27. Februar 2008
Vernor Muñoz Villalobos für das Recht auf Bildung — Video
Posted by anitz under Connecting, Kinder & Jugendliche, Medien, Politik, Quer gelesen | Schlagworte: Bildung, Bildungsarmut, Bildungsrecht, Demokratie, humanitäre Hilfe, Mündigkeit, Menschenrechte |Wir wiesen darauf hin: Deutscher Bundestag: Öffentliches Gespräch mit dem UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz Villalobos.
Inzwischen steht die ganze Debatte als Video-on-demand zur Verfügung: Deutscher Bundestag
28. Februar 2008 at 1:24 Uhr vormittags
Im ersten Drittel des 90minütigen Gesprächs hat sich Vernor Muñoz Villalobos erstmal allgemein zu seiner Tätigkeit geäußert und kommt nun bezogen auf Deutschland zuerst auf die soziale Ungleichheit Gymnasium/Mittelschule bzw. die frühe Selektion durch pädagogisch oft inkompetente Lehrer zu sprechen.
Ich schau mir jetzt mal den Rest an. Mal sehen ob Homeschooling zur Sprache kommt.
Ich frag mich, was aus dem brief von unerzogen.de an Vernor Muñoz Villalobos geworden ist, leicht zu erreichen für Normalsterbliche isser wohl nich …
28. Februar 2008 at 2:00 Uhr vormittags
Jetzt zur Halbzeit des Videos kommt gerade die letzte der ersten 5 Fragen an Muñoz. Zentrales Thema (Und ich bin erstaunt, dass das so offen benannt wird): Die Seggregation von behinderten Kindern shcon bei der Einschulung (nur 13 Prozent in “normalen” Schulen) und dann auch im restlichen Leben in “geschützer Arbeit” in Behindertenwerkstätten und co., der immer noch nicht beseitigte Güligkeitsvorbehalt der Kinderrechtskonvention für geduldete Ausländer in Deutschland und die doppelte Seggregation von ausländischen Kindern an Sonderschulen.
Verspricht jetzt sehr interessant zu werden.
P.S.: Die Fragen beginnen ungefähr bei Minute 35.
28. Februar 2008 at 2:27 Uhr vormittags
Eine Stunde ist rum und die Fragen sind beantwortet.
Es gab wirklich noch keien offizielle Stellungnahme zu Muñoz’ Bericht.
Muñoz findet, die öffentliche Debatte braucht vor allem einen partizipatorischeren Charakter und Mitsprache des Kindes (Wobei Mitsprache sehr dehnbar ist und die “schutzbefohlenen” Kinder in ihrer entscheidungsfähigkeit nicht voll gesehen werden). Das Kind hat mit den Eltern (doof) das Recht zu wählen, ob es auf eine Sonderschule oder eine normale Schule will. Bravo! D.h., um es in aller Schärfe zu sagen, latente fahrlässige chronische Menschenrechtsverletzung in Deutschland seit Jahrzehnten …
So, weiterschaun.
Achtung, ich schreibe hier nur rein, an was ich mich erinnere.
Von Unvollständigkeit ist auszugehn :D.
28. Februar 2008 at 2:32 Uhr vormittags
Sehr intressanter selbstkritischer Punkt einer Abgeordneten bei 1:02 : sinngemäß, Uns sind unsere Kinder nicht so wichtig wie über Ideologien zu streiten (Stichwort Gesamtschulen -> “böse”, da DDR etc.).
Man könnte auch sagen: So manchen von uns sind unsere Kinder ziemlich egal, und das ist was sehr entlarvendes über uns alle …
28. Februar 2008 at 3:31 Uhr vormittags
Bei 1:06 meldet sich eine Mutter zweier hochbegabter Kinder und Mitglied im Netzwerk Bildungsfreiheit zu Wort.
Ha, die Homeschooling-Kriminalisierung kommt zu Wort. Jetzt wirds richtig spannend :D. Mal sehn was Muñoz antwortet.
Nebenbei bemerkt, ich bin positiv überrascht von der kritischen Sicht die, die meisten auf das Bildungssystem haben. Schön, das zu sehen, dass solche Leute in dem Ausschuss sitzen, auch wenn bei den Entscheidungen dann der elende Fraktionszwang greift.
In den Antworten beschwert sich M. intressanterweise als erstes darüber, dass die UNO in den verschiedenen Zukunftskonferenzen (Millenniumsziele etc.) die Forderungen zum Recht auf Bildung nach und nach zurückgeschraubt und pragmatisiert hat und hofft, dass das in Zukunft anders läuft. Er beklagt, dass die Regierungen sich viel zu wenig um das recht auf Bildung kümmern, dass das viel zu weit unten auf deren Agenda steht.
Und er bemerkt was schizophrenes:
Einerseits soll die Bildung alle Gesellschaftsprobleme (Umwelt, Gesundheit, Kriminalität) lösen/vorbeugen, andrerseit kümmert man sich kaum drum und kürzt die Geldmittel …
Viel zu wenig internationale Bildungszusammenarbeit, um Dritteweltländern zu helfen, ihre Bildung zu finanzieren.
Und nicht die UNESCO befasst sich am meisten und hauptsächlich mit Bildung innerhalb der UNO, sondern die Weltbank.
“Das is in etwas genauso, als ob ein Fleischer sich mit Ballet befassen würde.”
Krass …
Das UNO-Bildungs-Programm für Menschenrechte ist den meisten Schulen auch unbekannt, also wirkungslos.
Er moniert, dass das Recht auf Bildung im deutschen Grundgesetz fehlt. Er betont die Wichtigkeit der staatlich finanzierten Bildungsangebote und öffentlichen Bildungsinfrastruktur für alle.
Es gibt da ein Fakultatives Zusatz-Protokoll zum Pakt der wirtschaftlichen und sozielen Rechten, das, so M., unbedingt unterzeichnet werden sollte, denn darin ist u.A. das Rehct auf Bildung verbürgt und es würde damit zu einem einklagbaren Grundrecht, Tschaka!
Bei 1:22 endlich die Antwort zum Homeschooling.
Er gibt zu, starker Befürworter des öffentlichen Schulsystems (Simultan-Dolmetscherin: der Schulpflicht) zu sein. Er schreibt der die Ermöglichung der Entstehung eines verantwortlichen Wesens und eines sozialen Bürgers zu.
Sein Befürwortertum besteht vor allem darin, dass er das öffentliche Schulwesen verbessert sehn will, sodass sich weniger Eltern durch ne blöde Lernumgebung gezwungen sehnen, Homeschooling zu betreiben. Also Homeschooling soll nicht zur Ausrede/Flucht in die Schule zuhause werden.
Er weist darauf hin, dass es zuallererst das Recht der Eltern ist, ihre Kinder zu erziehen.
Minute 1:24
Und jetzt wird er sehr vorsichtig, er scheint zu wissen, wie reflexartig die meisten auf Homeschooling mit Abwehr reagieren …
“Deshalb glaube ich, dass unter bestimmten Umständen und unter Berücksichtigung des höchsten Interesses des Kindes durchaus sich der Fall ergeben kann, dass das Homeschooling als die beste Option dasteht und somit eine legale Möglichkeit [sein sollte]”
“Ich weiß, dass es hinreichende Untersuchungen gibt, die den sozialen Hintergrund mit der Erziehung in Zusammenhang stellen, aber ich glaube, es gibt nicht hinreichende Untersuchungen, die die Struktur der Erziehung untersuchen in diesem Zusammenhang; deswegen habe ich die Regierung darum gebeten, dass diese Art der Debatte auch geführt werden soll. Ich weiß, dass es hier Vorbehalte gibt gegen den Bericht, das ist normal, die Struktur des deutschen Bildungssystems hat natürlich eine lange Geschichte und aus diesem Grund ist es wie gesagt logisch, dass diese Vorbehalte existieren, aber ich dneke, dass in dem Maße, wie wir Fortschritte erzielen können und in der Tat eine offene Untersuchung führen, können wir für alle annehmbare Antworten finden.”
Zum Schluss statiert er nochmal, dass angesichts der Selektivität unseres Schulsystems eine Untersuchung nach der Chancengleichheit dringend nötig ist.
Am Ende bemerkt die Gesprächsleiterin noch, dass es zu Homeschooling sicher noch viel Gesprächsbedarf gäbe, weil auch hinsichtlich M.s Bericht da viele Missverständnisse vorgekommen sind.
Tja, die Frau vom Netzwerk Bildungsfreiheit hätte das Thema mal eher als zehn Minuten vor Schluss ansprechen können, das war tweilweise ein Schuss ins eigne Bein …
P.S.: Sorry für die x Einträge hinternander :D.
23. April 2008 at 6:35 Uhr nachmittags
[...] Vernor Munos Villalobos: Video des öffentlichen Gesprächs [...]