Was bedeutet "Lernen"


Die Hauptschule ist Restschule, Sorgenkind im deutschen Bildungssystem. Hauptschüler genießen alles andere als einen guten Ruf. Doch dieser Artikel aus dem TAGESSPIEGEL zeigt einmal mehr, dass es sich lohnt, in Projekte zur Stärkung der Hauptschüler zu investieren:

Schüleraustausch für Hauptschüler

Ein anderes Bild von Amerika

Was sonst nur Gymnasiasten vorbehalten ist, durften jetzt auch Hauptschüler erleben: Zwei Wochen in einer Gastfamilie in Amerika. Tempelhofer Hauptschüler, darunter etliche Muslime, revidierten ihre Amerika-Vorurteile auf einer außergewöhnlichen Reise.

Die Brooklyn Bridge in New York.

Von Elisabeth Binder

3.6.2008

Dazu muss man sich erst mal durchringen. Einen englischen Aufsatz zu schreiben, 500 Wörter lang, zum Thema: „My Window on America – was ich an Amerika mag, und was ich kritisch beurteile“, kann ganz schön anstrengend sein. Für zehn Schüler der Werner-Stephan- Schule in Tempelhof hat sich die Anstrengung gelohnt. Während der Osterferien durften sie zwei Wochen lang in die USA reisen. Und in der vergangenen Woche waren sie die allerersten Gäste von US-Botschafter William Timken und seiner Frau Sue im kleinen Konferenzsaal der neuen Botschaft. Sie haben ihn gewissermaßen vor der offiziellen Eröffnung eingeweiht, um von Erfahrungen zu berichten, die ihnen normalerweise verwehrt gewesen wären, weil normalerweise Gymnasiasten Zielgruppe sind für Austauschprogramme.

Die Vorurteile der Schülerinnen und Schüler gegenüber den USA ähnelten sich: „Ich habe geglaubt, dass Amerikaner ganz unfreundlich sind und dass alles dort sehr streng ist“, sagt Kadir. Der 16-Jährige ist seit drei Jahren in Deutschland, und Englisch ist nach Kurdisch, Türkisch und Deutsch seine vierte Sprache. Ähnliche Erwartungen hatte auch Mateusz. Der 17-Jährige ist vor zwei Jahren aus Polen nach Deutschland gekommen.

Die beiden Jungen und ihre Schulkameraden aus der 9. und 10. Klasse haben ganz andere Erfahrungen gemacht, als sie erwartet hatten. „Die Leute waren sehr nett zu uns, ganz gastfreundlich und sehr offen.“

Angst vor der Fremde, dann Abschiedsschmerz

Auch die 16-jährige Julia hatte Ängste, bevor es losging: „Ich dachte, dass die Amerikaner sehr arrogant sind. Wir hatten alle Angst, wollten gar nicht raus aus dem Bus. Am Ende haben wir beim Abschied alle geweint und wollten uns von unseren Gasteltern und den Geschwistern gar nicht mehr trennen, weil sie so herzlich und freundlich waren.“

„Windows on America“ heißt das Programm, das gerade nicht für die üblicherweise vielfältig geförderten Gymnasiasten entworfen wurde, sondern für Hauptschüler, für die ein Auslandsaufenthalt oft schon aus finanziellen Gründen unerreichbar ist. Das Programm hat die Frau des US-Botschafters, Sue Timken, erfunden. Es richtet sich an Jugendliche mit Migrationshintergrund, aber auch deutsche Schüler wie Julia sind dabei. Die Mitarbeiterinnen von „Das Experiment“, die als deutsche Partner einer in Washington ansässigen Austauschorganisation für das Programm zuständig waren, berichteten von dem Erfolg der Reise.

„Für diese Jugendlichen ist das wirklich eine besondere Erfahrung. Viele könnten sich so eine Reise sonst nie leisten. Sie waren ja auch nicht, wie viele Gymnasiasten, schon überall mit ihren Eltern im Urlaub“, erzählt Geschäftsführerin Bettina Wiedmann.

Die ersten beiden Tage in Washington waren ein bisschen schwierig, weil sich die Schüler noch nicht so trauten, Englisch zu sprechen. „Da gab es schon mal Momente, wo sie kurz davor waren, dichtzumachen“, erzählt Englischlehrerin Silke Donat. Aber in Cleveland, Ohio, bei den Gastfamilien blieb ihnen nichts anderes übrig, als Englisch zu sprechen. Das hat zur Verbesserung der Sprachkompetenz kräftig beigetragen.

„Wir wollten, dass die Jugendlichen, die sonst nicht an Austauschprogrammen teilnehmen können, sehen, wie die Menschen in den USA leben“, sagte US-Botschafter William Timken bei der Begrüßung der Runde. Der USA-Trip hat neben der Verbesserung der Englischkenntnisse vor allem einen Effekt gehabt: „Ich bin selbstbewusster geworden und viel aktiver“, sagt Marian, die aus Ghana nach Deutschland gekommen ist, sagen aber auch Mehmet und Mahmoud. Die Erfahrung, Englisch sprechen zu können, wenn es denn nicht anders geht, in einer völlig fremden Umgebung klarzukommen und sich mit Menschen anzufreunden, von denen man zu Unrecht angenommen hatte, dass sie unfreundlich und überheblich seien, ist der größte Lernerfolg dieses Programms. Sie habe es auch besonders beeindruckend gefunden, wie zielstrebig US-Schüler arbeiten, sagt Julia, die einmal Krankenschwester werden möchte. Das wolle sie nachahmen.

Auch die Abschlusstage in New York haben Spuren hinterlassen. Die Mädchen berichten von einem sehr bewegenden Besuch am Gelände des World Trade Centers. Kadir sorgt sich, „dass die Muslime nun über einen Kamm geschert werden“. Mehmet, der Tischler werden will, fand „alles überraschend“ in New York, vor allem aber das Empire State Building bei Nacht: „Das kann man gar nicht beschreiben.“ Noch etwas hat ihm gefallen: „Dass die Menschen sich für so vieles entschuldigen.“

Der Verein „Windows on America“ soll nun sichern, dass das Programm unabhängig vom jeweils amtierenden Botschafter weitergeführt wird, um noch vielen Hauptschülern die Gelegenheit zu dieser einzigartigen Erfahrung zu geben. Dies war bereits die fünfte Gruppe, die in den vergangenen Jahren eine solche Reise machen konnte.

In der Broschüre des Vereins heißt es ganz im Sinne des derzeitigen Botschafters, der selbst ein erfolgreicher Unternehmer ist: „Wirtschaftlich erfolgreich sein kann auf Dauer nur derjenige, der die vorhandene Vielfalt erkennt und nutzt.“ Und fördert.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 03.06.2008 )

DER TAGESSPIEGEL - SCHULE

Ein Artikel aus NEUES DEUTSCHLAND, in der Printausgabe vom 17.03. zum Thema Homeschooling.

Letzte Konsequenz: Homeschooling

Die Schulpflicht erlaubt nur Ausnahmen, aber manche Eltern nehmen die Bildung ihrer Kinder selbst in die Hand

Von Tom Mustroph

 

Das deutsche Schulsystem löst Verunsicherung aus. Bildungspolitiker streiten über Schulsysteme, Bildungsexperten über Formen und Methoden. Eltern und Schüler sind aufgefordert, sich um die bestmöglichen Bildungschancen zu bemühen, sind aber tendenziell überfordert, die richtige Schule für ihre Kinder auszuwählen. Eine Konsequenz, die Eltern aus dieser Malaise ziehen, ist, die Sache der Bildung selbst in die Hand zu nehmen.

In Form der Mitarbeit bei Schulvereinen oder gar der Mitarbeit bei Schulgründungsvereinen unternehmen sie das häufig. Doch aus Sicht mancher Eltern sind auch hier Beharrungsmomente und Widerstände so groß oder die materiellen Möglichkeiten so begrenzt, dass sie den Weg der eigenverantwortlichen Bildung ihrer Kinder mit allerletzter Konsequenz gehen. Das bedeutet dann Homeschooling.

In der Bundesrepublik Deutschland ist das gesetzlich verboten. Nur Ausnahmen sind erlaubt. Bei langer Krankheit etwa dürfen Kinder zu Hause den Stoff halber Schuljahre nachholen. Eltern, die in einem Land arbeiten, in dem keine adäquate Schule zu finden ist, wird gestattet, den Unterricht ihrer Kinder zu Hause zu organisieren. Dabei gelten die deutschen Rahmenpläne. Doch auch über diesen Personenkreis hinaus betreiben Eltern in Deutschland Homeschooling. Zu einem Teil sind dies Eltern, die aus religiösen Gründen (es handelt sich meist um Christen) mit einem Teil des Schulstoffes nicht einverstanden sind. Es häuft sich aber auch die Zahl der Eltern, die wegen der Mängel der Schulen den Unterricht lieber selbst übernehmen wollen.

Carola Winter ist eine von ihnen. Die studierte Molekularbiologin hat ihren Sohn Max vor zwei Jahren wegen des häufigen Unterrichtsausfalls aus der ersten Klasse einer Grundschule genommen und zu Hause unterrichtet. In der oberen Etage des Einfamilienhauses im Grunewald ist eine Schulecke eingerichtet. Ein Schreibtisch steht dort, Lehrmaterialien sind in Fächern geordnet, Landkarten hängen an der Wand. Nicht immer fand der Unterricht hier statt. Manchmal sind Mutter und Sohn ins benachbarte Kinderzimmer gewechselt, manchmal sind sie in den Garten gegangen. Der Unterricht begann zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr, nachdem der Vater, ein Musiker, das Haus verlassen hatte und zur Arbeit gegangen war.

Ungefähr 90 Minuten haben sich die beiden mit den viel Konzentration erfordernden Aufgaben beschäftigt. Danach gab es eine lange Pause und dann waren, ebenfalls ungefähr 90 Minuten lang, sinnlichere Fächer wie Sachkunde an der Reihe. Die werden oft als Projektarbeit gestaltet. Max hat sich ein Thema ausgesucht, dazu recherchiert und das Wissen in einem Vortrag gebündelt.

An manchen Tagen haben die beiden im Garten Fangen gespielt. Eine Musikerin bringt dem Jungen Klavier- und Gitarrespiel bei. Am Nachmittag geht er mit Freunden zum Reiten und zu einem Töpferkurs. Oft kommen die Freunde auch ins Haus, so dass er Kontakt mit Gleichaltrigen hat. Einmal die Woche besucht er einen Hochbegabtenkurs für Biologie und Chemie. Freitags ist der Exkursionstag. Da ging es zum Beispiel in die Domäne Dahlem, um auf einer alten Waage Maße und Gewichte anschaulich zu machen oder ins KaDeWe, als dort ein Aussteller Kinder in avancierte Legotechnik eingeführt hatte.

Die bisherige Bilanz sieht aus Perspektive von Carola Winter positiv aus: »Wir haben festgestellt, dass wir viel schneller durch den Stoff kommen. Wir brauchen ungefähr ein Drittel der Zeit«, sagt sie. Orientierungspunkt waren die Berliner Rahmenpläne. »Über das Netzwerk Homeschooling, in dem auch einige an staatlichen Schulen angestellte Pädagogen mitarbeiten, sind wir an die Lehrerhandbücher gekommen. Die sind übersichtlich aufgebaut. Jede Schulbuchseite ist darin erklärt und es werden Vorschläge für Übungen und die Häufigkeit der Wiederholungen gemacht«, erklärt sie. Am Anfang hatte sie wegen der Schnelligkeit von Max befürchtet, dass er nur oberflächlich gelernt hatte. »Aber dann hatte ich mich überzeugt, dass das Wissen auch sitzt. Bei zuviel Wiederholungen hat sich Max gelangweilt. Also sind wir weitergegangen.«

In zweieinhalb Jahren Hausschule haben die beiden dreieinhalb Schuljahre absolviert. Auch sozial sieht sie Vorteile in ihrer Schulwahl. »Der Kontakt zum Kind intensiviert sich. Man weiß viel besser, womit es sich beschäftigt.« Max, zum Vergleich von Regelschule und Hausschule befragt, gibt der familiären Variante den Vorzug. »Es macht mehr Spaß. Ich lerne mehr«, sagt er. Dass seine Mutter nun die absolute Zentralgestalt seines Lebens ist, scheint den 9-Jährigen nicht zu stören. Gegenwärtig geht er allerdings wieder in die vierte Klasse einer Grundschule. »Wir hatten uns bemüht, für die Aufnahme ins Gymnasium eine externe Prüfung ablegen zu dürfen. Aber das wurde uns nicht gestattet«, erzählt die Mutter. Zugangsberechtigung für das Gymnasium ist das Halbjahreszeugnis der vierten Klasse.

Carola Winter ist keine dogmatische Hausschulverfechterin. Ihren jüngeren Sohn Martin hat sie im Herbst in die erste Klasse eingeschult. »Im Kindergarten war so viel Vorfreude auf die Schule erzeugt worden, dass ich ihm diese Erfahrung nicht nehmen wollte«, erklärt sie. Sie bedauert diese Art der Konditionierung für das Schulsystem ein wenig, richtet sich aber nach den Wünschen des Kindes.

Homeschooling in Deutschland ist mit einem gewissen Risiko behaftet. Weil es formal nicht erlaubt ist – es besteht Schulpflicht – werden Eltern manchmal geduldet, manchmal aber auch von staatlichen Stellen verfolgt. Die Homeschoolingszene weiß von Gerichtsverfahren und angedrohten Gefängnisstrafen zu erzählen. Carola Winter hat von Familien gehört, die es aus diesem Grunde vorgezogen haben, auszuwandern.

In anderen Ländern ist Homeschooling erlaubt. In den USA werden laut amtlicher Statistik 2,2 Prozent der Kinder zu Hause unterrichtet, das betrifft 1,1 Millionen Kinder (Stand 2003). In Großbritannien geht man von 50 000, in Australien von 20 000 Kindern aus. Außer der großen Gruppe religiös divergenter Eltern (40 Prozent der Homeschooling-Eltern in den USA haben sich aus religiösen Gründen dafür entschieden) gehören viele der Eltern, die Homeschooling wagen, den so genannten bildungsnahen Schichten an. Sie wollen ihren Kindern einen besseren Start ins Leben ermöglichen.

Für Homeschooling im Grundschulalter gibt es viele gute Gründe. Die Leistung von Grundschülern ist weniger vom Schulsystem als von der Intensität der Betreuung und Zuwendung abhängig, legen aktuelle Studien nahe. Engagierte Eltern können sich den Grundschulstoff wohl auch leichter erarbeiten. Mit einer ausgebildeten Grundschullehrerin will sich Carola Winter dennoch nicht vergleichen. »Ich kann mein Kind unterrichten. Für den Unterricht einer ganzen Klasse sind ganz andere pädagogische Fähigkeiten notwendig«, sagt sie klipp und klar. Von einer befreundeten Familie in den USA weiß sie, dass Homeschooling auch in höheren Klassenstufen erfolgreich sein kann. »Je höher die Klasse, desto mehr wird auf das eigenständige Erarbeiten gesetzt. Dennoch beschäftigt sich auch die Mutter mit dem Schulstoff und kann das Lernpensum in die richtigen Bahnen lenken«, hat sie erfahren.

Für bildungsnahe Eltern kann Homeschooling durchaus zur Alternative werden. Allerdings müsste sich da zuerst die deutsche Rechtssprechung von der Schulpflicht hin zur Pflicht auf Bildung verändern. Die Bildungspflicht wiederum gäbe Eltern die Möglichkeit, von den Schulen adäquate Leistung zu verlangen. Außerdem müsste die Schulaufsicht auch eine fachliche Kontrolle der Homeschoolingfamilien gewährleisten. Carola Winter wäre damit vollauf einverstanden.

Gegen die Umwandlung der Schulpflicht in eine Bildungspflicht spricht lediglich, dass die Schulfreiheit Tendenzen zur Parallelgesellschaft verstärken könnte. Schule als Instrument zur Zwangsassimilation wäre allerdings ein missverstandener Bildungsauftrag.

Wenn das nicht gute Nachrichten sind…

Die pädagogische Revolution hat begonnen. Von Christian Füller

Glaubt man, das sowas in Deutschland passiert?

In einem dieser 400 Quadratmeter weiten Areale treffen die Besucher nun zum Beispiel Lisa und Marie. Die beiden sechsjährigen Mädchen arbeiten gerade an ihrem Wochenplan - ganz allein. Eine Lehrerin ist zunächst nicht zu sehen. Nach und nach sind 80 Schüler zu entdecken. Auf einer Tribüne sitzen ein paar Schüler, die sich in Büchern vertieft haben. In einer Ecke ruht ein Mädchen sogar, auf Kissen gebettet. Hinter einem Raumteiler steht schließlich doch eine Lehrerin vor einer größeren Gruppe von Schülern und erklärt etwas. Wenn Gäste verwundert fragen, wo hier eigentlich gelernt wird, dann tippt sich Rektor Tlustek gern mal man an die Stirn: “Hier oben, im Kopf.”

Also, eine nicht alltägliche Artikel über unkonventionelle aber längst überfällige Schulreforme… lesenswert!

Ob es allerdings soweit kommt, dass Familien dieses Recht auf Freies Lernen zugestanden wird, bleibt noch offen….

Hier ist die exklusive Vorabveröffentlichung des Romans von Vera F. Birkenbihl.

Originalton der Autorin: “Dies sind Auszüge aus meinem ROMAN, in dem der BILDUNG im Wortsinn DER PROZESS GEMACHT WIRD.  Schwerpunkt der Autoren-Lesungen werden Gerichtsszenen sein, in denen vom Schulbuch-VERLEGER über LEHRKRÄFTE bis zu Autoren von Lehrwerken (z. B. Fremdsprachen-Textbüchern) als Zeugen auftreten, wobei so mancher Zeuge zum Angeklagten wird… Die Dialoge sind eine andere Form, meine Kernaussagen der letzten Jahrzehnte auf den Punkt zu bringen…”

In der ersten Folge dieser neuen Reihe mit dem Titel “Vor dem Prozess” gibt es eine Einführung und Erklärung zum Prozess, außerdem treffen bei einer Frensehausstrahlung eines Internettalks am Vorabend des Prozesses ein Journalist, ein Linguist, ein Soziologe und ein Historiker aufeinander, die über Einwanderung und deren Folgen auf das Bildungssystem diskutieren.

Gesprochen von der Autorin Vera F. Birkenbihl

Von mir nur zwei Zitate:

Lagen die vielen Probleme millionen von Schülern und Schülerinnen am System, oder waren doch die Schüler oder ihre Eltern schuld? Das sollte sich zeigen.

Zum Sozio-Ökonomische Distanz–Argumente vom Kinderrechtsbeistand:

In beiden Länder [USA wie Deutschland] profitieren Kindern um so mehr vom Schulsystem je weniger sie es benötigen, bzw.  je mehr Bildung sie zu Hause erleben.  Man kann auch sagen, je weniger sie das Schulsystem brauchen, desto mehr profitieren sie, während genau jene Kinder, denen das Schulsytem bieten soll, was zu Hause fehlt, in diesem System versagen müssen.

Bei Podcast.at.   Bildungsverantwortliche müssen sich das unbedingt anhören.

Gefunden bei Lernen Heute.

teenager.jpgGrace Llewellyn war eine gute Schülerin und wurde eine noch bessere Lehrerin. Nur liebte sie ihre Schüler zu sehr, um dauerhaft übersehen zu können, dass die Schule die ursprüngliche, vitale Forscherneugierde und den Wissensdrang von Kindern abstumpft, bis die meisten nur noch lustlos mit abgestandenen Fakten jonglieren, anstatt selbst zu denken.

Irgendwann wurde ihr klar, dass Schule nicht notwendig die beste Antwort auf das Leben junger Menschen ist, und sie wurde zu einer Pionierin der freien Bildung, wie sie in den USA bereits 6% der Schulkinder nutzen – und ihre Zahl wächst rasant.

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Erscheinungsjahr: 2008
ISBN: 978-3-934719-25-5
Preis: 19,80 €/ 32,00 sFr
Versandkosten (nur Ausland): 3,10 €

Die Verleger dieses Buches haben nicht nur immense Arbeit und Prozesskosten, sondern auch hohe Zwangsgelder (derzeit 7.500 €), Besuch vom Gerichtsvollzieher sowie die Androhung von Erzwingungshaft sowie ‘weiterer Zwangsmaßnahmen’ in Kauf genommen, um ihren Kindern das zu ermöglichen, was in diesem Buch beschrieben wird: Freies Lernen.
Wer dieses Buch liest, wird verstehen, warum.

„Dieses Buch ist gefährlich. Es widerspricht allen üblichen Weisheiten über Schulabbrecher und die Wichtigkeit von Schulabschlüssen. Es wirkt belebend und inspirierend. Lassen Sie dieses Buch auf keinen Fall in die Hände eines aufgeweckten, frustrierten Jugendlichen gelangen, den das Schulsystem anödet. Die Autorin kann für das daraus möglicherweise entstehende Glück und das Gefühl von Eigenverantwortung keinerlei Verantwortung übernehmen.“

„Dein Leben, deine Zeit und dein Gehirn sollten keiner Institution gehören, sondern dir. Dieses Handbuch ist für alle, die jemals zur Schule gegangen sind, aber es ist ganz besonders ein Buch für Teenager und Leute, die viel mit Teenagern zu tun haben.
Aus dem Inhalt:
· gute Gründe, über den Abschied von der Schule nachzudenken
· wie du deine natürliche Fähigkeit, dein eigener Lehrer zu sein, wiederentdeckst
· wie du die Unterstützung deiner Eltern gewinnst, deine Freunde behältst und mit den Behörden klarkommst
· wie du dir dein ureigenes spannendes Bildungsprogramm maßschneiderst
· wie du studierst, ohne vorher zum Gymnasium zu gehen
· wie du ehrenamtliche Jobs, Praktika, und andere Gelegenheiten zur praktischen Arbeit findest
· wie andere Teenager weltweit ohne Schule leben und lernen

Moritz und Thomas Neubronner gehen nicht zur Schule und sind deswegen bundesweit bekannt geworden. Ihre Eltern, die Inhaber des Genius Verlages, waren zunächst sehr frustriert über den Schulstreik ihrer Kinder. Inzwischen haben sie verstanden, dass ihre Kinder ohne Schule mehr und lieber lernen und vor allem viel glücklicher sind – wie Millionen Kinder weltweit. Dieses Buch zeigt konkret, wie das geht – auch in Deutschland.

Letztes Jahr in Oktober postete ich einen Artikel von Fritz Reheis “Nicht für das Leben, für die Schule lernen wir…“.  Darin beschreibt er was mittlerweile auch unter Franchising und Marktwirtschaft längst gängige Praxis darstellt:  Konsum, konsum, konsum.  Alles reinstopfen, wenig Zeit zum Verdauen, Verweilen, In-sich-aufnehmen.  Denn der nächste Happen Wissen drängt sich förmlich auf… (irgendwo hatte ich auch von “Bulimie-Bildung” gelesen:  alles in sich reinstopfen und für die Lernkontrolle wieder auskotzen… nicht besonders “appetitlich”…)Da staunte ich nicht schlecht, als ich gestern folgendes gelesen hatte:

“Pauken ohne Pause - Streit ums Turboabitur”

Nicht für die Schule, fürs Leben lernen wir. Aber möglichst schnell. Ab dem kommenden Sommer wird in fast allen Bundesländern das “G8″, das achtjährige Gymnasium, eingeführt sein. Doch die Bewältigung der gleichen Stoffmenge in weniger Zeit setzt Schüler und Lehre unter Druck. Sie beklagen, dass kaum Zeit für die Vertiefung eines Themas bleibt - geschweige denn für die Hobbys am Nachmittag. Macht die Schule unsere Kinder kaputt?

Zu finden bei TeachersNews als PROGRAMMHINWEIS für Donnerstag, 21. Februar 2008, 22.15 Uhr auf Phoenix:

Anke Plättner diskutiert in der PHOENIX Runde mit Prof. E. Jürgen Zöllner (Bildungssenator in Berlin) Gerhard Braun (Vizepräsident Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände), Susanne Gaschke (DIE ZEIT), Harald Mier (Schulleiter Schadow-Gymnasium Berlin) und Bernd Sibler (CSU, Staatssekretär Kultusministerium Bayern).

Da werde ich vielleicht mein Fernsehabstinenz heute Abend aufheben, denn ich habe vor etwa sechs Jahren das Buch “Die Erziehungskatastrophe–Kinder brauchen starke Eltern” gelesen.  Mir hat die Schreibweise von Frau Gaschke sehr beeindrückt, bei ihren Schreiben kommen Fragen auf, die –wenn man sich Gedanken macht über Bildung, Familien und Politik macht– Beantwortet werden wollen:

Zum Beispiel,

  • ob der Konsens, dass Kinder staatlich betreut werden müssen, damit Mammi und Pappi Geld verdienen können, wirklich so toll ist?
  • Ob die Dogmen der Kindergartenerziehung oft nur die schiere Faulheit und Erziehungsunfähigkeit des Personals kaschieren?
  • Ob die Kriterien der Jugendhilfe Unverantwortlichkeit geradezu züchten (und damit Jahr für Jahr Milliarden verballern, ohne jede Erfolgskontrolle)?
  • Ob die Grundschulen ihrer Aufgabe noch gerecht werden und die Anhäufung immer neuer Anforderungen (sprachliche Früherziehung, Integration etc.) die Schule nicht von ihrem Erziehungsauftrag entfernt?
  • Ob sich hinter Internet- und Medien-Euphorie als Heilmittel für Gymnasial- und Universitätsbildung mehr verbirgt als schiere Resignation?

Was denkst du über diese Fragen?  

(Passt genau zum gestrigen Thema vom Frontal 21:  “Überforderte Schüler. Das Milliardengeschäft Nachhilfe“,
den man sich auch als video ansehen kann.)

*Anmerkung:  diese Artikel habe ich auch bei Genügsames Leben gepostet.

Was ich sehe, sind zwei Philosophien, die scheinen, ständig im Krieg zu sein:

1) die Bedürfnisse der Vielen überwiegen die Bedürfnisse der Wenigen oder des Einzelnen.

2) die Bedürfnisse des Einzelnen überwiegen die Bedürfnisse der Vielen.

Diese Schlacht ist nicht notwendig. Wir können 1) erreichen, indem wir uns 2) zu eigen machen. Ich behaupte, daß der Versuch ausschließlich Idee 1 in der Gesellschaft anzuwenden (etwa in der Schule?!) tatsächlich die Binde- und kooperative Natur der Gesellschaft zerstören würde. Die Zwangsumwandlung der freien Einzelpersonen in eine gefällige, nichts-in-frage-stellende Bevölkerung dient nicht die besten Interessen von den Vielen, denn wo ist dann Kreativität, Freude und Innovation?

Nur wenn wir die Freiheit haben, daß zu lernen was wir wollen, dem nachzugehen, was uns interessiert, werden wir effektiv die Bedürfnisse der Gesellschaft dienen, und folglich wird die Gesellschaft dadurch angereichert und erweitert. In der Suche nach Spock, als Kapitän Kirk, der die Vereinigung widersetzte, um Spock zu retten, setzte er die Bedürfnisse seines Freunds über die Seinen. Aber die Bedürfnisse Spocks waren seine Bedürfniss, denn er hätte nicht mit sich selbst leben können, hätte er nicht versucht seinen Freund Spock zu retten. Die Verfolgung schöpfte aller Tapferkeit und Kreativität der Mannschaft, die sich freiwillig an der Suche beteiligte und dadurch in ihrem Zweck vereinheitlicht wurden. Selbstverständlich waren sie erfolgreich, das sehen wir an die weiteren Star Treck Folgen!

Als Erzieher unsere Kinder erlauben wir uns die Freiheit, sie die Welt als eine wunderbare Ort zu sehen: um Forschungen anzustellen, Entdeckungen zu machen und das Leben verstehen zu lernen. Sie sind in der realen Welt jeden Tag und erfahren das Leben, wie es gelebt werden soll. Wir können ihnen zeigen, wie man die Gesellschaft dient (Macrowelt) durch das Erlernen und Erleben des Dienens zuerst in ihren unmittelbaren Umfeld, bei uns, zu Hause (Microwelt). Sie sind frei, ihre Interessen nachzugehen und ihre Neugierde zu stillen, worin liegen die Schlüssel zur Kreativität und Erfindungsgeist. Wir dienen die Gesellschaft, in dem wir die Bedürfnisse der Wenigen –oder gar des Einzelnen– nachgehen.

Der Tatsache das dieses soziale Lernen zu Hause stattfindet muß man sich bewusst werden lassen. Hier lernen unsere Kinder: generationsübergreifende und gesellschaftstauglich in einer Umgebung voller Annahme und Geborgenheit. Und wenn Disziplin, Korrektur, Zurechtweisung nötig sein sollte, dann geschieht dies eben auch durch Menschen, die diese Kinder nicht nur lieben, sondern, die dieses Kind über die Stunde, den Tag, die Woche, ja über das Schuljahr hinaus begleiten. Ich will damit sagen: Eltern haben eine tiefe Interesse daran, zu sehen, dass Kinder gedeihen, lernen und sich weiter entwickeln. Sie haben diese Interesse, zum einen, weil die Kinder eine natürliche Fortsetzung sich selbst sind, zum anderen haben sie diese Verantwortung, denn “Eltern haften für ihre Kinder”.

In jeder Institution (Schule, Kiga, Hort usw.), mögen da so viele engagierte, nette Menschen arbeiten, kann es nur eine schwache Abbild der herkömmliche Familie geben. Zu häufig sind Kinder überwiegend der Gesellschaft ihres Gleichen für zu viel Zeit des Tages überlassen. Die Möglichkeit, seine eigene Interesse nachzugehen in einer Umgebung der Geborgenheit ist nahezu unmöglich. Es herrscht Regel 1, die Bedürfnisse der Vielen überstimmen die Bedürfnisse des Einzelnen. Es mag eventuell wenige Lehrer geben, die aus dieser Situation eine annähernde gesunde Klima schaffen, um ein optimales, selbst bestimmtes Lernen zu ermöglichen. Aber allzu oft herrschen in der Schule andere Mächte: Lehrplanmacht, Zensuren, Klassengrößen von über 20 Kinder (das wäre eine kleine Klasse!). Dabei habe ich solche unangenehme Tendenzen nicht erwähnt, wie etwa Mobbing (unter Schüler wie auch unter Kollegen), Gruppenzwang (ebenfalls unter Schüler sowie Kollegen)…

Im Namen der Integration, im Namen der Bildung und im Namen der Sozialisation von Kinder werden sie verpflichtet (!), in Schulen zu gehen, um gesellschaftstauglich zu werden. Das da nicht optimale Arbeit geleistet wird, braucht man lediglich die Zeitung aufzuschlagen; mit den Unternehmer zu reden, die beklagen, dass es keine besondere Auslese unter den vielen “erfolgreiche” Schulabgänger zu finden sind. Und die Zahl der nicht “erfolgreichen” Schulabgänger steigt stets.

In einem Klassenzimmer ist die Primärfunktion des Lehrers die Massensteuerung. Gleichabhängigkeit hält die Herde zusammen: das ist das Positive an Gruppenzwang! Das Außerordentliche wird als Unannehmlichkeit angesehen, besonders wenn sie nicht auf dem Schulekalender oder in den Lehrplänen ist. Das Einverständnis wird erwartet: unabhängig von der Situation und wer das Material, die Umsetzung, das Ziel in Frage stellt, wird als Unruhestifter betrachtet. Das Lernen findet in 3/4 Stundentakt statt. Dies geschieht im Namen des Förderns der Gesellschaft, der Zufriedenheit der Bedürfnisse von den Vielen, durch das Ignorieren der Bedürfnisse von den Wenigen oder des Einzelnen.

Diese, m.E. verkehrte Denkweise verfolgt die Bundesregierung. Ich zitiere aus der Antwort auf Frau Frau Volkmanns Anfrage: Warum ist Heimunterricht nicht möglich?

[Der Erziehungsauftrag des Staates] richtet sich auch auf die Heranbildung verantwortlicher Staatsbürger, die verantwortungsbewusst an den demokratischen Prozessen in einer pluralistischen Gesellschaft teilhaben. Die Offenheit für ein breites Spektrum von Meinungen und Auffassungen ist konstitutive Voraussetzung einer öffentlichen Schule in einem freiheitlich-demokratischen Gemeinwesen.

Bedauerlicherweise sehe ich durch die Strukturen, die Schulen im Allgemeinen haben, gibt es nicht viel Spielraum, damit Kinder entdecken und umsetzten können, wenn es darum gehen soll, “verantwortungsbewusst an den demokratischen Prozessen in einer pluralistischen Gesellschaft teilhaben”: Sie haben keine Mitbestimmungsrecht über ihren schulischen Alltag. Es wird vom Staat her gesagt, wann sie da sein müssen, welche Fächer, in welche Reihenfolge, in welcher Intensität, begrenzt auf 45 Minuten Takt, wann sie Hunger verspüren dürfen, wann sie ihr Bewegungsdrang für ganze 10 Minuten nachgehen dürfen. Das Lerntempo wird höchstens von den Vielen gelenkt, meistens aber von den Einzelnen, hier ist selbstverständlich von der Lehrer die Rede!

Ferner heißt es:

Die allgemeine Schulpflicht dient dem legitimen Ziel der Durchsetzung des staatlichen Erziehungsauftrags. Dieser Auftrag richtet sich nicht nur auf die Vermittlung von Wissen und die Erziehung zu einer selbstverantwortlichen Persönlichkeit.

Merkwürdigerweise herrscht die Meinung, man könne unter Fremdbestimmung (wie sie einfach durch festgelegte Lehrpläne durchgesetzt wird) lernen, ein selbstverantwortliche Persönlichkeit zu werden.

Meine Zusammenfassung ist, daß wir eine dynamische, emporkommende Gesellschaft erst und nur dann entwickeln werden, wenn wir von der Gedanke des kollektiven Lernen und Leben aufgeben und zu eine Familien orientierten Leben, Lernen und Bildung zurückfinden. Das, meine liebe Leserin, mein lieber Leser, wäre ein Familien freundliches Deutschland!

Wie siehst du diese Sachlage?