soll sich doch der Staat um seine Bürger und ins Besondere die schwärcheren Glieder der Gesellschaft kümmern.
Mutter zu sein, auf der eine Seite, die gesellschaftliche Entwicklung, auf der andere Seite, sind zwei große Felder, die sehr wohl unsere Bildungspolitik formen. Vielleicht sollte ich es genauer sagen: Die Perzeption des Mutterseins und die gefühlte gesellschaftliche Entwicklungen lenken die politische, journalistische und allgemein-schulische Bemühungen, etwas positives zu bewirken.
Ich persönlich denke, wir müssen über diese Tendenzen, Entwicklungen und Beobachtungen reden. Dieser Reihe nenne ich „Du bist Deutschland“ (ja, ich habe den Titel geklaut! Aber wir wollen sie hier mit authentische Bilder von unsere Gesellschaft mit Leben ausmalen.) Muttersein ist ein nicht zu unterschätzender Fassette Deutschlande und ich freue mich, sie mit dir wieder zu entdecken!
Wie siehst du die Mutter von heute?
12. Februar 2008 at 4:22
Ich habe den Beitrag und die Kommentare gelesen, und musste bei dem meisten ehrlich gesagt den Kopf schütteln. Ich finde mich da überhaupt nicht wieder…vielleicht habe ich aber auch nur Glück gehabt?
Jedenfalls stelle ich immer wieder fest, dass Frauen heute rein garnicht aufs Mutterdasein vorbereitet werden. Was früher normal war, ist heute eine riesige Herausforderung.
Die meisten haben romantische Vorstellung vom Kinder-Kriegen und den ’süßen Babies’. Aber doch vor allem auch, weil sie nie etwas mit Kindern oder Babies zu tun haben. Selbst jüngere Geschwister – an denen man sich erproben könnte – sind eine Seltenheit.
Ich habe die ganzen Jahre – gerade aber auch die erste Zeit nach der Geburt meiner Tochter – über alles genossen.
Klar, war es nicht immer leicht. Aber ich wusste vorher, was auch mich zukam. Ich hatte keinerlei rosarote Illusionen. Das Leben ist das Leben, und kein Märchen aus Plüsch.
15. Februar 2008 at 1:09
Ich denke auch, dass es uns einfach nur an Erfahrungen und guten Vorbildern mangelt in der heutigen Zeit. Vermutlich war es früher noch viel „anstrengender“, ein Kind zu haben, aber da hatte man eben nicht nur ein einzelnes, sondern gleich mehrere und die Omas und die Tanten und Cousinen mit im Haus oder in der näheren Umgebung. Und man hatte von ihnen gelernt, als sie Kinder hatten und zeigt ihren Kindern, wie es ist, Kinder zu haben. Und dann kommt es eben gar nciht dazu, dass man sich einbildet, da sei alles nur eitel Freude und Sonnenschein, sondern dann weiss man, wie es wirklich ist – und macht sich nix draus, weil es eben schon immer so war und immer sein wird!
15. Februar 2008 at 5:01
Vielen Dank für das Zitat in Deinem Blog, ich fühle mich ein bisschen geehrt. Ich freue mich auch, dass Du den Text offensichtlich richtig aufgefasst hast – ich bin nämlich keineswegs naiv genug, zu glauben, so ein Kind ist ein kleiner Sonntagsspaziergang. Vielleicht ist die sprachliche Form meines Blogs etwas missverständlich, wenn man nur einen Artikel herausgreift, aber ich bin kein Mädchen, dass sich das Leben rosarot malt – im Gegenteil.
Tatsächlich ist es doch erstaunlich, was uns die Medien so vorgaukeln, wie das mit dem Kinderkriegen sein sollte. In den klassischen Arztserien lernen wir, wie die Geburt sein wird und sind am Ende überrascht, weil keine Geburt so ist, wie bei mein Baby. Aus der Werbung wissen wir, dass unser Baby längst durchschlafen würde, wenn wir statt Alnatura lieber Onkel Hipp und seinem Einschlaffläschchen vertrauen würden. Aus diversen Dailies wissen wir, wie das mit den Babys zu laufen hat und die Gilmoure Girls zeigen uns, wie wir als allein erziehende Mütter bitte mit unseren pubertierenden Teenagern umzugehen haben. Im schlechtesten Fall jagt uns die Supernanny noch höllische Angst ein, dass unser Nachwuchs uns irgendwann die Hölle heiß macht. Man macht sich eben so sein Bild, weil – und da gebe ich den beiden Vorrednerinnen recht – die Kommunikation längst nicht mehr so ist, wie früher.
Auf der anderen Seite, bei aller Medienkritik (und ich arbeite für’s Fernsehen und an der Produktion dieser Seifenblasen) bin ich erstaunt, dass es Mütter gibt, die von der Intensität ihrer Gefühle nicht vollkommen überwältigt waren. Von der Bandbreite zwischen Verzweiflung, Ohnmacht, Angst über diese unglaubliche, unvorstellbare Liebe zu diesem kleinen Wesen ganz zu schweigen.
15. Februar 2008 at 6:17
Hallo kaleema,
Schön, dass Du hier schreibst!
Ich hoffe mein Beitrag kam nicht negativ rüber. Ich finde es einfach sehr schade für alle jungen Mütter, dass sie kaum Gelegenheit haben, sich überhaupt aufs Mutterdasein vorzubereiten. Mutter sein ist dabei ein sehr wichtiger ‘Job’, wie ich finde. Und auch die erste Zeit muss nicht im (Gefühls)chaos enden, sondern kann genossen werden – und das wünsche ich jeder jungen Mutti.
Ich finde die heutigen Medien verbreiten sehr viele falsche Bilder, leider. Denn eigentlich könnten die Sender ihr Potenzial ja auch positiv nutzen. Wenn ich allein sehe, was kleinen Kindern schon ‘vorgegaukelt’ wird. Ist wirklich schlimm.
Ich muss ehrlich sagen, dass ich bei allen meinen Babies (naja, 3 sind’s) nicht das Gefühl von Überwältigung, Angst, etc. hatte. Es war eigenltich ein sehr natürlicher Übergang. Meine Kinder sind alle zu Hause geboren, und schliefen von Anfang an in unserem Bett. Ich weiss noch, wie überrascht ich war, wie einfach es ist, sich um ein Baby zu kümmern. Ich hatte mich auf Geschrei eingestellt – aber mein Baby brauchte fast nie zu schreien. Es war immer bei mir – auf dem Arm, im Tragetuch, neben mir im Bett – und das hat ihr ein derartiges Vertrauen gegeben, dass sie einfach nie Brüllen musste. Ich glaube, wir machen es uns manchmal unnötig schwer, weil wir nicht mehr auf unsere Intuition hören (können). Warum nicht einfach die Bedürfnisse des Babys und der Mutter erfüllen, egal, was Ratgeber so vorschreiben. Es ist egal, wann ein Baby durchschläft. Es möchte einfach nur nicht ALLEIN schlafen. Es ist auch nicht wichtig, nach 6 Monaten mit Beikost anzufangen, und, ja, man kann sogar jahrelang stillen, wenn Mutter und Kind das möchten. Ich habe meine beiden großen ohne Geschrei nach 3 Jahren ‘abgestillt’. Wir hatten eine sehr entspannte Stillbeziehung ohne ‘Termindruck’.
Und -nein- man verwöhnt ein Kind keineswegs, wenn man es oft und lange trägt, bzw. wenn man es hinnimmt, wenn es danach verlangt.
Daher fand ich es sehr einfach mit meinen kleinen. Ich habe ihre Bedürfnisse erfüllt, und sie waren vollauf zufrieden. Heute sind sie ganz normal, nicht verzogen und auch nicht ‘an mich gebunden’, sondern ihrem Alter und Charakter entsprechend selbständig.
15. Februar 2008 at 6:25
Hallo Isla,
mir kamen diese Gedanken auch immer häufiger. Wenn die Bedürfnisse von ganz kleinen Babys gestillt werden, so akzeptieren sie sehr viel, was um sie herum passiert. Ich finde es eigentlich auch wirklich erschreckend, was die beliebtesten Erziehungsratgeber so oft predigen… so von wegen man soll sein Kind auf gar keinen Fall mit ins Bett nehmen, man könnte es erdrücken; Stillen bloß nicht zu lange; Kind besser in den Kinderwagen, sonst schadet das dem Kreuz usw… wenn man sich aber daran hält, dann beschneidet man die Bedürfnisse des Säuglings und wie kann sich dieser anders äußern, als über Verzweiflung? Sicher mag es andere Situationen auch geben, ich will nicht alle über einen Kamm scheren, aber so generell…
15. Februar 2008 at 10:11
Hallo Isla – Das Kopfschütteln hat etwas gepiekst, muss ich zugeben. Ansonsten hast Du einen Weg gefunden, der für Dich und Dein Kind richtig war. Allerdings: Kolja hat auch in meinem Bett geschlafen, ich hab ihn so lange gestillt, wie es für uns beide gut und nett war. Keine drei Jahre, aber immerhin eines. Wir haben uns mit Kolja und seinen Bedürfnissen einfach eine Weile treiben lassen, ich habe ihn auch viel getragen und mache das bis heute – und trotzdem war er eine Herausforderung und ist es bis heute. Vielleicht ist mein Erleben und Empfindung anders, intensiver, weniger geerdet als Deines, vielleicht ist Kolja auch ein Kind, das anspruchsvoller und reizbarer ist als Deine drei, das kann ich schwer beurteilen, weil ich (noch) keinen Vergleich habe. Aber ich habe viele Frauen kennen gelernt, die die ersten Babywochen ähnlich erlebt haben wie ich.
Und wenn Du nichts gefühlt hast, das Dich überwältigt hat, dann ist Dir etwas entgangen. Weil das an sich für mich das eigentliche Wunder war.
15. Februar 2008 at 10:35
Hm. Heute habe ich eine Beitrag von eine junge Mutter gelesen: Wo ist die Mama.
Ich kann nur sagen, ich verstehe, was sie da beschreibt! Unser erstes Kind (wir haben mittlerweile 5) war ein schützbedurftiges, zartes, liebes und lang (Jahre lang) ersehntes Kind noch dazu ein nicht zu beruhigendes Kind. Bei diesen Kind habe ich ein Stück gelernt, wie eine Mutter bis zum Ende ihre Kräfte kommen kann…
Und gerade dieses Kind (oder die Erfahrung mit dem Kind), welches uns 6 Monate lang „terrorisiert“ hat, ermütigte uns, noch weitere 4 Kinder zu gebären…
Ich liebe meine Kinder über alles. Aber ich möchte sagen: durch, mit, wegen meine Kinder habe ich so viel gelernt, über die Welt, über Kinder aber vor allem über mich selbst. Ich erahne, daß ich noch einiges zu lernen habe und ich freue mich.
Herausforderungen heißen Veränderung annehmen und weiter Wachsen. Ich schätze Isla geht die Sache von ihrer Persönlichkeit schlicht anders ran wie ich. Ich weiß für mich, daß ich neu lernen darf, wie ein Kind die Welt zu sehen. Obwohl ich recht wenig bis eigentlich gar kein Fern gucke (also von dieser Warte wenig beeinflußt werde), merke ich wie ich „gesellschaftliche Normen“ hinterfragen muß, um die Dingen von ein etwas reduzierten Basis betrachte zu können.
Ein Punkt, an der ich immer wieder komme ist: Was ist „norm“ für Kinder in diese oder jene alter? Krabbelgruppen voll mit übereifrige Muttis: Maria kann dies, Yannik kann schon das, kann Janina schon… haben mich recht schnell mit diesen Aspekt des Mutterseins gebracht.
Ich muss mir selbst immer wieder sagen: Wenn die Kinder 17-18-19 jahre alt, wird kein Mensch sagen: Wow, schau wie gut Tom läuft; der hat bestimmt früh laufen gelernt!
Spannend sehe ich auch diesen Austausch: Verschiedene Mutter (von vermutlich verschiedene Ecken Deutschlands!) reden über ihre Kinder und ihr Muttersein! Wie einmalig jede einzelne von uns ist, wie einmalig unsere Kinder, die Frucht unsere Leiber! Und wie schwer ich mich damit abfinde, daß alle diese Kinder in eine „einheitliche“ Schulsystem hineingepacken werden sollen…
Ich freue mich euch alle hier zum plaudern zu haben…
und ich vermute, es lesen noch einige mit. Warum nicht eine Tasse Tee aufbrühen, und deine Gedanken mit uns teilen?
16. Februar 2008 at 8:44
@kaleema: Oh, das ‘Kopfschütteln’ war nur darauf bezogen, dass ich vielem nicht zustimmen konnte. War vielleicht nicht der passende Ausdruck, weil man das ja auch auf sehr negative Weise verstehen könnte.
Naja, überwältigend fand ich die Geburt. Das danach war einfach nur schön und hat mich voll und ganz ausgefüllt – vor allem mit Stolz und Liebe.
Natürlich war auch nicht alles einfach. Ich hatte zwei Wochen lang eine Brustwarzenentzündung und habe nur einseitig gestillt. ABer das war nicht der Weltuntergang. Ich hatte mir so in den kopf gesetzt, zu stillen, dass es für mich klar war, dass es auch klappt. Aber alles will erstmal gelernt sein.
Dazu muss ich sagen, dass ich von klein auf die Gelegenheit hatte, mich zu erproben. Ich habe meinen fast 7-Jahre-jüngeren Bruder praktisch mit aufgezogen, habe mir späte als Babysitter Geld verdient, und war dann 2 Jahre als Au-pair in Groß Britannien unterwegs. Man lernt, dass Konflikte dazu gehören, dass man sie lösen kann, und dass die Faszination am Kind trotz allem Kummer überwiegt.
Ich habe auch heute mit meinen dreien gute Tage und schwierige Tage. Aber das finde ich positiv, da man aus den unterschiedlichen Erfahrungen sehr viel lernen kann. Vor allem über sich selbst.
Kaleema, mein erstes Posting bezog sich auch nicht ausschließlich auf Deinen Blog-Bericht. Ich treffe tatsächlich öfters überforderte Mütter, bzw. Mütter, die unwahrscheinlich unrealistische Forderungen an ihre Kinder stellen (wie z.B. allein einschlafen, durchschlafen, abstillen, frühe Selbständigkeit, etc), und sich und ihrem Kind dadurch Stress bereiten. Und das finde ich einfach sehr schade. Hätten viele junge (und auch ältere) Frauen die Gelegenheit sich VOR der Geburt ihres Kindes realistisch vorzubereiten, so dass sie keine falschen Illusionen und Erwartungen haben, dann würden sich viele Probleme von selbst auflösen. (…denke ich…;-)
16. Februar 2008 at 9:51
Ich habe – ehrlichgesagt – das Gefühl, dass gerade die jungen Mütter sich am wenigsten einen Kopf machen, die nichts lesen, sich nicht informieren, sich von Ärzten, Medien und Hebammen gar nicht erst verunsichern lassen, erstaunlicherweise aber am Besten mit der neuen Situation zurecht kommen. Ich glaube, dass gerade die Überinformation durch Medien und Umfeld Stress auslöst und das unabhängig von einer „Vorbildung“ mit Geschwistern und Babysitting – die hatte ich nämlich genau so.
Ich glaube auch, dass es unterschiedliche Mütter gibt, wie es eben sehr unterschiedliche Frauen gibt. Es gibt überreizte und hysterische Mütter, es gibt überaus geerdete und betont natürliche Mütter. Klassisch-traditionell oder modern und trendy. Mir ist mein Kopf manchmal ein Hinderniss – ich denke zu viel. Aber ich bin sicher, dass meine Art, das hier zu machen, keine schlechte ist.
Den Unterschiedlichen Ansatz bei Dir und mir siehst Du schon in der Erfahrungswelt. Schwangerschaft und Baby fand ich übrwältigend und intensiv – die Geburt gar nicht, die war viel zu schnell vorbei, als dass ich sie seperat hätte wahrnehmen können. Das war ein Job, den ich erledigt habe, die logische Konsequenz zwischen Schwangerschaft und Baby. Mehr nicht.
16. Februar 2008 at 10:12
Kaleema, mit deiner Beobachtung machst du das ähnliche Schlußfolgerungen einer Studie :Erziehungsgeschulte Eltern erzielen kaum bessere Resultate.
Auch diese Beobachtung habe ich gemacht vor 20 Jahren beim Studium der Ethnologie. Leider hinterlassen wir „first world people“ im Namen der Globalizierung den (dringenden) Eindrück, Information sei alles. Auch der folge Gedanke: Bildung über alles ist falsch insofern es „eigentlich“ darum geht, diese Menschen (3. Welt) zum Konsumenten der Globalenwirtschaft oder zum Produzenten der Globalenmarktartikel auszunützen. (Ich habe kein Problem damit, daß Menschen Fähigkeiten erwerben (sollen), die ihr Leben dienen, nur manchmal passieren Sachen „im Namen Bildung“, die ich gar nicht gut heißen kann.)
Oh, entschuldige: Ich schweife ab!
16. Februar 2008 at 10:17
Das finde ich sehr interessant. Ich fand die Geburt sehr überraschend schmerzhaft. Meine Geburt hat sich auch sehr lange hingezogen (die erste). Drei Tage Vorwehen und 10 Stunden Geburtswehen. Puh! Da wäre ich am liebsten weggelaufen.
Das mit der Informationsflut und den Medien könnte auch stimmen. Allerdings habe ich auch sehr viel vorher gelesen – vor allem das Buch ‘Auf der Suche nach dem verlorenen Glück’ von Jean Leadloff und ein Buch über ‘Attachment Parenting’ hatten es mir sehr angetan. Ausgerüstet mit diesen ‘Ratgebern’ musste ich aber letztendlich trotzdem meinen eigenen Weg finden.
Generell werde ich von jüngeren und älteren Müttern gleichsam angesprochen. Gerade auch in der Schwangerschaft sind viele Frauen total verwirrt und haben Angst ‘es falsch zu machen’. Vielleicht kommt das durch das übermäßige Angebot an Kontrollen und Überwachungen und durch die Beratung der Ärtzte – ich weiss es nicht. Vielleicht wird man dann wirklich immer mehr kopflastig. Ich muss da ehrlich gesagt auch immer wieder bewusst zu meiner Mitte zurück kehren, denn ich bin auch eher zu viel am Denken. Aber mein Kopf sagt mir meist das Falsche.
Das war wohl auch das ‘Problem’ während meiner ersten Geburt. Es war nicht so, wie ich mir das GEDACHT hatte. Bei meiner dritten war ich mir darüber bewusst und ich konnte mich wirklich fallen lassen. Die Geburt von meiner Kleinsten war absolut wunderbar. Für mich waren die Geburten definit etwas, an dem ich wachsen durfte.
16. Februar 2008 at 1:09
@ Isla – das finde ich sehr spannend, in Deinem letzten Absatz beschreibst Du genau die Erfahung, die ich in meinem Blog meinte. Nur, dass Du sie zu einem anderen Zeitpunkt gemacht hast. Die Schwangerschaft hindurch war ich wie ein kleiner zufrieden lächelnder Buddha, Kopf und Bauch haben mir immer den richtige Weg gewiesen und ich habe viel Überprüfungsmedizin einfach nicht mit gemacht. Natürlich waren nach zwei vorangegangenen Fehlgeburten auch Ängste da, die manchmal übermächtig waren, aber generell wusste ich, dass alles in Ordnung war. Warum auch immer – vielleicht hatte ich einfach genug Vertrauen in mich und mein Kind, vielleicht war es aus einem anderen Grund, Kolja kam in weniger als zwei Stunden (vier, wenn man zwei Stunden leichtes Zihen vorweg mitrchnen möchte) ohne Schmerzmittel und ganz natürlich zur Welt. Es war wirklich anders, als ich mir das voher ausgemalt hatte.
Und da sind wir wieder an dem Punkt, wo sich unsere Meinungen auch mit der von anitz (genau das meinte ich, übrigens) treffen: zu viel Information ist in der Regel und vor Allem an solcher Stelle kontraproduktiv und hemmt. (Ich empfehle dazu übrigens Neil Postman: „Wir amüsieren uns zu Tode“)
Das wa übrigens der verborgene Inhalt meines Blogeintrags – meistens gibt es einen Subtext, den ich zwischen die triialen Zeilen stopfe, damit es keiner merkt – sonst liest es nämlich niemand
16. Februar 2008 at 8:34
(*merk, darum mag ich dein Blog so, Kaleema, darum!)
16. Februar 2008 at 9:06
Hach – jetzt bin ich ein kleines Bisschen glücklich, liebe Anitz, hab’ Dank!
18. Februar 2008 at 4:06
Hallo,
jetzt wollte ich mal meine Gedanken zum Muttersein hier niederschreiben
. Weil bei uns unser Sohn nicht geplant war, hatte ich vor der Entbindung überhaupt keine richtige Vorstellung, was auf mich zukommt. Ich dachte, es wird überhaupt kein Problem, so ein kleiner Kerl, der schläft sowieso fast nur und dann kann ich ihn mit in die Uni und auf die Arbeit nehmen. Pustekuchen! Nicht mit den Idealen, die ich hatte, außerdem kam eine Brustentzündung dazu und ich wollte ihn windelfrei aufwachsen lassen, weswegen ich ihn alle zwanzig minuten aufs Klo nötigte.
Ich verschlang Bücher, so viele wie ich schaffte zu lesen und hatte immer noch im Hinterkopf: Der kleine darf nur alle drei Stunden gestillt werden (als er etwa ein Halbes Jahr war) und sollte mit der Zeit nachts immer weniger häufig aufwachen. Bis ich merkte, daß ich von all den Regeln Abstand nehmen muß, was nicht leicht fällt, wenn man sich sonst weing auf seine Gefühle verlässt.
Ich würde sagen, erst jetzt habe ich den Punkt einigermaßen erreicht, an dem ich ein klares Bild von dem habe, wie ich Müttersein definiere, mit dem ich mich wohl fühle.
Muttersein heißt für mich heute, die Bedürfnisse meiner Sohnes zu erkennen, ihn in seinem Wesen zu verstehen, ihn zu unterstützen und wenn es geht so weit wie möglich seine Vorhaben nicht zu blockieren. Das klingt jetzt toll, aber ich finde das die schwierigste Aufgabe mit, gerade weil ich so gänzlich anders aufgewachsen bin, aber mir ist es wichtig, daß ich es schaffe ihn als Person so sein zu lassen, wie er ist, ohne ständig an ihn herummodellieren zu wollen. Für mich ist Muttersein eine wahnsinnige Verantwortung, weswegen ich für mich eigentlich entschieden habe nur ein Kind zu haben – wenn es denn so klappt, weil ich sonst das Gefühl habe meinem Kind nicht gerecht zu werden und bei zweien würde bestimmt alte Muster viel schneller wieder durchbrechen, die ich so noch recht gut im Griff habe.
Mutter sein, bedeutet für mich, für ein Kind da zu sein und es nicht abzuschieben, wenn es die äußeren Umstände zulassen. Es bedeutet lernen, lernen, lernen und gerade wenn mich mein Sohn auf meine Grenzen aufmerksam macht, so erkenne ich, wie variabel diese sind und wie wichtig es dann ist sie nochmal zu überdenken. Im Muttersein sehe ich eine ungeheure Chance sich selbst im Spiegel zu erkennen, aber auch viele Schritte weiter zu gehen in der eigenen Entwicklung. Für mich persönlich war der Anfang des Mutterseins ein tiefer, tiefer Kampf mit mir selbst, mit meinen Gewohnheiten, mit meinen Erwartungen, mit meinem Ego, alles bekam eine gänzlich andere Bedeutung und oft hadere ich immer noch mit mir, aber der Weg wird sanfter, je mehr ich lerne die Verantwortung auch mal abzugeben – und nicht unter permanentem Kontrollzwang stehe – je mehr ich das eigene Wesen meines Sohnes respektieren lerne – und ihn Dinge tun lasse, die mir zwar aufgrund meiner Erziehung zuwider laufen, aber mir bewußt mache, wie viel es ihm in dem Moment bedeutet.
Aber auch, weil ich es als eine riesige Aufgabe sehe Mutter zu sein, finde ich es nicht gut, wenn Menschen mit Geld motiviert werden sollen Kinder zu bekommen.
Puh, da kommt eigentlich noch viel viel mehr dazu, aber jetzt lasse ich es erstmal auf sich beruhen.
Liebe Grüße an Euch
18. Februar 2008 at 4:17
Hey Wildeblume,
das ist schön, wie du das beschreibst! Danke.
Ich möchte aber etwas (ganz kurz) sagen als Mutter von 5 Kindern (dafür zitiere ich aus meinem Blog, man möge es mir verzeihen!):
Das habe ich ihn geschreiben zu seinem 7. Geburtstag…
18. Februar 2008 at 5:17
Hallo Anitz,
ich glaube Du bist auch eine wundervolle Mutter und Deine fünf leben bei Dir wohlbehütet. Danke für Deine Antwort. Ich finde es so schön mit warmherzigen Menschen, wie Dir Austausch zu haben.
Liebe Grüße
18. Februar 2008 at 5:21
Ja WildeBlume und ich finde es eine Bereicherung zu sehen, wie unterschiedlich wir alle sind und unser Muttersein empfinden sowie umsetzen… diese Seite bekommt man nur schwer oder gar nicht durch den Medien berichtet!
Aber Wir sind Deutschland!
Und ich frage ganz zart: gibt es noch weitere Muttis, die etwas hier sagen möchten?
29. Februar 2008 at 9:15
Liebe Anitz, ich fühle mich sehr geehrt, dass Dir mine Worte zum „Muttersein“ so sehr gefallen, dass Du sie hier zitierst. Oder auch auf „Genügsames Leben“ – allerdings ist das ein sehr persönlicher Text, der mir sehr wichtig ist. Deshalb finde ich es sehr unangenehm, dass Du Dein Zitat inzwischen an Stellen zitierst, die ich nicht mehr nachvollziehen kann, selbst wenn Du auf mein Copyright hinweist. Ich hoffe, Du verstehst das?
29. Februar 2008 at 9:22
Oh, Kaleema,
das letzte, was mir in den Sinn kam, wäre dich oder irgendjemand eine Unanehmlichkeit zu bereiten! Bitte nimm meine Entschuldigung an und ich danke dir, daß du mir mitgeteilt hast, wie du dazu stehst.
Natürlich verstehe ich das.
29. Februar 2008 at 10:22
Hab’ Dank!
8. März 2008 at 12:19
ihr seid echt unglaublich…definiert ihr euren gesamten selbstwert durch eure qualitäten als mütter? wo seid ihr frauen? wo sind eure ängste? seid doch mal ehrlich und tut nicht so verlogen weise!
9. März 2008 at 9:24
@ „neu“
oben lese ich Kommentare von Frauen, die sich mit ihre Ängste, Fragen und Mutterrolle auseinander gesetzt haben. Ich bin nicht bereit zu erkennen anhand diese kürze Äußerungen zu behaupten, sie würden ihren „gesamten selbstwert durch [ihre] Qualitäten als Mütter“ definieren. Ebenfalls verstehe ich nicht, was du mit „tut nicht so verlogen Weise“ meinst.
Kannst du dein Kommentar qualifizieren? Bist du selber Mutter, oder erlebst/beobachtest du Mutter, die verlogen Weise sind? Oder ängstlich? Oder versteinert auf ihr Müttersein?
12. März 2008 at 7:26
@ neu
Wenn Du Ängste ansprichst, so offenbare ich Dir, daß ich voll von Ängsten bin, viele Momente in meinem Leben, sogar voll von Wut und voll von Verzweiflung. Das was ich beschreiben habe als Muttersein ist für mich eine riesige Herausforderung und oft fällt es mir schwer diesem Ideal gerecht zu werden, aber deswegen bin ich nicht weniger Frau und ich kann Muttersein nicht von mir abtrennen, denn ich bin alles in einem.
Mir persönlich hat das Muttersein erst einen Selbstwert als Person aufgebaut, deswegen bin ich aber auch nur Mensch, mit Macken und Fehlern. Verzweifelt klein in dieser Welt.