Haben Sie sich schon einmal überlegt, wieviel der Schulplatz für Ihr Kind jährlich kostet? Wenn ja, woher haben Sie konkrete Zahlen dazu erhalten?

In der Presse kursieren dazu beispielsweise folgende Angaben (bezieht sich auf Berlin):

Die Broschüre legt auch die Kosten der verschiedenen Schulformen offen. Am günstigsten für den Steuerzahler sind die Gymnasien. Hier schlägt ein Schulplatz pro Tag mit 7,43 Euro zu Buche. Es folgt die Gesamtschule mit 8,90 Euro und die Realschule mit 9,62 Euro. Wegen der besonderen Betreuung und der kleineren Klassen ist die Hauptschule mit Abstand am teuersten. Hier kostet jeder Schultag 14,24 Euro. Insgesamt sind die Kosten für alle Schulformen gestiegen, weil die Zahl der Schüler sank.

Welt online, 1. Dezember 2008: Ein Kind zu retten kostet 118 Euro

Wenn man nun von ca. 200 Schultagen pro Jahr ausgeht, würde man auf Kosten von knapp 1500 bis knapp 3000 Euro pro Schüler und Jahr kommen. Allerdings sind dabei noch nicht die Personalkosten berücksichtigt, und diese machen den Löwenanteil der tatsächlichen Schulkosten aus, nämlich 70-80%.

Die Gesamtkosten, die ein Schulplatz je nach Schulart pro Schüler kostet, erfährt man auch vom Statistischen Bundesamt. Eine weitere Quelle sind die von der Software AG – Stiftung Darmstadt in Auftrag gegebenen und vom Steinbeis-Transferzentrum für Wirtschafts- und Sozialmanagement Heidenheim erstellten Gutachten zu den Schülerkosten in verschiedenen Bundesländern.

In der Pressemitteilung zum Gutachten über die Schülerkosten im Jahr 2004 in Berlin heißt es dazu unter anderem:

Berlin. Staatliche Schulen sind teurer, als vom Senat bisher angenommen, die Finanzhilfe für freie Schulen in Berlin ist dagegen zu niedrig. Diesen Schluss erlaubt das von der Software AG – Stiftung Darmstadt in Auftrag gegebene und vom Steinbeis-Transferzentrum für Wirtschafts- und Sozialmanagement Heidenheim erstellte Gutachten zu den Schülerkosten in Berlin, das heute im Tagungszentrum der Bundespressekonferenz vorgestellt wurde.

Laut Statistischem Bundesamt hat die öffentliche Hand im Jahr 2004 für jeden Schüler an einer staatlichen Grundschule 4.500 Euro ausgegeben. Nach der Studie des Steinbeis-Transferzentrums haben die tatsächlichen Kosten pro Schüler im Jahr 2004 bei rund 6.266 Euro gelegen. Damit ergibt sich bereits bei einem Grundschüler eine Differenz von rund 1.766 Euro. „Weil die amtliche Statistik nicht sämtliche Kosten der staatlichen Schulen erfasst, ist auch die staatliche Finanzhilfe für die Privatschulen zu niedrig“, kritisiert Prof. Dr. Dirk Randoll von der Software AG- Stiftung. Dieses Beispiel lasse sich im Prinzip auf alle Schulformen übertragen, so Randoll: „Die Folge dieser Unterfinanzierung sind zum Teil überhöhte Schulgelder und eine Selbstausbeutung der Privatschulen, die die fehlenden Mittel durch Mehrarbeit ihrer Mitarbeiter, durch Sparmaßnahmen bei der Ausstattung und durch Eigenleistungen der Eltern versuchen auszugleichen.“

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Die Steinbeis-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass, je nach Schultyp,
Gesamtkosten in Höhe von ca. 4800 Euro (Realschulen) bis ca. 9.390 Euro (Hauptschulen) pro Schüler entstanden sind. Aufgrund ihrer besonderen Struktur bilden die Förderschulen (Sonderschulen) mit rund 14.841 Euro pro Schüler zu veranschlagenden Kosten eine Ausnahme. Wegen unsicherer Zahlenwerte lagen für Berliner Hauptschulen bisher keine Angaben des Statistischen Landesamtes vor.

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Die Software AG-Stiftung will mit der Veröffentlichung von Studien zu den Schülerkosten in den einzelnen Bundesländern Transparenz in der
Kostenstruktur des Bildungswesens herstellen. „Nur wenn die tatsächlichen Kosten von Bildung bekannt sind, kann über deren Effizienz geurteilt werden. Maßnahmen lassen sich nur optimieren, wenn auch Finanzpläne mit ihren Werten stimmen“, begründet Prof. Dr. Dirk Randoll von der Software AG Stiftung. Schulen in freier Trägerschaft sollten ihre finanzielle Situation mit den politisch Verantwortlichen zukünftig auf der Basis objektiver und nachvollziehbarer Daten verhandeln können.

Das vom Gesetzgeber definierte Gleichheitsgebot werde offensichtlich in vielen Bundesländern verletzt, Schulvielfalt und Wahlfreiheit seien in Frage gestellt, so Randoll: „Ein Blick über die deutschen Grenzen zeigt, dass man in anderen Ländern dem Freien Schulwesen weit aus mehr und mit Erfolg bessere Entwicklungsmöglichkeiten einräumt.“

Weitere Gutachten zu Schülerkosten hat die Software AG Stiftung bisher für die Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt erstellen lassen. Deren Veröffentlichung hat zum Teil bereits zu deutlichen Korrekturen in der Bildungspolitik der betroffenen Länder geführt.

Unter Was kostet ein Schüler in Deutschland wirklich? finden Sie Links zu den Daten für diejenigen Bundesländer, zu denen bereits Gutachten über Schülerkosten erstellt wurden.

Den Hinweis auf die Erhebungen der Software AG Stiftung verdanke ich einer Diskussion im Forum des Netzwerkes Bildungsfreiheit, die Idee zu diesem Post 1000Sunny und seinem Beitrag Was kostet ein Schüler?