Quergelesen: 

“Demokratie wird nur durch Erleben erlernt, und das geschieht auch in der Schule”, kommentierte der GEW-Landeschef [Sachsen-Anhalt], Thomas Lippmann, das gestern vorgestellte Konzept der Landesregierung zu einer Demokratieoffensive des Landes. Demokratiedefizite einstehen in den realen Lebensprozessen und können deshalb nur zu geringen Teilen durch die Schule aufgearbeitet werden. “Lehrer können `Stammtischparolen` nicht aus den Köpfen verbannen, wenn Demokratie nicht gelebt wird”, fügte Lippmann hinzu….

…Lippmann regte an, endlich verlässliche Untersuchungen anzustellen, welchen Beitrag die Schule überhaupt in der Demokratieerziehung leisten könne.

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Wenn wir über Bildungsvielfalt reden, dann müssen wir auch diesen Themen angehen:

  • Was ist Demokratie?
  • Wo lernt man demokratisches Verhalten?
  • Kann man erwarten, daß die Schule die Demokratieerziehung übernimmt?
  • Sollte eine Demokratieerziehung nicht besser in familiären Umfeld stattfinden?
  • Welchen Fragen fallen dir ein?  Bitte ein Kommentar!

Das Ministerium für Schule und Weiterbildung in NRW teilt mit
Düsseldorf 19. Februar 2008. Junge Menschen für das Lehramt begeistern will die Landesregierung mit ihren Beratungstagen für Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschülern. In den nächsten zwei Wochen bis zum 1. März 2008 bieten die 67 Studienseminare für die Lehrämter landesweit Veranstaltungen zum „Zukunftsberuf Lehrer/in NRW“ an.

Ziel ist, die Jugendlichen frühzeitig und gezielt, für das Lehramt zu interessieren. (more…)

Ein Rundgang durchs Netz zeigt, daß das Thema Schule durchaus Salonfähig ist. Lehrer stöhnen, Eltern mosern, Schüler bocken, Arbeitgeber bemängeln, Politiker grübeln.

Wir wollen das heiße Eisen anpacken und fangen mit unterschiedlichen Eindrücke der aktuellen Stunde im Netz.

Zuerst möchte ich ein Handvoll Junge Männer (Schüler!) vorstellen:  Bei ihren Schul-Kritik Blog vereinen sie sehr professionel und ansprechend Schüler, Eltern sowie Pädagogen und diskutieren Schulthemen, wie sie in ihren Schulalltag vorkommen.  Einen Beitrag vor kurzem, Nach mir die Sintflut, hat besondere Fragen aufgeworfen zum Thema Schulreform, Schuländerung:

Wieso aber tun Eltern und Erziehungsberechtigte oder die Schüler selbst nichts oder wenig gegen Probleme wie ungerechte oder anzügliche Lehrer, unlogische Bestimmungen oder Gewaltentwicklung?

Das liegt meistens leider daran, dass sich bei vielen Schülern die Meinung durchsetzt: “Noch die paar Jahre und ich bin hier weg”. Die Misstände werden also akzeptiert und man begnügt sich mit der Vorstellung, dass bald ja alles vorbei sei.

Mit dieser egoistischen “Nach mir die Sintflut”-Einstellung verschließt man nicht nur die Augen vor den Problemen, man reicht diese auch an Generationen folgender Schüler weiter.

Wo diese Tatsachen verschwiegen werden, werden diese bald als Standard und normal angesehen und nicht weiter kritisiert.

Das macht nachdenklich und zugleich Mut:  denn wenn diese Junge Männer das Thema anpacken (und weitere folgen!), dann besteht doch Hoffnung, oder?

Von der Seite der Politik und Pädagogik kann man in der taz Artikel Nicht (nur) die Lehrer sind schuld lesen:

Dirk Hagener, einer der Evaluatoren und erfahrener Schul-Mann aus Hamburg, wo er eine Gesamtschule geleitet hat, kennt das Phänomen: “Das Letzte, was sich an Schulen positiv verändert, ist der Unterricht.”

Wenn Lehrer wenig motiviert seien, dann sei das schon Folge des Problems, meinte der FDP-Politiker Magnus Buhlert: “Lehrer werden im System demotiviert.<b>” </b>Wenn ein Lehrer versuche, eine heterogene Klasse “im Gleichschritt frontal zu unterrichten”, sei das natürlich äußerst stressig, fasst die Schulsenatorin ihre Sicht auf das Lehrerproblem zusammen. Sie würde gern “Assistenten” für den Unterricht in bestimmten Klassen einführen, “das wäre mir das allerliebste”. Bisher ist dafür jedoch kein Geld eingeplant.

Ferner wird im Artikel erklärt, daß “die Lehrer weiterführender Schulen nicht erfahren, was Pädagogen vorher festgestellt haben. Kenntnisse über frühere Förderversuche sind aber “für die pädagogische Arbeit wichtig”, räumt Jürgens-Pieper ein, Datenschutz-Probleme beim Übergang zwischen Schulen oder zwischen Kita und Schule “müssen bearbeitet werden”.

Es gibt immer wieder (aber leider noch sehr selten) (öffentliche) Institutionen, die diese Muster ERFOLGREICH durchbrechen.  Da denke ich an Enja Riegel und der Helene Lang Schule in Wiesbaden. 

Wenn wir über Bildungsvielfalt reden, dann müssen wir auch diesen Themen angehen.

  • Was heißt es, eine bereits existierende (öffentliche) Schule zu reformieren?
  • Welche Perspektiven kann man durch Schulgesetzänderungen schaffen, so daß es sich lohnt für Eltern und Schüler bei einer Veränderung tatkräftig mitzumachen?  (Wie kann man z.B. Behördengänge verkürzen, vereinfachen oder gar streichen?)
  • Welche Perspektiven haben Initiatoren von neuen Schulen (private), diese neue Schule “bald” realisieren zu können?  Wie kann man diesen Prozess beschleunigen oder vereinfachen?
  • Welchen Fragen fällt dir ein?  Bitte ein Kommentar!

*Anmerkung:  diese Artikel habe ich auch bei Genügsames Leben gepostet.

Was ich sehe, sind zwei Philosophien, die scheinen, ständig im Krieg zu sein:

1) die Bedürfnisse der Vielen überwiegen die Bedürfnisse der Wenigen oder des Einzelnen.

2) die Bedürfnisse des Einzelnen überwiegen die Bedürfnisse der Vielen.

Diese Schlacht ist nicht notwendig. Wir können 1) erreichen, indem wir uns 2) zu eigen machen. Ich behaupte, daß der Versuch ausschließlich Idee 1 in der Gesellschaft anzuwenden (etwa in der Schule?!) tatsächlich die Binde- und kooperative Natur der Gesellschaft zerstören würde. Die Zwangsumwandlung der freien Einzelpersonen in eine gefällige, nichts-in-frage-stellende Bevölkerung dient nicht die besten Interessen von den Vielen, denn wo ist dann Kreativität, Freude und Innovation?

Nur wenn wir die Freiheit haben, daß zu lernen was wir wollen, dem nachzugehen, was uns interessiert, werden wir effektiv die Bedürfnisse der Gesellschaft dienen, und folglich wird die Gesellschaft dadurch angereichert und erweitert. In der Suche nach Spock, als Kapitän Kirk, der die Vereinigung widersetzte, um Spock zu retten, setzte er die Bedürfnisse seines Freunds über die Seinen. Aber die Bedürfnisse Spocks waren seine Bedürfniss, denn er hätte nicht mit sich selbst leben können, hätte er nicht versucht seinen Freund Spock zu retten. Die Verfolgung schöpfte aller Tapferkeit und Kreativität der Mannschaft, die sich freiwillig an der Suche beteiligte und dadurch in ihrem Zweck vereinheitlicht wurden. Selbstverständlich waren sie erfolgreich, das sehen wir an die weiteren Star Treck Folgen!

Als Erzieher unsere Kinder erlauben wir uns die Freiheit, sie die Welt als eine wunderbare Ort zu sehen: um Forschungen anzustellen, Entdeckungen zu machen und das Leben verstehen zu lernen. Sie sind in der realen Welt jeden Tag und erfahren das Leben, wie es gelebt werden soll. Wir können ihnen zeigen, wie man die Gesellschaft dient (Macrowelt) durch das Erlernen und Erleben des Dienens zuerst in ihren unmittelbaren Umfeld, bei uns, zu Hause (Microwelt). Sie sind frei, ihre Interessen nachzugehen und ihre Neugierde zu stillen, worin liegen die Schlüssel zur Kreativität und Erfindungsgeist. Wir dienen die Gesellschaft, in dem wir die Bedürfnisse der Wenigen –oder gar des Einzelnen– nachgehen.

Der Tatsache das dieses soziale Lernen zu Hause stattfindet muß man sich bewusst werden lassen. Hier lernen unsere Kinder: generationsübergreifende und gesellschaftstauglich in einer Umgebung voller Annahme und Geborgenheit. Und wenn Disziplin, Korrektur, Zurechtweisung nötig sein sollte, dann geschieht dies eben auch durch Menschen, die diese Kinder nicht nur lieben, sondern, die dieses Kind über die Stunde, den Tag, die Woche, ja über das Schuljahr hinaus begleiten. Ich will damit sagen: Eltern haben eine tiefe Interesse daran, zu sehen, dass Kinder gedeihen, lernen und sich weiter entwickeln. Sie haben diese Interesse, zum einen, weil die Kinder eine natürliche Fortsetzung sich selbst sind, zum anderen haben sie diese Verantwortung, denn “Eltern haften für ihre Kinder”.

In jeder Institution (Schule, Kiga, Hort usw.), mögen da so viele engagierte, nette Menschen arbeiten, kann es nur eine schwache Abbild der herkömmliche Familie geben. Zu häufig sind Kinder überwiegend der Gesellschaft ihres Gleichen für zu viel Zeit des Tages überlassen. Die Möglichkeit, seine eigene Interesse nachzugehen in einer Umgebung der Geborgenheit ist nahezu unmöglich. Es herrscht Regel 1, die Bedürfnisse der Vielen überstimmen die Bedürfnisse des Einzelnen. Es mag eventuell wenige Lehrer geben, die aus dieser Situation eine annähernde gesunde Klima schaffen, um ein optimales, selbst bestimmtes Lernen zu ermöglichen. Aber allzu oft herrschen in der Schule andere Mächte: Lehrplanmacht, Zensuren, Klassengrößen von über 20 Kinder (das wäre eine kleine Klasse!). Dabei habe ich solche unangenehme Tendenzen nicht erwähnt, wie etwa Mobbing (unter Schüler wie auch unter Kollegen), Gruppenzwang (ebenfalls unter Schüler sowie Kollegen)…

Im Namen der Integration, im Namen der Bildung und im Namen der Sozialisation von Kinder werden sie verpflichtet (!), in Schulen zu gehen, um gesellschaftstauglich zu werden. Das da nicht optimale Arbeit geleistet wird, braucht man lediglich die Zeitung aufzuschlagen; mit den Unternehmer zu reden, die beklagen, dass es keine besondere Auslese unter den vielen “erfolgreiche” Schulabgänger zu finden sind. Und die Zahl der nicht “erfolgreichen” Schulabgänger steigt stets.

In einem Klassenzimmer ist die Primärfunktion des Lehrers die Massensteuerung. Gleichabhängigkeit hält die Herde zusammen: das ist das Positive an Gruppenzwang! Das Außerordentliche wird als Unannehmlichkeit angesehen, besonders wenn sie nicht auf dem Schulekalender oder in den Lehrplänen ist. Das Einverständnis wird erwartet: unabhängig von der Situation und wer das Material, die Umsetzung, das Ziel in Frage stellt, wird als Unruhestifter betrachtet. Das Lernen findet in 3/4 Stundentakt statt. Dies geschieht im Namen des Förderns der Gesellschaft, der Zufriedenheit der Bedürfnisse von den Vielen, durch das Ignorieren der Bedürfnisse von den Wenigen oder des Einzelnen.

Diese, m.E. verkehrte Denkweise verfolgt die Bundesregierung. Ich zitiere aus der Antwort auf Frau Frau Volkmanns Anfrage: Warum ist Heimunterricht nicht möglich?

[Der Erziehungsauftrag des Staates] richtet sich auch auf die Heranbildung verantwortlicher Staatsbürger, die verantwortungsbewusst an den demokratischen Prozessen in einer pluralistischen Gesellschaft teilhaben. Die Offenheit für ein breites Spektrum von Meinungen und Auffassungen ist konstitutive Voraussetzung einer öffentlichen Schule in einem freiheitlich-demokratischen Gemeinwesen.

Bedauerlicherweise sehe ich durch die Strukturen, die Schulen im Allgemeinen haben, gibt es nicht viel Spielraum, damit Kinder entdecken und umsetzten können, wenn es darum gehen soll, “verantwortungsbewusst an den demokratischen Prozessen in einer pluralistischen Gesellschaft teilhaben”: Sie haben keine Mitbestimmungsrecht über ihren schulischen Alltag. Es wird vom Staat her gesagt, wann sie da sein müssen, welche Fächer, in welche Reihenfolge, in welcher Intensität, begrenzt auf 45 Minuten Takt, wann sie Hunger verspüren dürfen, wann sie ihr Bewegungsdrang für ganze 10 Minuten nachgehen dürfen. Das Lerntempo wird höchstens von den Vielen gelenkt, meistens aber von den Einzelnen, hier ist selbstverständlich von der Lehrer die Rede!

Ferner heißt es:

Die allgemeine Schulpflicht dient dem legitimen Ziel der Durchsetzung des staatlichen Erziehungsauftrags. Dieser Auftrag richtet sich nicht nur auf die Vermittlung von Wissen und die Erziehung zu einer selbstverantwortlichen Persönlichkeit.

Merkwürdigerweise herrscht die Meinung, man könne unter Fremdbestimmung (wie sie einfach durch festgelegte Lehrpläne durchgesetzt wird) lernen, ein selbstverantwortliche Persönlichkeit zu werden.

Meine Zusammenfassung ist, daß wir eine dynamische, emporkommende Gesellschaft erst und nur dann entwickeln werden, wenn wir von der Gedanke des kollektiven Lernen und Leben aufgeben und zu eine Familien orientierten Leben, Lernen und Bildung zurückfinden. Das, meine liebe Leserin, mein lieber Leser, wäre ein Familien freundliches Deutschland!

Wie siehst du diese Sachlage?