Du bist Deutschland


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Szenenfoto aus “Die Welle”: “Weder Bildung noch Stand noch Geld schützen davor, in eine solche Diktatur reinzurutschen”

Das Lesen des Buches “Die Welle” von Morton Rhue hat bei mir eine Lawine an Fragen losgelöst… manche habe ich bereits hier und hier gestellt… da arbeitet es aber noch ziemlich heftig in mir. Vor allem wenn ich die Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Bildung anschaue, da stehen mir die Haare zu Berge…

Heute habe ich erfahren, dass der Film “Die Welle” am Donnerstag ins Kino kommt, mit Jürgen Vogel als Lehrer und Jennifer Ulrich als rebellischer Schülerin. Im Interview der SpiegelOnline “Schulspiegel” sprechen sie über Tücken elitärer Gruppen und Verführung durch Macht.

Du wirst subtil verführt: Im Vordergrund steht der Gemeinschaftsgeist. Den braucht jede Gruppe, die etwas erreichen will - Greenpeace, die FDP-Jugend, die Pfadfinder oder die Globalisierungsgegner, die in Heiligendamm waren. Es geht darum, gemeinsame Werte und Ideale zu haben, zusammen zu feiern, etwas zu unternehmen. Es geht um das Gefühl, gemeinsam für etwas zu sein – und gegen etwas….

<Quelle und Gesamt Interview>

Mich beschäftigt immer noch diese Frage der subtile Verführung: Passiert sie heute noch?

Vor kurzem las ich bei Oliver Heuler unter anderem über ein Buch namens “Liberal Fascism” und er kommt auf der Faschist in uns allen zu sprechen… in seinem Beitrag ging es vielmehr um Bildung und der (in der Auslandspresse) immer wiederkehrende Entrüstung, der Schulpflicht stamme von Hilter. Zum Schluss schreibt Herr Heuler:

Übrigens: Man kann der Schule Vieles vorwerfen, aber erfolglos ist sie nicht:

Die Schule ist ein raffiniertes Herrschaftsmittel des Staates, geschaffen (bzw. aus ähnlichen Ansätzen konkurrenzgefährlicher Stellen - Kirche, Städte, Private - usurpiert), um von Kindesbeinen an alle Staatsangehörigen an Gehorsam zu gewöhnen, ihnen die Suggestion von der Notwendigkeit des Staates in Fleisch und Blut übergehen zu lassen, jede Emanzipationsidee im Keime zu lähmen, die Entwicklung ihres Denkens in wohlgehegte Bahnen zu lenken und sie zu bequemen, regierbaren, demütigen Untertanen zu drillen.
Walther Borgius, 1930

Auch aus dieser Zeit: Marx/Engels, die in ihren Manifest der Kommunistischen Partei geschrieben haben:

Wir kommunisten entreißen die Erziehung dem Einfluß der herrschenden Klasse, (…) indem wir an die Stelle der häuslichen Erziehung die Gesellschaft setzen.

Aus: Marx, Engels: Manifest der Kommunistischen Partei, Dietz Verlag, Berlin 1930, S. 63.

Das ganze hat System, wenn du mich fragst. (Dabei darf ich nicht an andere Entwicklungen denken, z. B. “Denunziation genügt. Jeder kann jeden beim Gericht als angeblichen Betreuungsfall anzeigen.” Gestern gepostet unter: Willkür der deutschen Betreuungsmachinerie.) Die Frage ist, was können wir dagegen tun?

Für den Rest eures Lebens werdet ihr niemals mehr zulassen, dass der Wille einer Gruppe die Oberhand über eure Rechte als Einzelmenschen gewinnt.

aus: Die Welle, Morton Rhue, Ravensburger Verlag, 2008 S. 176

Wer kommt mit ins Kino?

Weitere Artikel:

Auch bei Genügsames Leben gepostet

Vom 12. bis 14. Juni 2008 ist es soweit: Die Jugendmesse der Aktion Mensch präsentiert sich zum dritten Mal im Landschaftspark Duisburg-Nord. Unter dem Titel „respect our future“ dreht sich wieder alles um Jugendliche und ihre Zukunft. Angebote und Aktionen zu Themen wie Politik & Gesellschaft, Kreativität, Mode & Style, Medien, Fun & Action, Identität, Beruf & Chancen sowie Umwelt & Ökologie sollen junge Menschen anregen, sich mit ihrer individuellen und der gesellschaftlichen Zukunft zu beschäftigen. (more…)

Ein Rundgang durchs Netz zeigt, daß das Thema Schule durchaus Salonfähig ist. Lehrer stöhnen, Eltern mosern, Schüler bocken, Arbeitgeber bemängeln, Politiker grübeln.

Wir wollen das heiße Eisen anpacken und fangen mit unterschiedlichen Eindrücke der aktuellen Stunde im Netz.

Zuerst möchte ich ein Handvoll Junge Männer (Schüler!) vorstellen:  Bei ihren Schul-Kritik Blog vereinen sie sehr professionel und ansprechend Schüler, Eltern sowie Pädagogen und diskutieren Schulthemen, wie sie in ihren Schulalltag vorkommen.  Einen Beitrag vor kurzem, Nach mir die Sintflut, hat besondere Fragen aufgeworfen zum Thema Schulreform, Schuländerung:

Wieso aber tun Eltern und Erziehungsberechtigte oder die Schüler selbst nichts oder wenig gegen Probleme wie ungerechte oder anzügliche Lehrer, unlogische Bestimmungen oder Gewaltentwicklung?

Das liegt meistens leider daran, dass sich bei vielen Schülern die Meinung durchsetzt: “Noch die paar Jahre und ich bin hier weg”. Die Misstände werden also akzeptiert und man begnügt sich mit der Vorstellung, dass bald ja alles vorbei sei.

Mit dieser egoistischen “Nach mir die Sintflut”-Einstellung verschließt man nicht nur die Augen vor den Problemen, man reicht diese auch an Generationen folgender Schüler weiter.

Wo diese Tatsachen verschwiegen werden, werden diese bald als Standard und normal angesehen und nicht weiter kritisiert.

Das macht nachdenklich und zugleich Mut:  denn wenn diese Junge Männer das Thema anpacken (und weitere folgen!), dann besteht doch Hoffnung, oder?

Von der Seite der Politik und Pädagogik kann man in der taz Artikel Nicht (nur) die Lehrer sind schuld lesen:

Dirk Hagener, einer der Evaluatoren und erfahrener Schul-Mann aus Hamburg, wo er eine Gesamtschule geleitet hat, kennt das Phänomen: “Das Letzte, was sich an Schulen positiv verändert, ist der Unterricht.”

Wenn Lehrer wenig motiviert seien, dann sei das schon Folge des Problems, meinte der FDP-Politiker Magnus Buhlert: “Lehrer werden im System demotiviert.<b>” </b>Wenn ein Lehrer versuche, eine heterogene Klasse “im Gleichschritt frontal zu unterrichten”, sei das natürlich äußerst stressig, fasst die Schulsenatorin ihre Sicht auf das Lehrerproblem zusammen. Sie würde gern “Assistenten” für den Unterricht in bestimmten Klassen einführen, “das wäre mir das allerliebste”. Bisher ist dafür jedoch kein Geld eingeplant.

Ferner wird im Artikel erklärt, daß “die Lehrer weiterführender Schulen nicht erfahren, was Pädagogen vorher festgestellt haben. Kenntnisse über frühere Förderversuche sind aber “für die pädagogische Arbeit wichtig”, räumt Jürgens-Pieper ein, Datenschutz-Probleme beim Übergang zwischen Schulen oder zwischen Kita und Schule “müssen bearbeitet werden”.

Es gibt immer wieder (aber leider noch sehr selten) (öffentliche) Institutionen, die diese Muster ERFOLGREICH durchbrechen.  Da denke ich an Enja Riegel und der Helene Lang Schule in Wiesbaden. 

Wenn wir über Bildungsvielfalt reden, dann müssen wir auch diesen Themen angehen.

  • Was heißt es, eine bereits existierende (öffentliche) Schule zu reformieren?
  • Welche Perspektiven kann man durch Schulgesetzänderungen schaffen, so daß es sich lohnt für Eltern und Schüler bei einer Veränderung tatkräftig mitzumachen?  (Wie kann man z.B. Behördengänge verkürzen, vereinfachen oder gar streichen?)
  • Welche Perspektiven haben Initiatoren von neuen Schulen (private), diese neue Schule “bald” realisieren zu können?  Wie kann man diesen Prozess beschleunigen oder vereinfachen?
  • Welchen Fragen fällt dir ein?  Bitte ein Kommentar!

Liebe Anitz,

danke für den interessanten Artikel! Ich kenne das Buch nicht, habe auch die anderen Bücher der Autorin nicht gelesen.

Aber das kenne ich sehr gut aus meiner eigenen Kindheit, von der Generation der Mütter (nicht Väter!) meiner Mutter: “Und wir benehmen uns dabei immer häufiger wie charakterlose Streber, die nur danach trachten, die anderen auszustechen, um auf dem dunklen Hintergrund des kläglichen Versagens der Nachbarin den eigenen Stern um so heller strahlen zu lassen.” (Man braucht lediglich “Nachbarin” durch z. B. “Schwägerin” zu ersetzen.)

Damals gab es nicht den Kult um die “Optimierung des eigenen Kindes”, dazu hatte man wohl a) genug Gottvertrauen, daß aus diesem bei entsprechender Erziehung schon was rechtes werden würde, und b) die entsprechenden Erziehungsmethoden (autoritär) noch nicht als evt. unangemessen in Zweifel gezogen.

Es ging damals um die Optimierung und entsprechende Präsentation des eigenen Hauses und Haushaltes, darum, bei wem man nun tatsächlich vom Boden essen könne, weil dieser sauberer und strahlender war als ein niegelnagelneuer Porzellanteller. Es ging darum, wer welches Gericht nun wirklich am besten kochen könne und all diese Hausfrauendinge. Natürlich verglich man auch die eigene Brut und stand mit sotzgeschwellter Brust da, wenn diese besonders reüssierte bzw. schob dieses Thema dezent in eine dunkle Ecke, wenn dem nicht so war, aber der Umgang mit der eigenen Brut war dennoch sehr viel natürlicher. (Vermutlich eben, weil man es nicht vorrangig als auf dem eigenen Mist gewachsen ansah, was aus der Brut wurde, sondern als mehr oder weniger Gottgegeben.)

Bei den heutigen Supermüttern gilt es selbstverständlich als Voraussetzung, um zu dieser Kaste gehören zu können, daß der Haushalt ebenfalls 1a-mäßig präsentabel ist, aber er steht nicht mehr im Mittelpunkt. Und eigenes Kochen ist sehr unwichtig geworden, genauso als ausreichend standesgemäß wird eine Versorgung mit den teuren der Feritg- oder Halbfertigprodukte angesehen. Das wäre damals undenkbar gewesen, was nicht selber gekocht oder gebacken oder eingemacht worden war, galt als unfein.

Die Welt der Familien war damals halt noch nicht ver-rückt worden. An der Spitze standen klar die Eltern, der Vater etwas höher als die Mutter, wenn es um den Autritt in der Welt draußen ging, die Mutter deutlich höher als der Vater in allen Belangen rund ums Heim (Haushalt und Kindererziehung). Die Kinder waren Nachkommen und Erben, Söhne z. B. häufig direkte Erben väterlicher Vornamen und väterlicher Betriebe/Geschäfte/Berufe. Die Familien hatten ja auch mehrere Kinder, so daß sich das auf sie gelegte Augenmerk automatisch aufteilte und damit für jedes dieser Kinder sanfter ausfiel als dies bei einem Einzelkind der Fall gewesen wäre. Es war nicht vorrangig wichtig, ob nun jedes Kind ein eigenes Zimmer hatte, selbstverständlich standen die Kinder in der zweiten Reihe hinter ihren Eltern.

Heute definieren sich Eltern nicht mehr über den Beruf (wobei ich die Betätigung der Mütter als Hausfrauen und Kindererzieherinnen auch als solchen werte), sondern stehen als Vasallen hinter ihren Kindern. Sie definieren sich über das, wie ihr Kind (mehr als ein oder zwei snd ja selten) in der Welt steht - und das schon von der Zeit vor dem Kiga an, wenn Mütter die Kids in Pekip-Gruppen und ähnliches schleppen und bereits da die Vergleicherei mit den anderen Kids beginnt.

Der Stellenwert der ursprünglich für das Selbstbewußtsein wichtigen Berufe von Vätern und Müttern ist einerseits durch im Hintergrund beständig drohenden Verlust von Anstellung oder eigenem Geschäft (strukturelle Verunsicherung) der Väter und andererseits durch die konsequent verlaufene Erniedrigung des Hausfrauen- und Mutterdaseins (ideologische Verunsicherung) nun völlig ausgehebelt worden. So gerieten gerade die Mütter unter einen weiteren Zwang, denjenigen, neben ihrem Dasein als “Familienmanagerinnen” auch noch außerhäußig erwerbstätig zu sein. (Eine “Familienmanagerin” braucht nicht mehr selbst Zuneigung zu geben und Kleinkinder im Arm zu halten, zu waschen, zu putzen, zu kochen, die Kinder zu hüten und mit ihnen zusammen zu sein, ihre Arbeit ist dann ebenso perfekt gelungen, wenn sie all diese Dinge wohlorganisiert an andere Personen wie Au-Pairs, Tagesmütter oder angesagte Kinderbetreuungseinrichtungen abgibt. Eine “Nur-Mutter” muß diese Dinge schon überwiegend selber tun, damit sie ihre Aufgabe als gelungen ansehen kann.)

Insofern könnte ich mir vorstellen, daß Gerlinde Unverzagts Konzentration auf die Mütter unserer Tage und das Ausblenden der dazugehörigen Väter keine Nachlässigkeit von ihr ist, sondern sehr bewußt (und zurecht) geschieht: Es sind m. E. heutzutage definitiv die Mütter, die durch ihr Tun und Unterlassen, durch ihre Forderungen und Verschmähungen, letztenendes aber gerade durch ihr mangelndes Selbstbewußtsein _als_ Mütter dazu beitragen und beigetragen haben, daß Familien nach einem ungeheuren Wandel nicht mehr sind und sein können, was sie einmal waren. Wenn die Familie nun aber in erster Linie am auf den Präsentierteller erhobenen Kind beurteilt wird, und wenn diejenigen, aus denen das Kind physisch hervorging, deutlichst geschwächt sind, dann ist es ja klar, daß am gelungenen Ergebnis Experten ihren Anteil gehabt haben müssen, sonst hätte es niemals gelingen können. Woraus die Notwendigkeit und Wichtigkeit der Experten wiederum für weitere Betroffene abgeleitet werden kann und wird usw. (Daß auch Experten versagen, gerät immer schnell in Vergessenheit, und ich könnte mir denken, daß Gerlinde Unverzagt mit ihrem neuesten Buch ungewollt den Experten zu noch größerer Wichtigkeit verhilft, weil sich alle mit Begeisterung auf die versagenden Mütter stürzen werden, ein gefundenes Fressen für die aktuelle Familienpolitik … Es werden halt nun die Experten “von der anderen Seite” zu Wort kommen, die Kindheitsforschern, die immer schon wußten, daß zuviel Verkopfung schlecht ist etc., aber halt bestimmt _wieder_ Experten.)

Eigentlich bräuchten wir eine klare und vorbehaltlose Anerkennung der Mütter als Mütter, um diesem Teufelskreis zu entfliehen, in einem extrem patriarchalen Land wie Deutschland (ja, so erlebe ich Deutschland seit langem, ich bin übrigens Jahrgang 61) ganz besonders. Sogenannte Frauen”emanzipation” (hahaha) hat dies in Deutschland m. E. im übrigen zusätzlich verhindert.

Deine Eljascha

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Wie denkst du zum Thema “Supermuttis”?

Die Ohnmacht der Super Nannys

Thomas Pany

Studie: Erziehungsgeschulte Eltern erzielen kaum bessere Resultate

Eltern-Kind-Kurse können Verhaltensstörungen von Kleinkindern statistisch gesehen kaum verhindern. Der Besuch solcher Kurse hat kaum Auswirkungen auf das Verhalten von Zweijährigen. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung, die in Australien an 700 Kindern durchgeführt wurde und zur ersten ihrer Art gezählt wird.

Forscher des Centre for Community Child Health (CCCH) in Melbourne haben versucht, an 733 Kleinkindern und deren Müttern die Wirksamkeit bestimmter pädagogischer Schulungen für Eltern zu studieren. Hintergrund: Die Wissenschaftler wollten wissen, ob mit solchen “Parental Classes” möglichen Verhaltensprobleme im jüngsten Kindesalter erfolgreich begegnet werden kann. Da individuell verordnete Kurse für bestimmte Eltern begrenzte Reichweite haben und sozial stigmatisierend sein können, wollten die Forscher herausfinden, welche Wirkungen für alle Familien konzipierte Universalkurse haben können, ob sie als Prävention gegen Verhaltensstörungen taugen. Verhaltensprobleme, von denen statistisch gesehen 20 Prozent der Kinder affiziert sind, gelten in der Forschungsliteratur als Wegbereiter für größere persönliche, soziale und wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Ergebnisse der australischen Studie werden in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals British Medical Journal veröffentlicht.

Die Studie setzte an, als die Kinder etwa 8 Monate alt waren. Die eine Hälfte der Mütter sollten nach eigenem Gutdünken, ohne irgendwelche Anleitungen, erziehen; ganz so, wie sie es für gut befanden. Die andere Hälfte wurde dazu angeleitet, elterliche Fürsorge-Kurse zu besuchen. Das Programm dieser parenting classes wurde von Erziehungsexperten des CCCH entworfen: Es zielt hauptsächlich darauf ab, Verhaltensaufälligkeiten wie “Trotz” und “Aggression” von Kindern zu vermeiden. Elterliche Fürsorge und die psychische Gesundheit der Mütter sollen ebenfalls verbessert werden. Das Programm der Kurse soll Grundsätze beherzigen, die Lob und Ermutigungen für Kinder den Vorrang vor Kritik und Strafen einräumen. Auf Schreien und Schlagen soll verzichtet werden; ein Kind, das sich schlecht benimmt, sollte eher mit Ignorieren und Auszeiten bestraft werden.

Die Wissenschaftler untersuchten die Auswirkungen der jeweiligen Erziehungspraktiken - mit und ohne anleitende Begleitung - zu zwei unterschiedlichen Zeitpunkten: Als die Kinder 18 und 24 Monate alt waren. Da Kinder und Mütter aus unterschiedlichsten sozialen Schichten kamen, soll das Ergebnis laut den Studienverfassern schichtenübergreifend gelten: Der Besuch der extra konzipierten Kurse, die den Müttern mehr Fürsorge und den kleinen Kindern gutes Verhalten lehren sollte, hat bei den Zweijährigen und ihren Müttern keine signifikanten Spuren hinterlassen.

Mütter, die mit ihrem Krabbelkind solche Kurse besuchten, waren nicht weniger gestresst als die anderen Mütter und die Kinder verhielten sich, soweit dies die Melbourner Wissenschaftler beobachteten, nicht besser als die ungelernten. Trotzdem konnten die Fürsorgeklassen einen Erfolg verzeichnen: Eltern, welche die Kurse besuchten, hatten laut Studie ein kleineres Risiko, zu missbräuchlichen und harten Erziehungsmaßnahmen zu greifen und sie stellten auch keine überzogene Erwartungen an die Entwicklung ihrer Kinder.

*Anmerkung:  Teil 1 kannst du gerne vorher lesen. 

Hallo Bea,

ich gebe Dir absolut recht in dem, was Du schreibst. An meiner eigenen Familie konnte ich genau dasselbe beobachten. An mir selbst natürlich ganz besonders. Ein Grund mehr für mich, all diese Muster aufzulösen (viel Arbeit - bin immer noch dabei ;) ).

Aber gerade deshalb zieht für mich die Argumentation mit der Sozialisierung in der Schule nicht. Es ist höchstens ein Umfeld, indem man das zu Hause erlernte erprobt, und sich unter umständen ständig beweist, was man zu Hause gelernt hat. Z.B. wenn jemand ein sehr schlechtes Bild von sich selber hat, wird er sich in der Schule Situationen suchen, in denen dies zum Ausdruck kommt, etc.

Deshalb bin ich bei dieser ganzen Schul- und Elternpolitik ja auch dafür, die Familien und Eltern zu *stärken*. Es muss viel mehr dafür getan werden, dass Eltern ihre Rolle als wichtig, positiv und gut ansehen, dass sie ihre große Verantwortung auch erkennen.  So wäre es z.B. eine tolle Sache, wenn in Schulen ein Programm angeboten würde, um die Jugendlichen auf ihre zukünftige Rolle als Partner und Familie vorzubereiten - nicht so sehr als Unterricht, sondern als Austausch, als Selbsterarbeitungsprogramm. Irgendwie soetwas.

Auf anderer Ebene müsste es viel mehr Beratung und Unterstützung für Eltern geben, mehr Gemeinschaft und Austausch für Familien. Familienzentren wären dafür z.B. ganz toll. Anstatt das Ziel im Kiga zu haben, die Kinder ihrer Eltern zu entwöhnen (Selbständigkeit), sollte es Orte für gleichermaßen Kinder UND Eltern geben (auf freiwilliger Basis). Ein offener Ort für Austausch, Aktivitäten, Beratung, und vieles mehr. Eltern kämen miteinander in Kontakt und könnten sich gegenseitig unterstützen.

Kinder hätten gleichaltrige zum Spielen, und gleichzeitig vieleAnspre chpersonen.

Naja, du kannst Dir den Gedanken im Kopf weiterspinnen. :-)

Lieber Gruß,
Isla

Das erste Mal, als ich mit dem Begriff Homeschooling konfrontiert wurde, passiert etwa vor einem Jahr. Zuvor begegnete mir das Thema nur flüchtig in Form der gängigen Klischees, die uns meist in Berichterstattungen ins Auge springen, nämlich daß Eltern, die ihre Kinder zu Hause unterrichten religiöse Fanatiker sind, die Kreationismus predigen und sich gegen Sexualkundeunterricht aussprechen. Die Freundin, die mir davon berichtete passte aber in keinster Weise in dieses Vorurteil, denn sie war gebildet und wirkte in ihrem Handeln sehr bedacht. So sah ich dies als Anlaß mir die Gründe für eine unbeschulte Kindheit genauer anzuschauen. Die Kontraseite war mir ja allzu bekannt, denn sie beherrscht ja das übliche Meinungsbild, aber ich konnte mir schwer vorstellen, was es für andere Gründe Pro-Unbeschult geben sollte, außer das Kind von der Gesellschaft fern zu halten und ihm ein ein festes, beengendes Weltbild zu vermitteln, frei von Selbstentfaltung.

Ich begann mit dem Buch „Wie kleine Kinder schlau werden“ von John Holt, dessen Titel eine miserable Übersetzung aus dem Englischen ist, der Originaltitel nämlich lautet „How children learn“. Allein der Titel wäre fast der Grund gewesen mir dieses wundervolle Buch nicht durchzulesen, aber was sich mir dann dort eröffnete, war die Erkenntnis, wie Kinder mit vollstem Interesse alles in ihrer Umwelt in sich aufsaugen, wie sie mit jedem Atemzug die Welt um sich herum aus freien Stücken erforschen, ohne daß auch nur ein Lehrer sie dazu veranlasst hat. Dies dauert leider oft nur an bis sie in die Schule kommen, vielleicht hält die sogar Energie noch eine Weile, jedoch verebbt die Freude am Erkunden von allem Greifbarem Stück für Stück. Dieses Buch musste ich erst langsam in mir wirken lassen und weil ich Mutter eines zweijährigen Jungen bin, fing ich an sein Verhalten aus einer anderen Perspektive heraus wahr zu nehmen. Zuvor erschien mir sein Umgang mit der Umwelt eher als lästig, weil es viel meiner Zeit in Anspruch nahm, es gelang mir jedoch bis dato nicht wirklich die Perspektive zu wechseln und wirklich zu verstehen, was sein Tun für ihn selbst bedeutet.

Das erste Argument gegen Homeschooling hielt also nach näherer Betrachtung in keinster Weise stand, denn Lernen offenbarte sich plötzlich in jeder Handlung. Er fordert mich von sich aus auf, Bücher zu lesen, bittet mich darum Dinge zu benennen oder zu erklären. Sein Wesen ist so voller Wissbegierde, daß ich mir mittlerweile in keinster Weise mehr Gedanken mache, ob er denn Lesen, Rechnen oder Schreiben lernt.

Ich begann zu lesen und zu lesen. Buch reihte sich an Buch und so zerfielen die Argumente eins nach dem anderen.

Das zweite Argument, daß Kinder in der Schule Disziplin erlernen sollen, widerstrebte mir von vornherein, denn ich erinnere mich oft an meiner eigene Kindheit, wie verletzend es war, wenn Menschen meine Freiheit beschnitten, die oft angefüllt war mir Interesse und positiven Intentionen, nur im Namen einer Erziehungsmaxime. Disziplin habe ich bis heute nicht und dabei war die Atmosphäre meiner Kindheit davon getränkt.

Auch das Argument, daß die Kinder auf den Ernst des Lebens in der Schule vorbereitet werden sollen, galt in meinen Augen nicht, denn was soll dagegen sprechen, daß sich ein Kind seinen Lebensweg selbst formt?

Es bliebt mir noch eine allerletzte Bastion, die es zu erobern galt und diese stellte sich als die allerschwerste heraus: Die Frage, wie denn ein Kind lernt in der Gemeinschaft zu leben, sich zu sozialisieren.

Und so kam es zu folgendem Austausch mit einer befreundeten Mutter:

Liebe Isla,

ein Argument für Beschulung, das auch bei mir lange gezogen hat, ist ja immer wieder die Sozialisierung. Kinder müssen in die Schule, weil sie ja sonst nicht lernen mit anderen Menschen umzugehen. Ja, klingt logisch, dachte ich erst, denn dort ist alleine das Argument aufgrund der Quantität der Menschen, die aufeinander trifft überzeugend. Jetzt ist fünf Uhr Nachts und ich kann nicht schlafen, weil mich ein Gedanke nicht mehr los läßt.

Mein Hintergrund basiert immer wieder auf Alice Millers Erkenntnissen, mit besonderer Faszination, wie nahezu identisch unreflektierte Erlebnisse, von uns als Erwachsenen reproduziert werden, ganz besonders an unsere Kinder weiter gegeben werden. Ich hatte mir da schon einige Zeit Gedanken zu meiner eigenen Sozialisation gemacht - gar nicht um zu Jammern, oder ähnliches, einfach als Beobachtungsaspekt.

Aufgewachsen bin ich in einem kleinen Dorf ohne nahezu Gleichaltrige, oder auch nur annähernd interessante Spielgefährten. Ich weiß noch nicht einmal, ob das den Effekt verstärkt oder nicht, oder ob es an sich recht unwichtig ist. Jedoch fiel mir gerade heute Nacht auf, wie absolut prägend das Bild war, das mir meine Eltern als sozial agierende Person vermittelt haben. Wie quasi das Urteil von ihnen zu DEM Bestimmungsfaktor für die Form der sozialen Interaktion überhaupt wurde. Also etwa eine selbsterfüllende Prophezeihung.

In allererster Linie spielt natürlich die Interaktion mit den Eltern eine Rolle, so wie diese sich dem Kind gegenüber verhalten, so verhält sich das Kind auch anderen gegenüber. A La “Das kompetente Kind” von Jesper Juul.

Ganz grob also, wir - was wir ja nicht machen, aber als Beispiel - wir Klopfen dem Kind auf die Finger, oder Schlagen es, was tut das Kindin seinem nächsten Umfeld? Es hat für sich diese Art des Umgangs im praktischen als die richtige gelernt und wendet sie bei Gleichaltrigen oder Jüngeren an - von älteren erwartet es vermutlich ähnliche Reaktionen, wie die Eltern sie bieten. Das Kind wählt also auch eine vehemente Form, sich von Unliebsamen zu befreien, weil das mit dem auf die Finger klopfen jetzt im Umgang mit anderen Kindern nicht so ganz nahe liegt, schubbst das Kind die anderen oder haut sie. Die Reaktion der Eltern im Allgemeinen: Sie schelten das Kind und brennen somit ein Stück weit mehr das Selbstbild in das Kind “Ich bin falsch, denn meine Eltern dürfen etwas an mir praktizieren, was ich an anderen nicht umsetzen darf, also muß der Fehler bei mir liegen.”

Ich beschreibe mich hier mal als pathologisches Fallbeispiel. Eltern reproduzieren unreflektiert die eigenen Kindheit, die sehr traumatisch war, lassen jedoch größtenteils physische Bestrafung weg. So werden die Abneigungen, die sie selbst erlebt haben projiziert plus der Aspekt, daß der Umkehreffekt dazu kommt, soll heißen, daß die Eltern unliebsame Teile der ja nicht hinterfragten eigenen Eltern auf das Kind übertragen werden, weil es für ein unterdrücktes Kind niemals sein dürfte die Eltern als fehlerhaft zu sehen.

Kind wird also im Verhalten negativ bewertet, gibt Erlebtes weiter, wird in seinem Sozialisierungsversuch negativ bewertet und so bildet sich das Bild, wie das Kind auf andere wirkt. Das ist natürlich nicht der ausschließliche Faktor, denn in einer gesunden Familie, kann das Kind sich die Freiheit nehmen selbst zu sehen, in einer autoritären Familie jedoch wird es gesehen. Was nicht heißt, daß es nicht auch dort selbst Beobachtungen anstellt, diese jedoch müssen zugunsten der übermächtigen Erwachsenen untergeordnet werden.

So kommt es dann auch zu der Spirale, daß wir uns immer wieder Menschen aussuchen, mit denen wir die gleichen Konflikte haben, die im Verhalten die gleichen Eigenarten aufzeigen, wie die Eltern, oder eben das näheste Umfeld - solange wir uns nicht erlauben das Verhalten der eigenen Eltern zu hinterfragen. Wir gehen raus und die Menschen reagieren alle ähnlich auf uns.

Beispielsweise hatte sich in mich das Selbstbild eingebrannt, nahezu monströs zu sein, bösartig, schlecht, auf keinen Fall liebenswert, das hatte ich immer im Hinterkopf bei Begegnungen mit anderen Menschen.  Vor allem eben die Angst, mein Gegenüber könnte meine Schlechtigkeit durchschauen und genau aber, weil ich vor allem durch meine Körpersprache und die Art der Konversation dieses Bild mit jeder Zelle spiegelte, reagierte dann auch meine Umwelt so auf mich. Die Reaktionen des Gegenübers waren entsprechend dem, wie ich es erwartete. Sprich, weil ich mich klein und häßlich machen ließ und machte, wurde ich von außen auch so wahrgenommen. 

Alles fiel im Prinzip wieder auf das Selbstbild durch die Eltern zurück - das mag jetzt in einer Umgebung, in der Kinder sich vielleicht natürlicher selbst erproben können, ohne eingreifende Instanz, stark abgeschwächt sein, oder vielleicht nahezu aufgehoben. Jetzt gehe ich jedoch von der Durchschnittsfamilie aus, deren Prinzip auf Beurteilung von gut und böse basiert, so präsentieren sich die Eltern schon als richtende Instanz und vermitteln gerade mit empfohlenen Erziehungsmethoden Unzufriedenheit.

Das hört sich jetzt fast ein bisschen an, wie ein Plädoyer gegen homeschooling, aber Nein, das ist es in keinster Weise, sondern vielmehr wollte ich damit aufzeigen, wie grundlegend wichtig das respektvolle Miteinander in der Familie für das Selbstbild nach außen ist und zusätzlich, wie wenig ich dadurch glaube, daß Schule als Sozialisierungsfaktor in Frage kommt. Letztenendes läuft sogar die Art, wie man Bekanntschaften, Freundschaften und Beziehungen knüpft und umsetzt auf diesen Aspekt hinaus, so daß sich gleichzeitig die Zweifel, ob denn mein Sohn überhaupt Freundschaften schließen kann, wenn er nicht in die Schule geht, beginnen aufzulösen.

Leider gelingt es mir nie so recht konzentriert eine Linie zu halten, um schlüssig zu argumentieren, aber ich glaube das Wesentliche ist mir doch gelungen und es würden mich brennend Deine Meinungen dazu interessieren!!!

Liebe Grüße

Bea (Wilde Blume)

*Anmerkung:  diese Artikel habe ich auch bei Genügsames Leben gepostet.

Was ich sehe, sind zwei Philosophien, die scheinen, ständig im Krieg zu sein:

1) die Bedürfnisse der Vielen überwiegen die Bedürfnisse der Wenigen oder des Einzelnen.

2) die Bedürfnisse des Einzelnen überwiegen die Bedürfnisse der Vielen.

Diese Schlacht ist nicht notwendig. Wir können 1) erreichen, indem wir uns 2) zu eigen machen. Ich behaupte, daß der Versuch ausschließlich Idee 1 in der Gesellschaft anzuwenden (etwa in der Schule?!) tatsächlich die Binde- und kooperative Natur der Gesellschaft zerstören würde. Die Zwangsumwandlung der freien Einzelpersonen in eine gefällige, nichts-in-frage-stellende Bevölkerung dient nicht die besten Interessen von den Vielen, denn wo ist dann Kreativität, Freude und Innovation?

Nur wenn wir die Freiheit haben, daß zu lernen was wir wollen, dem nachzugehen, was uns interessiert, werden wir effektiv die Bedürfnisse der Gesellschaft dienen, und folglich wird die Gesellschaft dadurch angereichert und erweitert. In der Suche nach Spock, als Kapitän Kirk, der die Vereinigung widersetzte, um Spock zu retten, setzte er die Bedürfnisse seines Freunds über die Seinen. Aber die Bedürfnisse Spocks waren seine Bedürfniss, denn er hätte nicht mit sich selbst leben können, hätte er nicht versucht seinen Freund Spock zu retten. Die Verfolgung schöpfte aller Tapferkeit und Kreativität der Mannschaft, die sich freiwillig an der Suche beteiligte und dadurch in ihrem Zweck vereinheitlicht wurden. Selbstverständlich waren sie erfolgreich, das sehen wir an die weiteren Star Treck Folgen!

Als Erzieher unsere Kinder erlauben wir uns die Freiheit, sie die Welt als eine wunderbare Ort zu sehen: um Forschungen anzustellen, Entdeckungen zu machen und das Leben verstehen zu lernen. Sie sind in der realen Welt jeden Tag und erfahren das Leben, wie es gelebt werden soll. Wir können ihnen zeigen, wie man die Gesellschaft dient (Macrowelt) durch das Erlernen und Erleben des Dienens zuerst in ihren unmittelbaren Umfeld, bei uns, zu Hause (Microwelt). Sie sind frei, ihre Interessen nachzugehen und ihre Neugierde zu stillen, worin liegen die Schlüssel zur Kreativität und Erfindungsgeist. Wir dienen die Gesellschaft, in dem wir die Bedürfnisse der Wenigen –oder gar des Einzelnen– nachgehen.

Der Tatsache das dieses soziale Lernen zu Hause stattfindet muß man sich bewusst werden lassen. Hier lernen unsere Kinder: generationsübergreifende und gesellschaftstauglich in einer Umgebung voller Annahme und Geborgenheit. Und wenn Disziplin, Korrektur, Zurechtweisung nötig sein sollte, dann geschieht dies eben auch durch Menschen, die diese Kinder nicht nur lieben, sondern, die dieses Kind über die Stunde, den Tag, die Woche, ja über das Schuljahr hinaus begleiten. Ich will damit sagen: Eltern haben eine tiefe Interesse daran, zu sehen, dass Kinder gedeihen, lernen und sich weiter entwickeln. Sie haben diese Interesse, zum einen, weil die Kinder eine natürliche Fortsetzung sich selbst sind, zum anderen haben sie diese Verantwortung, denn “Eltern haften für ihre Kinder”.

In jeder Institution (Schule, Kiga, Hort usw.), mögen da so viele engagierte, nette Menschen arbeiten, kann es nur eine schwache Abbild der herkömmliche Familie geben. Zu häufig sind Kinder überwiegend der Gesellschaft ihres Gleichen für zu viel Zeit des Tages überlassen. Die Möglichkeit, seine eigene Interesse nachzugehen in einer Umgebung der Geborgenheit ist nahezu unmöglich. Es herrscht Regel 1, die Bedürfnisse der Vielen überstimmen die Bedürfnisse des Einzelnen. Es mag eventuell wenige Lehrer geben, die aus dieser Situation eine annähernde gesunde Klima schaffen, um ein optimales, selbst bestimmtes Lernen zu ermöglichen. Aber allzu oft herrschen in der Schule andere Mächte: Lehrplanmacht, Zensuren, Klassengrößen von über 20 Kinder (das wäre eine kleine Klasse!). Dabei habe ich solche unangenehme Tendenzen nicht erwähnt, wie etwa Mobbing (unter Schüler wie auch unter Kollegen), Gruppenzwang (ebenfalls unter Schüler sowie Kollegen)…

Im Namen der Integration, im Namen der Bildung und im Namen der Sozialisation von Kinder werden sie verpflichtet (!), in Schulen zu gehen, um gesellschaftstauglich zu werden. Das da nicht optimale Arbeit geleistet wird, braucht man lediglich die Zeitung aufzuschlagen; mit den Unternehmer zu reden, die beklagen, dass es keine besondere Auslese unter den vielen “erfolgreiche” Schulabgänger zu finden sind. Und die Zahl der nicht “erfolgreichen” Schulabgänger steigt stets.

In einem Klassenzimmer ist die Primärfunktion des Lehrers die Massensteuerung. Gleichabhängigkeit hält die Herde zusammen: das ist das Positive an Gruppenzwang! Das Außerordentliche wird als Unannehmlichkeit angesehen, besonders wenn sie nicht auf dem Schulekalender oder in den Lehrplänen ist. Das Einverständnis wird erwartet: unabhängig von der Situation und wer das Material, die Umsetzung, das Ziel in Frage stellt, wird als Unruhestifter betrachtet. Das Lernen findet in 3/4 Stundentakt statt. Dies geschieht im Namen des Förderns der Gesellschaft, der Zufriedenheit der Bedürfnisse von den Vielen, durch das Ignorieren der Bedürfnisse von den Wenigen oder des Einzelnen.

Diese, m.E. verkehrte Denkweise verfolgt die Bundesregierung. Ich zitiere aus der Antwort auf Frau Frau Volkmanns Anfrage: Warum ist Heimunterricht nicht möglich?

[Der Erziehungsauftrag des Staates] richtet sich auch auf die Heranbildung verantwortlicher Staatsbürger, die verantwortungsbewusst an den demokratischen Prozessen in einer pluralistischen Gesellschaft teilhaben. Die Offenheit für ein breites Spektrum von Meinungen und Auffassungen ist konstitutive Voraussetzung einer öffentlichen Schule in einem freiheitlich-demokratischen Gemeinwesen.

Bedauerlicherweise sehe ich durch die Strukturen, die Schulen im Allgemeinen haben, gibt es nicht viel Spielraum, damit Kinder entdecken und umsetzten können, wenn es darum gehen soll, “verantwortungsbewusst an den demokratischen Prozessen in einer pluralistischen Gesellschaft teilhaben”: Sie haben keine Mitbestimmungsrecht über ihren schulischen Alltag. Es wird vom Staat her gesagt, wann sie da sein müssen, welche Fächer, in welche Reihenfolge, in welcher Intensität, begrenzt auf 45 Minuten Takt, wann sie Hunger verspüren dürfen, wann sie ihr Bewegungsdrang für ganze 10 Minuten nachgehen dürfen. Das Lerntempo wird höchstens von den Vielen gelenkt, meistens aber von den Einzelnen, hier ist selbstverständlich von der Lehrer die Rede!

Ferner heißt es:

Die allgemeine Schulpflicht dient dem legitimen Ziel der Durchsetzung des staatlichen Erziehungsauftrags. Dieser Auftrag richtet sich nicht nur auf die Vermittlung von Wissen und die Erziehung zu einer selbstverantwortlichen Persönlichkeit.

Merkwürdigerweise herrscht die Meinung, man könne unter Fremdbestimmung (wie sie einfach durch festgelegte Lehrpläne durchgesetzt wird) lernen, ein selbstverantwortliche Persönlichkeit zu werden.

Meine Zusammenfassung ist, daß wir eine dynamische, emporkommende Gesellschaft erst und nur dann entwickeln werden, wenn wir von der Gedanke des kollektiven Lernen und Leben aufgeben und zu eine Familien orientierten Leben, Lernen und Bildung zurückfinden. Das, meine liebe Leserin, mein lieber Leser, wäre ein Familien freundliches Deutschland!

Wie siehst du diese Sachlage?

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