April 23, 2008
Dieses Beispiel bestätigt die Kritik des UN-Sonderberichterstatters für das Recht auf Bildung
Posted by eljascha under Quer gelesen | Schlagworte: armut, diskriminierung, ganztagesschule, hartz IV, recht auf bildung, schulleitung, schulverweis, verpflichtende mittagessen |Kein Geld: Schule verweist Schwestern
Hart handelte die Grund- und Hauptschule Blumlage im Fall zweier Mädchen. Sie wurden aus dem laufenden Unterricht zitiert, mussten ihre Bücher abgeben, und wurden direkt zur Altstädter Schule gefahren, in die sie nun gehen sollen. Grund: Die Eltern der 12- und 13-jährigen Hauptschülerinnen konnten das Geld für das verpflichtende Mittagessen an der Ganztagsschule nicht zahlen und stehen mit 262 Euro im Rückstand. Für den Vater kommt es noch dicker: Er wollte die Schulleiterin zur Rede stellen und wurde handgreiflich. Die Schulleiterin hat inzwischen Anzeige erstattet.
CELLE. Heidrun und Holger Kruse wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Völlig aufgelöst kamen ihre 12 und 13 Jahre alten Töchter am Montag, 14. April, von der Schule nach Hause. Sie erzählten, dass sie am Vormittag aus dem Unterricht genommen und ins Büro der kommissarischen Schulleiterin Susanne Witkowski bestellt wurden. Dort erklärte ihnen die Schulleiterin, dass sie ihre Bücher abzugeben haben und von einer Lehrerin zur Altstädter Hauptschule gefahren werden, in die sie von nun an gehen sollen. Grund: Die Eltern der Mädchen, beides Hartz-IV-Empfänger, stehen mit 262 Euro bei der Ganztagsschule in der Kreide, da sie das Geld für das verpflichtende Mittagessen nicht zahlen konnten.
Vier Tage zuvor, am Freitag, 11. April, erhielt die Familie Post von der Blumläger Schule. Darin teilte Witkowski mit, dass die Eltern ihre Kinder „umgehend” in der Altstädter Schule anzumelden haben, „damit Ihre finanzielle Verpflichtung uns gegenüber nicht noch größer wird”, heißt es im Brief. Die Mädchen haben montags und mittwochs in der Schule für drei Euro pro Person gegessen. An der Altstädter Schule gibt es kein Mittagessen.
Die Kruses reagieren mit Unverständnis: „Das ist Diskriminierung”, sagt Holger Kruse. „Das war ein Schock für mich”, so eines der Mädchen. Auch die Lehrerin, die die Mädchen an der Altstädter Schule absetzte, habe Tränen in den Augen gehabt. Die Mädchen sind krank geschrieben, leiden offensichtlich psychisch unter der Situation. Beide können kaum schlafen, die Jüngere hat ständig Nasenbluten. Sie werden mit Hausaufgaben von Mitschülern versorgt und lernen zu Hause.
Dabei haben die Eltern der Schulleitung nach eigener Aussage angeboten, die Kinder mittags zu Hause zu verpflegen. Die Schule ist nur 200 Meter von der Wohnung entfernt. Auch mit einer Ratenzahlung von 20 Euro im Monat wolle sich die Schule nicht zufriedengeben, so Holger Kruse. Die Familie habe lange die Kaution für ihre neue Wohnung abzahlen müssen. Die ist inzwischen bezahlt, jetzt sei wieder mehr finanzieller Spielraum da.
Ein Nachspiel hat die Sache für Holger Kruse. Er wollte Schulleiterin Witkowski zur Rede stellen und wurde handgreiflich. Witkowski zeigte Kruse wegen leichter Körperverletzung an und erteilte Hausverbot.
Witkowski darf keine Stellung beziehen und verwies auf die Landesschulbehörde. Die nimmt die Angelegenheit „sehr ernst” und will sie eingehend prüfen, so eine Sprecherin.
Andre Dolle
21.04.2008 19:43; aktualisiert:21.04.2008 21:24
http://www.cellesche-zeitung.de/lokales/celle/346706.html
zum Hintergrund: Arbeitsübersetzung des Berichts des Sonderberichterstatters für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz
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Wir berichteten:
- Deutscher Bundestag öffentliches Gespräch mir dem UN Sonderberichterstatter, für das Recht auf Bildung mit Vernor Munoz Villalobos
- Vernor Munos Villalobos: Video des öffentlichen Gesprächs
April 23, 2008 at 6:39
Das ist unglaublich. Kann man wirklich alles glauben, was in der Zeitung steht?
Was kann man gegen so eine Dummheit machen? Ich interessiere mich, für den Ausgang dieser Geschichte, ist z.B. klar, was die Landesschulbehörde gedenkt, zu unternehmen?
April 24, 2008 at 3:10
Nun, wer ist hier der Dumme? Ich frage mich, in wiefern die Berichterstattung “vollkommen” ist, denn der Vater hätte auch bevor er “Schulden” bei der Schule macht, mit der Leitung sprechen können… Aus diesem Bericht ist nicht zu erkennen, dass die Eltern das Gespräch aufgesucht hätten, bevor es “eskalierte” (allerdings, die Schulleitung hätte auch das Gespräch aufsuchen können, bevor sie die Kinder von der Schule verwies… davon ist auch nicht die Rede im Bericht.) Das erinnert mich an den Kommentare bei der Beitrag zu Schulradar, wo es darum geht, eine Gesprächskultur zwischen Eltern und Schule zu finden, kultivieren, ermöglichen…