3. April 2008
Schulradar.de - der Schuldurchblick für Eltern
Posted by anitz under Connecting, Medien, Quer gelesen | Schlagworte: individuelle Förderung, Kritik üben, Lehrerqualität, pädagogisches Konzept, Schulbewertung im Netz, Schulklima, Schulleitung, Schulqualität, schulradar, spickmich, unterrichtsbegleitende Aktivitäten |Köln (ots) - Die Internetseite spickmich.de eröffnet kommenden Dienstag (08. April 200
ein weiteres Meinungsforum zum Thema Schule. Unter www.schulradar.de können dann auch Eltern Noten z.B. für die Schulleitung, das Schulgebäude oder die Lehrkräfte verteilen und sogar Schulen in ihrer Umgebung vergleichen. <Quelle und weiterlesen>
Die Schüler bewerten bereits auf dem bekannten –und von den gleichen Betreiber der Schulradar.de– Schülerportal spickmich.de die Schulen in Kategorien wie “Qualität der Lehrer”, “Unterrichtsausfall”, oder “Mitbestimmungsmöglichkeiten”. Diese Noten werden auf Schulradar.de übernommen und liefern wichtige Eindrücke aus Sicht der Schüler.
Sogar eine Möglichkeit, Fotos hochzuladen, um der eigene Beobachtung bzw. Meinung zu untermauern, sollte es geben.
Wird dieses Portal zum gewünschten Schultransparenz führen? Führt dies gar zu eine Besserung in der Bildungslandschaft Deutschlands?
Interessant (und meines Erachtens vielversprechender) fände ich es, wenn Schule.net in dieser Hinsicht tätig wäre… wie das jetzt aufgebaut ist (also, dass “anonyme” Bewertungen stattfinden–ohne eine öffentliche “zur Schau stellen”), bringt nicht das gleiche Ergebnis, wenn es darum gehen soll, daß Eltern sich über eine Schule informieren können. Aber wenn es darum gehen soll, dass Schulen eine Rückmeldung bekommen sollen, womit sie gelobt/getadelt werden, scheint mir diesen Ansatz schon etwas produktiver zu sein…
8. April 2008 at 4:23 Uhr nachmittags
Ich gebe zu diesem Thema eine Meldung aus der Berliner Zeitung vom 08.04.2008 weiter:
Philologenverband kritisiert neue Website zur Schulbewertung
Düsseldorf/Köln - Der Philologenverband hat das neue Internet-Forum «Schulradar» zur Benotung von Schulen durch Eltern kritisiert. Diese Form von Bewertung sei eine «Pseudokommunikation», kritisierte die Organisation am Dienstag in Düsseldorf.
Statt Gespräche zwischen Eltern, Lehrern und Schulleitern zu fördern, verliere sich der Informationsaustausch im virtuellen Raum, teilte Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologenverbands NRW, mit. «Statt eines offenen und ehrlichen Dialogs führt “Schulradar” zu einer gefährlichen Vereinfachung, baut Blockaden auf und verfestigt Vorurteile. “Schulradar” suggeriert Objektivität und ist doch zutiefst manipulationsanfällig.»
Die umstrittene Internetseite «spickmich», auf der Schüler ihre Lehrer benoten können, hatte am Montag angekündigt, sich jetzt auch für Eltern zu öffnen. Von diesem Dienstag an könnten Eltern unter http://www.schulradar.de zum Beispiel Noten für Lehrer, die Schulleitung, das Klima an der jeweiligen Schule oder das Schulgebäude vergeben. Dies könne eine wichtige Orientierungshilfe sein, wenn es um die Wahl der weiterführenden Schule gehe, argumentieren die Kölner Studenten, die die Websites betreiben.
© dpa
10. April 2008 at 7:39 Uhr vormittags
Und heute entdeckte ich folgende Bemerkung einer Lerhrer bei der Zeit (online Ausgabe):
11. April 2008 at 3:40 Uhr nachmittags
Hab’ grade mal einen Blick auf schule.net geworfen, da steht:
Ich stimme dem im Prinzip zu. Ich finde es im Grunde auch kontraproduktiv, jemanden an den Pranger zu stellen. (Ich würde es als letztes Mittel wählen, um mich gegen jemanden zu verteidigen, dem sonst nicht beizukommen ist, aber sonst eher nicht.)
NUR:
Wie wird denn mit den Schülern verfahren? Erhalten sie denn die Bewertungen (Noten) in der Schule so, daß diese jeweils nur dem Einzelnen, den es auch betrifft, zugänglich sind? Ist das so?
NEIN! Schüler werden tagtäglich viele Schuljahre lang öffentlich bewertet, untereinander verglichen, nicht selten vor der Klasse aufgrund ihrer nicht ausreichenden Leistungen bloßgestellt (durch Lehrer).
Wie kann da einer auf die Idee kommen, daß Schüler sich das weiterhin tagtäglich viele Jahre lang gefallen lassen werden, ohne selbst auf die Idee zu kommen, das GLEICHE mit ihren Lehrern zu tun?
Das Schulsystem ist marode bis ins innerste Mark. Um es weiterhin aufrecht zu erhalten, werden Schülerleben ausgequetscht, immer früher, immer stärker, weiterhin Tag für Tag und Jahr für Jahr. Je eher und je mehr der Schüler im System involviert ist, je perfekter die Manipulation, die Illusion (der eine ganze Menge Eltern erlegen sein müssen, sonst würden sie ihre Kinder nicht dem System FREIWILLIG übergeben), desto weniger fallen ihm schließlich die Widersprüche auf. DAS IST EIN VERBRECHEN und wesentlich schlimmer als jedes An-den-Pranger-stellen!
Dies mag nun für manche sensible, zarte Seele voll fanatisch oder auch bekloppt klingen, aber wer einmal anfängt nachzudenken und nachzufühlen, der sollte die Widersprüche schon orten können. Auch, wenn man lange genug auf ein Augen-zu-und-durch dressiert worden ist …
Liegt der Fortschritt im Funktionieren oder im Aktivieren des ungenutzten Potentials unseres Geistes?
Ich finde, daß es nicht Bewertungen braucht, egal ob anonym oder nicht. Was es m. E. braucht, ist der offene, ehrliche, reflektierende Dialog, der mutig unter echtem Namen geführt wird. Dann werden wir weg von verpflichtender Schule und hin zu Zentren freiheitlicher Bildung kommen. Von der Abrichtung zur Entfaltung …
Und wer wissen will, wer ich bin, der kann einen Blick auf http://schul-frei.blogspot.com/ und http://de.liberty.li/user/eljascha werfen.
14. April 2008 at 8:05 Uhr nachmittags
Grundsätzlich haben Sie recht, eljascha,
dennoch, es kommt leider sehr häufig vor, dass man die Lehrer nicht zu sprechen bekommt, geschweige denn irgendwelche aus der Leitung…
17. April 2008 at 10:27 Uhr vormittags
Das glaube ich Ihnen gerne, und ich gebe zu, daß ich es mit meinem Kommentar einfach hatte, da wir seit mehreren Jahren nichts mehr mit Schule zu tun haben. Sollte mein Sohn sich entschließen, ab Herbst wieder zur Schule zu gehen, könnte mein derzeit idealistischer Blick schnell durch leidvolle Erfahrungen aus der Realität getrübt werden.
17. April 2008 at 8:47 Uhr nachmittags
Oh, da habe ich auch ähnliche Erfahrungen gemacht, wie Anonym.
Die Frage ist nämlich die, wie können wir die Kommunikation zwischen Eltern, Lehrern/Leitung und Kindern ermöglichen?
Welchen Medium wir für die Kommunikation benützen ist sekundär. Dass wir kommunizieren sollen, wollen, dürfen… und WIE, ja.
Ich befürchte auch, dass die Schule als Institution (inzwischen?) nicht in der Lage ist, diese Informationsfluss zu gewährleisten, werden sie doch mit x neue Bestimmungen in ihren Lehrtätigkeiten sehr oft überfrachtet. Auch der Aufbau der Schule ist irrsinnig (und weder für Lehrer noch Schüler optimal… denke ich an diesen Artikel, um lediglich einen Beispiel aus der Schulwelt und der Sicht einen Lehrers zu geben).