Hier wird auf eine Aktion hingewiesen, der ich viele Unterstützer und Unterzeichner wünsche!

Nachfolgend ein Abschnitt aus einem Rundschreiben von Jörg Großelümern, Netzwerk Bildungsfreiheit, zur Ankündigung eines Offenen Briefes an Bundesbildungsministerin Schavan, und der Offene Brief, der auf der Website des Netzwerkes Bildungsfreiheit noch unterzeichnet werden kann:

Liebe Freunde der Bildungsfreiheit,

die Bundesregierung hat vor einigen Wochen einen Bildungsgipfel angeregt. Aus diesem Anlaß, sowie zum 70. Jahrestag des deutschen Schulzwangs, ist bei uns im Netzwerk durch Dagmar Neubronner die Idee entstanden, einen offenen Brief an Bundesbildungsministerin Frau Dr. Annette Schavan zu verfassen, der neben dem NBF auch von einer möglichst breiten Anzahl an Unterstützern unterschrieben werden sollte. Darin wird kritisch nachgefragt, warum einzig in Deutschland außerschulische Bildungsformen unterdrückt werden. Dieser Brief ist heute per Post an Frau Dr. Schavan abgeschickt worden. Wir konnten bei dieser Gelegenheit auch schon eine ganze Reihe von Erstunterzeichnern dafür gewinnen.

Wir dokumentieren diesen Brief und die Erstunterzeichner auf der folgenden Website: http://www.netzwerk-bildungsfreiheit.de/html/offener_brief_schavan.html
Dort ist auch die Möglichkeit, den Brief nachträglich zu unterzeichnen und damit seine Unterstützung zum Ausdruck zu bringen.

Offener Brief:

Bundesministerium für Bildung und Forschung
Frau Ministerin
Dr. Annette Schavan
-persönlich-
Hannoversche Straße 28-30
10115 Berlin

Sehr geehrte Frau Ministerin,

anlässlich des von Ihnen vorbereiteten Bildungsgipfels möchten wir mit vielen anderen betroffenen Familien auf eine Besonderheit des deutschen Schulsystems hinweisen, die in der öffentlichen Debatte um die Schulmisere bisher zuwenig Berücksichtigung findet:
In Deutschland wird die Schulpflicht seit 1938 als Schulzwang aufgefasst, der keine Bildungsalternativen zulässt. Dieses Instrument, bei dem alle Kinder und Jugendlichen dem Zwang zur physischen Anwesenheit in einem Schulgebäude unterliegen, trägt modernen Bildungserfordernissen in einer Informationsgesellschaft nicht mehr Rechnung und verhindert durch das staatliche Bildungsmonopol die notwendige schnelle Wandlung der Bildungsangebote.

In sämtlichen anderen europäischen Ländern und fast allen entwickelten Staaten weltweit (!) steht Schülern neben den privaten Schulen auch die Möglichkeit des „Distance Learning“ oder Freien Lernens mit Hilfe von Fernschulen und „Umbrella Schools“ zu Gebote. Diese Möglichkeit ist besonders angesichts zunehmend verlangter Mobilität für viele Familien wichtig. Deutsche Kinder haben diese Option aber nur, wenn sie im Ausland leben, prominent sind (siehe Brüder Kaulitz von der Jugendband Tokio Hotel) oder schulisch bereits vollkommen gescheitert (Flex-Fernschule in Baden-Württemberg oder Web-Individualschule in Bochum, Erfolgsquote 100 %).

Eine Erweiterung des Bildungsangebotes in Deutschland um diese modifizierte Form der Schulpflichterfüllung würde nicht nur diesen Familien helfen, die derzeit leider meist gezwungen sind, wie wir ins Ausland abzuwandern. Sie würde auch einen gesunden Konkurrenzdruck erzeugen und so mithelfen, unser Schulen schnell zu Orten zu machen, an denen gut und gerne gelernt wird. Ein Monopol hat noch nie zur Qualitätserhöhung beigetragen.

Die hervorragenden Ergebnisse des Freilernens für Lernen und Sozialisation können anhand zahlreicher Studien aus verschiedenen Ländern (außer Deutschland) eindeutig belegt werden. Die ungerechtfertigte Kriminalisierung des Freilernens führt nicht zu einem Eindämmen dieser erfolgreichen Lernform, sondern zu einer Abwanderung der an dieser Lernform interessierten Familien ins Ausland.

Wir haben den Eindruck, dass der Widerstand der Landesbehörden hauptsächlich auf Unkenntnis über die internationale Lage und unhaltbare Vorurteile über die Folgen einer Legalisierung zurückgeht. Dies möchten wir gern ändern und bitten Sie daher, uns anlässlich des Bildungsgipfels und im Vorfeld die Möglichkeit dazu zu geben.

Wir freuen uns auf Ihre Antwort.

Mit freundlichen Grüßen

Dagmar Neubronner / Diplom Biologin und Buchautorin „Die Freilerner“
Kuratorium Netzwerk Bildungsfreiheit

(und weitere Erstunterzeichner)

Ein Artikel aus NEUES DEUTSCHLAND, in der Printausgabe vom 17.03. zum Thema Homeschooling.

Letzte Konsequenz: Homeschooling

Die Schulpflicht erlaubt nur Ausnahmen, aber manche Eltern nehmen die Bildung ihrer Kinder selbst in die Hand

Von Tom Mustroph

 

Das deutsche Schulsystem löst Verunsicherung aus. Bildungspolitiker streiten über Schulsysteme, Bildungsexperten über Formen und Methoden. Eltern und Schüler sind aufgefordert, sich um die bestmöglichen Bildungschancen zu bemühen, sind aber tendenziell überfordert, die richtige Schule für ihre Kinder auszuwählen. Eine Konsequenz, die Eltern aus dieser Malaise ziehen, ist, die Sache der Bildung selbst in die Hand zu nehmen.

In Form der Mitarbeit bei Schulvereinen oder gar der Mitarbeit bei Schulgründungsvereinen unternehmen sie das häufig. Doch aus Sicht mancher Eltern sind auch hier Beharrungsmomente und Widerstände so groß oder die materiellen Möglichkeiten so begrenzt, dass sie den Weg der eigenverantwortlichen Bildung ihrer Kinder mit allerletzter Konsequenz gehen. Das bedeutet dann Homeschooling.

In der Bundesrepublik Deutschland ist das gesetzlich verboten. Nur Ausnahmen sind erlaubt. Bei langer Krankheit etwa dürfen Kinder zu Hause den Stoff halber Schuljahre nachholen. Eltern, die in einem Land arbeiten, in dem keine adäquate Schule zu finden ist, wird gestattet, den Unterricht ihrer Kinder zu Hause zu organisieren. Dabei gelten die deutschen Rahmenpläne. Doch auch über diesen Personenkreis hinaus betreiben Eltern in Deutschland Homeschooling. Zu einem Teil sind dies Eltern, die aus religiösen Gründen (es handelt sich meist um Christen) mit einem Teil des Schulstoffes nicht einverstanden sind. Es häuft sich aber auch die Zahl der Eltern, die wegen der Mängel der Schulen den Unterricht lieber selbst übernehmen wollen.

Carola Winter ist eine von ihnen. Die studierte Molekularbiologin hat ihren Sohn Max vor zwei Jahren wegen des häufigen Unterrichtsausfalls aus der ersten Klasse einer Grundschule genommen und zu Hause unterrichtet. In der oberen Etage des Einfamilienhauses im Grunewald ist eine Schulecke eingerichtet. Ein Schreibtisch steht dort, Lehrmaterialien sind in Fächern geordnet, Landkarten hängen an der Wand. Nicht immer fand der Unterricht hier statt. Manchmal sind Mutter und Sohn ins benachbarte Kinderzimmer gewechselt, manchmal sind sie in den Garten gegangen. Der Unterricht begann zwischen 8 Uhr und 8.30 Uhr, nachdem der Vater, ein Musiker, das Haus verlassen hatte und zur Arbeit gegangen war.

Ungefähr 90 Minuten haben sich die beiden mit den viel Konzentration erfordernden Aufgaben beschäftigt. Danach gab es eine lange Pause und dann waren, ebenfalls ungefähr 90 Minuten lang, sinnlichere Fächer wie Sachkunde an der Reihe. Die werden oft als Projektarbeit gestaltet. Max hat sich ein Thema ausgesucht, dazu recherchiert und das Wissen in einem Vortrag gebündelt.

An manchen Tagen haben die beiden im Garten Fangen gespielt. Eine Musikerin bringt dem Jungen Klavier- und Gitarrespiel bei. Am Nachmittag geht er mit Freunden zum Reiten und zu einem Töpferkurs. Oft kommen die Freunde auch ins Haus, so dass er Kontakt mit Gleichaltrigen hat. Einmal die Woche besucht er einen Hochbegabtenkurs für Biologie und Chemie. Freitags ist der Exkursionstag. Da ging es zum Beispiel in die Domäne Dahlem, um auf einer alten Waage Maße und Gewichte anschaulich zu machen oder ins KaDeWe, als dort ein Aussteller Kinder in avancierte Legotechnik eingeführt hatte.

Die bisherige Bilanz sieht aus Perspektive von Carola Winter positiv aus: »Wir haben festgestellt, dass wir viel schneller durch den Stoff kommen. Wir brauchen ungefähr ein Drittel der Zeit«, sagt sie. Orientierungspunkt waren die Berliner Rahmenpläne. »Über das Netzwerk Homeschooling, in dem auch einige an staatlichen Schulen angestellte Pädagogen mitarbeiten, sind wir an die Lehrerhandbücher gekommen. Die sind übersichtlich aufgebaut. Jede Schulbuchseite ist darin erklärt und es werden Vorschläge für Übungen und die Häufigkeit der Wiederholungen gemacht«, erklärt sie. Am Anfang hatte sie wegen der Schnelligkeit von Max befürchtet, dass er nur oberflächlich gelernt hatte. »Aber dann hatte ich mich überzeugt, dass das Wissen auch sitzt. Bei zuviel Wiederholungen hat sich Max gelangweilt. Also sind wir weitergegangen.«

In zweieinhalb Jahren Hausschule haben die beiden dreieinhalb Schuljahre absolviert. Auch sozial sieht sie Vorteile in ihrer Schulwahl. »Der Kontakt zum Kind intensiviert sich. Man weiß viel besser, womit es sich beschäftigt.« Max, zum Vergleich von Regelschule und Hausschule befragt, gibt der familiären Variante den Vorzug. »Es macht mehr Spaß. Ich lerne mehr«, sagt er. Dass seine Mutter nun die absolute Zentralgestalt seines Lebens ist, scheint den 9-Jährigen nicht zu stören. Gegenwärtig geht er allerdings wieder in die vierte Klasse einer Grundschule. »Wir hatten uns bemüht, für die Aufnahme ins Gymnasium eine externe Prüfung ablegen zu dürfen. Aber das wurde uns nicht gestattet«, erzählt die Mutter. Zugangsberechtigung für das Gymnasium ist das Halbjahreszeugnis der vierten Klasse.

Carola Winter ist keine dogmatische Hausschulverfechterin. Ihren jüngeren Sohn Martin hat sie im Herbst in die erste Klasse eingeschult. »Im Kindergarten war so viel Vorfreude auf die Schule erzeugt worden, dass ich ihm diese Erfahrung nicht nehmen wollte«, erklärt sie. Sie bedauert diese Art der Konditionierung für das Schulsystem ein wenig, richtet sich aber nach den Wünschen des Kindes.

Homeschooling in Deutschland ist mit einem gewissen Risiko behaftet. Weil es formal nicht erlaubt ist – es besteht Schulpflicht – werden Eltern manchmal geduldet, manchmal aber auch von staatlichen Stellen verfolgt. Die Homeschoolingszene weiß von Gerichtsverfahren und angedrohten Gefängnisstrafen zu erzählen. Carola Winter hat von Familien gehört, die es aus diesem Grunde vorgezogen haben, auszuwandern.

In anderen Ländern ist Homeschooling erlaubt. In den USA werden laut amtlicher Statistik 2,2 Prozent der Kinder zu Hause unterrichtet, das betrifft 1,1 Millionen Kinder (Stand 2003). In Großbritannien geht man von 50 000, in Australien von 20 000 Kindern aus. Außer der großen Gruppe religiös divergenter Eltern (40 Prozent der Homeschooling-Eltern in den USA haben sich aus religiösen Gründen dafür entschieden) gehören viele der Eltern, die Homeschooling wagen, den so genannten bildungsnahen Schichten an. Sie wollen ihren Kindern einen besseren Start ins Leben ermöglichen.

Für Homeschooling im Grundschulalter gibt es viele gute Gründe. Die Leistung von Grundschülern ist weniger vom Schulsystem als von der Intensität der Betreuung und Zuwendung abhängig, legen aktuelle Studien nahe. Engagierte Eltern können sich den Grundschulstoff wohl auch leichter erarbeiten. Mit einer ausgebildeten Grundschullehrerin will sich Carola Winter dennoch nicht vergleichen. »Ich kann mein Kind unterrichten. Für den Unterricht einer ganzen Klasse sind ganz andere pädagogische Fähigkeiten notwendig«, sagt sie klipp und klar. Von einer befreundeten Familie in den USA weiß sie, dass Homeschooling auch in höheren Klassenstufen erfolgreich sein kann. »Je höher die Klasse, desto mehr wird auf das eigenständige Erarbeiten gesetzt. Dennoch beschäftigt sich auch die Mutter mit dem Schulstoff und kann das Lernpensum in die richtigen Bahnen lenken«, hat sie erfahren.

Für bildungsnahe Eltern kann Homeschooling durchaus zur Alternative werden. Allerdings müsste sich da zuerst die deutsche Rechtssprechung von der Schulpflicht hin zur Pflicht auf Bildung verändern. Die Bildungspflicht wiederum gäbe Eltern die Möglichkeit, von den Schulen adäquate Leistung zu verlangen. Außerdem müsste die Schulaufsicht auch eine fachliche Kontrolle der Homeschoolingfamilien gewährleisten. Carola Winter wäre damit vollauf einverstanden.

Gegen die Umwandlung der Schulpflicht in eine Bildungspflicht spricht lediglich, dass die Schulfreiheit Tendenzen zur Parallelgesellschaft verstärken könnte. Schule als Instrument zur Zwangsassimilation wäre allerdings ein missverstandener Bildungsauftrag.

*Wiederholung der Sendung vom 31. März:

Montag, 31. März, 1.45 Uhr (NDR)
Dienstag, 1. April, 9.40 Uhr (MDR)
Dienstag, 1. April, 0.20 Uhr (rbb)
Freitag, 4. April, 10.15 Uhr (3sat)
Samstag, 5. April, 7.15 Uhr (hr-fernsehen)
 

Die Gäste der nächsten Sendung am 31.03.2008, 22.45 Uhr DasErste

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Dagmar und Tilman Neubronner

(Bremer Eltern, die gegen die gesetzliche Schulpflicht kämpfen und ihre Söhne zu Hause unterrichten)

Sie sind Deutschlands bekannteste “Homeschooling”-Familie. Seit zweieinhalb Jahren entziehen Dagmar und Tilman Neubronner ihre Söhne der gesetzlichen Schulpflicht und unterrichten Thomas (8) und Moritz (10) zu Hause.

Die Bremer wehren sich nicht aus Prinzip gegen das staatliche Schulsystem, sondern wollen nach eigenen Angaben lediglich ihre Kinder nicht gegen deren Willen zum Schulbesuch zwingen. Nun liegen sie deshalb im Clinch mit den Behörden: Ein Antrag auf Schulpflichtbefreiung wurde abgelehnt, die Familie flüchtete aus Angst vor Sorgerechtsentzug sogar ins Ausland.

Jetzt sprechen Dagmar und Tilman Neubronner bei “Beckmann” über ihre ungewöhnlichen Lehrmethoden und erklären, warum sie “Homeschooling” als Alternative zum Klassenzimmer sehen.

Wenn das nicht gute Nachrichten sind…

Die pädagogische Revolution hat begonnen. Von Christian Füller

Glaubt man, das sowas in Deutschland passiert?

In einem dieser 400 Quadratmeter weiten Areale treffen die Besucher nun zum Beispiel Lisa und Marie. Die beiden sechsjährigen Mädchen arbeiten gerade an ihrem Wochenplan - ganz allein. Eine Lehrerin ist zunächst nicht zu sehen. Nach und nach sind 80 Schüler zu entdecken. Auf einer Tribüne sitzen ein paar Schüler, die sich in Büchern vertieft haben. In einer Ecke ruht ein Mädchen sogar, auf Kissen gebettet. Hinter einem Raumteiler steht schließlich doch eine Lehrerin vor einer größeren Gruppe von Schülern und erklärt etwas. Wenn Gäste verwundert fragen, wo hier eigentlich gelernt wird, dann tippt sich Rektor Tlustek gern mal man an die Stirn: “Hier oben, im Kopf.”

Also, eine nicht alltägliche Artikel über unkonventionelle aber längst überfällige Schulreforme… lesenswert!

Ob es allerdings soweit kommt, dass Familien dieses Recht auf Freies Lernen zugestanden wird, bleibt noch offen….

Geben nicht hunderttausende Abiturienten und Studenten IRGENDWELCHER Fächer in genau den Schulfächern anderen Abiturienten NACHHILFE - und zwar wohl deshalb, weil die VORMITTAGS ACH SO QUALIFIZIERTEN, beamteten Lehrkräfte dieselbe Leistung (die die Bevölkerung und Politkern Eltern nicht zutrauen mögen) millionenfach bewiesenermaßen nicht erbringen??? Lernen also nicht die MEISTEN Schülerinnen und Schüler NACHMITTAGS von Eltern oder (meist) Gleichaltrigen BESSER genau das, was “man” nur den studierten Lehrkräften zu lehren zutrauen, wo diese aber erkennbar auf der ganzen Linie versagen?

Nur einfach so eine Frage.  Ich freue mich auf eure Einsichten!

Stefan Sedlaczek
Kaiserstraße 61
53721 Siegburg, den 09.02.2008

Bundeskanzlerin Angela Merkel
Bundeskanzleramt
Willy-Brandt-Straße 1
10557 Berlin

Verstaatlichtes Schulwesen als Bildungsmonopol für junge Menschen

Sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

ob der Grundsätzlichkeit und Wichtigkeit des Themas ist es ja möglich, daß Sie die Anfrage von Frau Volkmann auf www.direktzurkanzlerin.de persönlich zu Gesicht bekommen haben.

Die Antwort des Presse- und Informationsamtes der Bundesrepublik legt andererseits nahe, daß dies nicht geschehen ist. Ich erlaube mir daher Ihnen meine Antwort darauf persönlich zu übersenden. Sie finden diese anliegend.

Sie stellen auf Ihrer Website dar, daß es Ihre Überzeugung ist, “ein hohes Maß an Veränderungsbereitschaft und Flexibilität” aufzubringen und äußern weiterhin:

“Es gehört zu meinen festen Überzeugungen, dass nicht der Staat, sondern immer der einzelne Mensch in seiner unveräußerlichen Würde, in seiner Einzigartigkeit, aber auch in seiner Fehlbarkeit, im Mittelpunkt unseres Handelns stehen muss, und zwar vom Anfang seines Lebens bis zum Ende.”

Nichts davon findet sich für junge Familien und die jungen Menschen, die in staatlich monopolisierte Schulen genötigt und gezwungen werden - nicht um sich zu bilden, sondern damit diese dort unterrichtet und staatlich geformt werden. Jungen Menschen steht nicht - wie Erwachsenen - ein einigermaßen freier und auch privater Bildungmarkt offen, sie haben von Staats wegen gefälligst in Gleichaltrigenanstalten ghettoisiert zu werden, wo Ihnen reife und erwachsene Vorbilder fast völlig fehlen. Die beste Schule ist das Leben, heißt es seit Jahrhunderten. Nur wir reißen die jungen Leute aus diesem heraus - demnächst auch noch ganztägig und noch früher. Diese Problematik ist nicht nur Ländersache, sondern berührt grundlegende Menschenrechte, an deren Einhaltung die Bundesrepublik Deutschland gebunden ist.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Sedlaczek
Diplom-Verwaltungswirt

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Stefan Sedlaczek
Kaiserstraße 61
53721 Siegburg, den 09.02.2008

An das
Presse- und Informationsamt der Bundesregierung
Dorotheenstraße 84
10117 Berlin

informationshalber auch an:
Direkt zur Kanzlerin!

Arnimallee 14
14195 Berlin

Ihre Antwort zur Anfrage von Frau Volkmann zum Thema Heimunterricht

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich beziehe mich auf die hier veröffentlichte Antwort http://www.direktzu.de/kanzlerin/messages/15673 und reklamiere die schlechte Qualität derselben.

Dies bezieht sich auf Inhalt und Umfang der Antwort, aber auch darauf, daß die Darlegungen im wesentlichen unzutreffend sind. Ich erwarte von Leuten, die den Anspruch haben, andere zu regieren - auch gegen deren Willen und Mandat -, zumindest Handlungen von einer diese Herrschaft im nachhinein legitimierenden Qualität. Es ist ganz offensichtlich und mithin unbestreitbar, daß diese Anfrage großes Interesse hervorgerufen hat, wie die Besucherzahlen als auch die große Zahl an Abstimmungen belegen. Diesem offenkundigen Interesse mit ein paar lapidaren Hinweisen zu begegnen, ist nicht nur völlig unangebracht, sondern auch ausgesprochen unhöflich.

Zur Sache selbst:

Eine allgemeine Schulpflicht besteht in Deutschland ebensowenig wie anderswo, einfach deshalb, weil es keine Schulpflicht gibt. Dies habe ich vordem ausführlich hier dargelegt: http://de.liberty.li/magazine/?id=4379 und es bleibt Ihnen das Privileg, als erster dieser Darlegung argumentativ zu widersprechen. Der hehre Begriff einer Pflicht taugt in Sachen Schulbesuch nun ganz und gar nicht. Aber lesen Sie selbst.

Richtig ist, daß das Schul- und Bildungswesen nach Grundgesetz und geltenden Papiergesetzen dieser Republik im Zuständigkeitsbereich der Länder liegt. Die durch die dortigen Länder-Papiergesetze erfolgende Nötigung zum Schulbesuch und insbesondere die Anwendung tätlich-gewaltsamen Schulzwanges sind aber Menschenrechtsverletzungen, die den Bund sehr wohl etwas angehen, hat er doch zahlreiche internationale Verträge und Erklärungen durch seine Vertreter unterzeichnen lassen. Mithin ist die Bundesregierung daraus sehr wohl verpflichtet dem durch die Bundesländer postuliertem und begangenem Unrecht zu begegnen. Hier handelt es sich um eine echte Pflicht aus Vertrag und zudem gemäß ausdrücklich erklärter Selbstverpflichtungen. Da helfen dann auch keine semantischen Tricks, wie zum Beispiel den Begriff der allgemeinen Zurverfügungstellung von elementaren Bildungsangeboten kurzerhand mit Schulpflicht zu übersetzen.(1) Es zeigt aber, welcher Ungeist da in Deutschland leider Gewohnheit ist.

Auch der Verweis auf einige zitierte Passagen des deutschen Bundesverfassungsgerichtes ist fast vollständig irreführend. Zum einen hat dasselbe Gericht verschiedentlich anders für Recht erkannt(2) und zum anderen sind dort die folgenden Punkte schlichtweg falsch:

* Einen staatlichen Erziehungsauftrag gibt es nicht und kann es in einer freiheitlichen Grundordnung auch nicht geben. Er wird auch nirgendwo im Grundgesetz angeführt. Gäbe es einen solchen Auftrag, dann würde der Staat seine Bürger bilden(3) - und nicht umgekehrt. Dies wäre zutiefst undemokratisch und unbestreitbar diktatorisch. Die Bürger bilden den Staat, nicht umgekehrt.
* Eine selbstverantwortliche Persönlichkeit kann die Schule ebenfalls weder formen (dies wäre auch ein Widerspruch in sich selbst!), noch auch nur positiv darauf einwirken. Und so erklärt weder das Bundesverfassungsgericht - und auch sie nicht -, wie dies vor sich gehen soll. Darüber wird keine Silbe verloren, eben weil dies nicht möglich ist. Man kann jemanden sowenig zwingen selbstverantwortlich zu sein, wie man ihn zwingen kann, solidarisch zu sein. Das weiß man in Europa spätestens seit Thomas von Aquin.
* Und was ist an einer Gesellschaft pluralistisch, in der der Staat -zudem bürokratisch - das Schulwesen komplett monopolisiert hat, ebenso wie auch das Ausbildungs- und Qualifikationswesen. Dies ist nicht Ausdruck eines freiheitlichen Gemeinwesens, sondern schlichtweg planwirtschaftliche Platzanweisermentalität, also inakzeptable Selektion und Diktat. Und wie demokratisch, verantwortlich und pluralistisch ist ein Bildungssystem, daß Bildung für junge Menschen (in ihrer wichtigsten Lernphase!) auf Schule beschränkt, während den Erwachsenen - Gott sei Dank - ein halbwegs freier Bildungsmarkt zur Verfügung steht.
* Auch stellt sich die Frage, wie frei eigentlich Wahlen sind, wenn die Wahlberechtigten zunächst von den zu Wählenden viele Jahre lang in ihre Schulen und ihren Unterricht genötigt und gezwungen werden? Zumal ihre Karrierechancen wesentlich von deren Benotung abhängen! Eine freiheitlich-demokratische Rechtsordnung ist das ganz sicher nicht.

Wie man es nun gar unter einen Hut bringt, einerseits Pluralismus zu postulieren und andererseits “Parallelgesellschaften” zu verhindern, das hat mir auch noch keiner erklärt. Im übrigen sind dazu Schulpflicht und Schulzwang weder legitime, noch auch nur geeignete Mittel. Das ist gleich aus zweierlei unbestreitbaren Gründen ganz offensichtlich: Denn wir haben in Deutschland Schulpflicht und Schulzwang und wir haben Parallelgesellschaften. Und im zivilisierten Ausland gibt es Homeschooling - und die Homeschooler bilden eben keine Parallelgesellschaft, sondern zunehmend das Rückgrad einer Zivilisation, die ihre Kinder und deren Benehmen durch die real-existierende Beschulung und deren Nachteile beschädigt. Wenn Sie einmal auf einem Treffen von Homeschoolern sind, werden Sie den - schon eklatanten - Unterschied sofort spüren.  Dem Unterzeichner, der lange und zahlreiche Erfahrung in der Jugendarbeit hat, ist bei einer solchen Gelegenheit auch noch eine Menge mehr Positives aufgefallen.

Das Thema Integration hat natürlich seine eigene Problematik. Es ist jedenfalls unstatthaft, nun die Einheimischen in Regreß zu nehmen und ihnen deshalb ihre natürlichen Freiheiten und Rechte zu nehmen. Dasselbe gilt natürlich auch für die Zugezogenen. Zum anderen ist Integration nur in einem doch sehr engen Rahmen notwendig und Wunschdenken (egal ob “alle sollen so sein wie ich” oder Multikulti) ist hier völlig fehl am Platze.

Woher Sie dann schlußendlich die Sicherheit nehmen, daß Frau Volkmann eine geeignete Schule finden wird, erläutern Sie leider ebenfalls nicht näher(4), die Annahme aber, daß ausgerechnet das Zusammensein mit Gleichaltrigen Garant einer bestmöglichen Förderung sein soll, ist völlig abwegig. Das Vorbild erwachsener und reifer, lebensbewährter Menschen ist Kindern förderlich, nicht die gleichaltrige Peer-Group auf dem Schulhof und im Klassenraum. Lesen Sie denn nicht die neuesten Bücher(5), bekommen Sie so gar nicht die neuesten wissenschaftlichen und empirischen Erkenntnisse mit? Die durch die real-existierende Schule bedingte Gleichaltrigenorientierung steht gar im Verdacht der massenweise Auslöser der Zivilisationskrankheit Pubertät zu sein!

Ihr Umgang mit dem wohl wichtigsten Thema eines jeden Gemeinwesens, der Behandlung und Förderung der Heranwachsenden, ist offenbar unverantwortlich und ich appelliere an Sie, die Qualität Ihrer Arbeit deutlich zu verbessern.  Dann werden Sie auch zu einer anderen Sichtweise kommen und Ihre heutigen Positionen aufgeben wollen. Und dann -vielleicht - kann eine Bundesregierung den Menschen hier in Deutschland dienen. Dasselbe gilt für die Bundeskanzlerin.  Richten Sie ihr dies bitte aus.

Mit freundlichen Grüßen
gez.

Stefan Sedlaczek
Diplom-Verwaltungswirt

(1) Internationales Übereinkommen über die Rechte des Kindes vom 20.November 1989, siehe auch Broschüre “Die Rechte der Kinder” des BMFSFJ.

(2) Siehe z.B. Fritz Ossenbühl, Das elterliche Erziehungsrecht im Sinne des Grundgesetzes, Verlag Duncker & Humboldt in Berlin und auch das Goldbecher-Gutachten

(3) Allerdings erwarteten die Alliierten, allen voran die US-Amerikaner, nach dem Krieg die Umerziehung des Volkes. Heute aber machen sich selbst die US-Staaten für Homeschooling stark.

(4) Sie nehmen wohl kaum an, daß in der staatlich-monopolisierten Automobilproduktion der DDR jeder sein geeignetes Auto gefunden hat? Siehe auch meinen kurzen Artikel zum Bildungs-Trabbi

(5) So zum Beispiel Gabor Maté und Gordon Neufeld aus Kanada sowie verschiedene Studien im In- und Ausland.

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Im Auftrag der Bundeskanzlerin
Über Bildung
Am 08. Februar
Antwort Antwort

Re: Warum ist Heimunterricht nicht möglich?

Sehr geehrte Frau Volkmann,

vielen Dank für Ihre Mail, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten.

In Deutschland besteht allgemeine Schulpflicht. Für die Umsetzung sind ausschließlich die Länder zuständig.

In der Sache haben sowohl das Bundesverfassungsgericht als auch der Bundesgerichtshof gute Gründe für die Schulpflicht genannt. So heißt es in dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 31. Mai 2006: „Die allgemeine Schulpflicht dient dem legitimen Ziel der Durchsetzung des staatlichen Erziehungsauftrags. Dieser Auftrag richtet sich nicht nur auf die Vermittlung von Wissen und die Erziehung zu einer selbstverantwortlichen Persönlichkeit. Er richtet sich auch auf die Heranbildung verantwortlicher Staatsbürger, die verantwortungsbewusst an den demokratischen Prozessen in einer pluralistischen Gesellschaft teilhaben. Die Offenheit für ein breites Spektrum von Meinungen und Auffassungen ist konstitutive Voraussetzung einer öffentlichen Schule in einem freiheitlich-demokratischen Gemeinwesen.“

In der von Ihnen zitierten Entscheidung des Bundesgerichtshofes wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Entstehung von religiös oder weltanschaulich geprägten „Parallelgesellschaften” entgegenzuwirken ist und Minderheiten zu integrieren sind. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Bitte informieren Sie sich über die vielfältigen Schulangebote an Ihrem Wohnort. Fast alle Schulen bieten einen Tag der offenen Tür an oder stehen zu einem ausführlichen Informationsgespräch zur Verfügung. Wir sind sicher, dass Sie so eine geeignete Schule finden, auf dem Ihr Kind zusammen mit Gleichaltrigen bestmöglich gefördert wird.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr

Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

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